"Kein Mensch ist illegal": Flüchtlinge ziehen durch Landkreis

Kein Mensch ist illegal, steht auf einem großen Transparent, das die Asylbewerber in Deining entrollten.

Kein Mensch ist illegal, steht auf einem großen Transparent, das die Asylbewerber in Deining entrollten. © Hubert Bösl

Die Luft ist feucht und klamm, die Propeller der Windräder auf der Jurahochfläche sind in den tief hängenden Wolken verschwunden. Die Kapuzen über den Kopf gezogen, die Schirmmützen tief im Gesicht, trotten die 120 Flüchtlinge auf dem breiten Rad- und Gehweg neben der Bundesstraße 8 hinter einem Polizeifahrzeug her; das Blaulicht ist an, auf der Anzeigentafel rotieren die Buchstaben "Veranstaltung".

Die Veranstaltung wird lebhaft, als sie Mittersthal erreicht. Ein Flüchtling greift sich ein Megaphon, andere rollen Transparente mit ihren Forderungen aus.

Der Treck marschiert laut skandierend durch die Dorfmitte, vorbei an der Kirche Richtung Deining. Ein paar Dorfbewohner bekommen das mit, aber nicht viele. Von interessiert bis erstaunt reichen die Mienen. Das ist nicht anders in Deining, wo der Zug für ein kurzes Stück über die Hauptstraße geht und dann wieder abbiegt von der vielbefahrenen B8 auf die Ortsverbindungsstraße nach Tauernfeld.

Lautstark ihre Slogans skandierend zogen die Asylbewerber durch Mittersthal, um die Anwohner auf ihren Protest aufmerksam zu machen.

Lautstark ihre Slogans skandierend zogen die Asylbewerber durch Mittersthal, um die Anwohner auf ihren Protest aufmerksam zu machen. © Hubert Bösl

Nach vier Wochen Dauerdemo am Sendlinger Tor starteten die rund 120 Flüchtlinge am 8. Oktober den Protestmarsch zum Bamf. Über Moosbach, Landshut, Regensburg und Hemau ging es nach Parsberg. Dort war Station am Sonntagabend. Die vergangene Nacht zelteten die Flüchtlinge, überwiegend Männer, in Neumarkt. Ein Dach über dem Kopf war nicht zu organisieren.

Ihr Protest richtet sich gegen das bayerische Integrationsgesetz, gegen Abschiebung und Residenzpflicht. Das steht auf den Flugzetteln, die sie verteilen. Sie seien tausende von Kilometern gelaufen, um nach Deutschland zu kommen und sie würden weiterlaufen, bis sie ihr Recht bekommen. Das sahen nicht alle, die den Zug passieren sahen, so, wie sich aus den Kommentaren unschwer heraushören ließ. Heute führt der Treck nach Feucht.

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