Jurastudent verkauft Drogen im Wert von 500.000 Euro

6.3.2015, 15:23 Uhr
Sichergestelltes Bargeld – Erlös aus dem Rauschgifthandel.

Sichergestelltes Bargeld – Erlös aus dem Rauschgifthandel. © Polizei

Schnell wurde den Ermittlern klar: Dieser Fall nimmt große Dimensionen an. Die Kriminalpolizei Regensburg sah sich deshalb veranlasst, die sechsköpfige „Ermittlungsgruppe Konopi“ einzurichten, das tschechische Wort für Hanf. Marihuana aus Tschechien und dessen Verkauf im Großraum Regensburg waren Gegenstand der Ermittlungen.

Die Tatverdächtigen setzen sich, abseits jeglicher Klischees, aus Berufstätige, Schüler und Studenten aus gut bürgerlichem Hause zusammen, heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Gründer dieses Netzwerks war ein 22-jähriger Elektroniker aus Regensburg, der den Verteilerring im Schneeballprinzip aufbaute und dessen Motivation das schnelle Geld war. An seiner Seite stand ein 23-jähriger Jurastudent. Diese beiden bildeten den Kopf der Organisation.

Bodyguard als Geldeintreiber

Um bei Lieferungen oder ausstehenden Forderungen den entsprechenden  Eindruck zu vermitteln, hatten sich die jungen Männers einen hünenhaften Bodyguard aus Tschetschenien an die Seite gestellt. Bei einem monatlichen Einkommen von 3000 Euro sorgte der für den Schutz der Bandenmitglieder und agierte zudem mehrfach als Geldeintreiber.

Unterstützt wurde er dabei von mehreren, polizeilich wegen Gewaltdelikten bekannten Unterstützern.

Bei Rauschgiftgeschäften verwendete erlaubnisfreie Schreckschusspistole.

Bei Rauschgiftgeschäften verwendete erlaubnisfreie Schreckschusspistole. © Polizei

Säumige Kunden und vermeintliche Verräter wurden unter einem Vorwand in einen Hinterhalt gelockt und dort stundenlang festgehalten. Zwei Opfer wurden unter heftigen Schlägen und mit massiven Drohungen gefügig gemacht.

Gekauft hatte die Gruppierung das Marihuana durch Kontakte ins benachbarte Tschechien, insbesondere nach Prag. Die Besorgungsfahrten, sowohl mit dem Auto als auch Motorrad übernahmen anfangs Kuriere der Organisation. Später wurde die Ware als Serviceleistung von den Hintermännern geliefert.

Jede dieser Fahrten beinhaltete den Transport von etwa zehn Kilogramm Marihuana. Die Gesamtanzahl der Fahrten liegt im zweistelligen Bereich. Nach der Auswertung der sichergestellten Unterlagen und der schon davor erlangten Kenntnisse erwirtschaftete der 22-Jährige so von Mitte 2012 bis April 2014 zwischen 400 000 und 500 000 Euro.

Wohnungen durchsucht

Obwohl sich die Tatverdächtigen seit vielen Jahren durch den gemeinsamen Schulbesuch oder Freizeitbeschäftigungen kannten, gab es in den eigenen Reihen ein hohes Maß an Misstrauen und auch gewaltbereitem Verhalten.

Anfang Februar 2014 waren die verdeckt geführten Ermittlungen so weit vorangeschritten, dass die Staatsanwaltschaft Regensburg Durchsuchungsbeschlüsse und Haftbefehle gegen sieben Tatverdächtige beantragte.

Die über den gesamten Zeitraum enge Zusammenarbeit zwischen Ermittlern und Staatsanwaltschaft war ein wesentlicher Bestandteil des Ermittlungserfolges. Neben Kräften der KPI Regensburg waren auch Fahnder der KPI für Zentralaufgaben Oberpfalz und tschechische Polizeibehörden beteiligt.

Gegen sieben Tatverdächtige erließ der Richter am Amtsgericht Regensburg Haftbefehl, den die Ermittler am 2. April 2014 vollzogen. Bei der Festnahme der Tatverdächtigen wurden Fahrzeuge, Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich und hochwertiger Schmuck beschlagnahmt.

Trotz der relativ geringen Menge sichergestellten Rauschgifts steht aufgrund der durchgeführten Ermittlungen fest, dass es etwa 130 bis 140  Kilogramm Marihuana waren, die von den Beschuldigten aus Tschechien bezogen und an Abnehmer verkauft wurden. Zu diesen zählten auch Mitglieder eines Rockerclubs.

Daraus resultierende Ermittlungen wurden durch das Kriminalfachdezernat in München übernommen und endeten ebenfalls mit einer Vielzahl weiterer Festnahmen. 

Im Oktober 2014 erfolgte die Auflösung der „EG Konopi“. Es sollte noch mehrere Monate dauern bis zum Abschluss der kriminalpolizeilichen Ermittlungen. Die polizeilichen Ermittlungen endeten mit der Abgabe an die Staatsanwaltschaft Regensburg. Diese hat zwischenzeitlich Anklage zur großen Strafkammer beim Landgericht Regensburg erhoben, wo der Prozess am 12. März beginnt.