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Landkreis Neumarkt: Die Luca-App ist startbereit

5,5 Millionen Euro hat sich Bayern eine Jahreslizenz kosten lassen - 15.05.2021 06:00 Uhr

Daten sammeln für eine mögliche Kontaktnachverfolgung: Eine Frau scannt am Eingang eines Berliner Geschäfts einen QR-Code zum Download der Luca-App.

14.05.2021 © Foto: Christoph Soeder/dpa


Am Eingang: Piep. Registriert. Rein. Zwei Stunden später: Ausgang. Piep. Raus. So einfach funktioniert im Idealfall die Luca-App. Und wenn irgendjemand in diesen zwei Stunden ebenfalls im Laden oder im Biergarten war, der wenig später coronapositiv getestet wurde, werden die anderen Besucher und Gäste benachrichtigt. Über das Handy, über die App.

5,5 Millionen Euro hat sich der Freistaat Bayern eine Jahreslizenz für die Luca-App kosten lassen. Unternehmern und Privatpersonen können sie sich jetzt schon kostenfrei herunterladen. Auch dort, wo der Sieben-Tage-Inzidenzwert noch nicht dauerhaft unter 100 liegt, Außengastronomie und Kinos sich mit der Öffnung noch gedulden müssen.


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"Sie ist für alle Postleitzahlen im Landkreis Neumarkt seit einiger Zeit freigeschalten und nutzbar", sagt Dr. Marco Damzog vom Gesundheitsamt in Neumarkt. Auch wenn der Wert 100 im Landkreis noch in einiger Ferne liegt.

 

Während die Luca-App für die Geschäfte und ihre Kunden kostenlos ist, muss der Staat zahlen, möchten seine Gesundheitsämter bei Bedarf auf die digitalen Gästelisten zugreifen. "Darum sollen wir die App natürlich auch nutzen", sagt Amtsarzt Damzog.

Die Luca-App hat die neXenio GmbH, ein Berliner Start-up-Unternehmen, entwickelt. Bekannt wurde sie, weil Kulturschaffende, allen voran Smudo von den "Fantastischen Vier", das Projekt von Anfang an unterstützt haben und die Werbetrommel dafür rühren. Die Hoffnung: In absehbarer Zeit mehr Dinge ermöglichen, nach welchen sich so viele Menschen sehnen.


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Die App hat tatsächlich Vorteile: Veranstalter, Gastronomen, Dienstleister und Einzelhändler können sich kostenlos registrieren und einen sogenannten QR-Code generieren. "Das könnte man sogar für die eigenen Geburtsparty machen", sagt Dr. Damzog. So werden die Besucher bei einer Veranstaltung, beim Shoppen, im Restaurant, im Kino oder im Theater "eingecheckt" und ihre Kontaktdaten automatisch erfasst und verschlüsselt.

Damit das funktioniert, müssen die Besucher die Luca-App auf ihrem Smartphone installiert haben. Darin können die Kontaktdaten eingetragen und gespeichert werden – damit entfällt das lästige Ausfüllen von Zetteln. Allerdings: Wer kein Smartphone hat, für den werden die Kontaktdaten selbstverständlich weiterhin im Lokal per Hand oder vielleicht dann am Tablet erfasst.

Wenn Besucher später positiv auf Corona getestet werden sollten, können über die in der App verschlüsselten Daten schnell Kontakte nachverfolgt werden. Und im Idealfall viel schneller unterbrochen werden als bisher. Einfach gesagt: Die App erstellt eine digitale Gästeliste, die nur durch das Gesundheitsamt entschlüsselt werden kann.

Keine Zettelwirtschaft mehr

Die Luca-App ist schon seit vielen Monaten auf dem Markt. Doch erst vor einigen Wochen hat das Bayerische Gesundheitsministerium durch den Kauf die Ampeln auch im Freistaat auf "Grün" gestellt. Nach und nach wurden und werden die bayerischen Gesundheitsämter angebunden. Da vor allem die Gastronomie- und Veranstaltungsangebote aktuell noch sehr eingeschränkt oder in den meisten Fällen nach wie vor verboten sind, ist der Nutzen der App derzeit noch nicht voll abschätzbar. Dort, wo sie schon genutzt wird, überwiegt das Lob, vor allem weil die "ganze Zettelwirtschaft" wegfällt.

Auch können sich Kunden nun nicht mehr als "Donald Duck" oder "Darth Vader" eintragen oder mit frei erfundenen Telefonnummern. Die Luca-App bietet hier ein Stück mehr Sicherheit – und Ehrlichkeit.

Allerdings haben auch hier schon Kritiker den Finger gehoben. Anders als bei der datenschutzrechtlich unbedenklichen, aber trotzdem viel kritisierten Corona-Warn-App werden die Daten bei Luca zentral gespeichert, was Hackern einen Datenangriff erleichtern könnte. Der Anbieter wurde von seinen Vertragspartnern allerdings aufgefordert, kritische Punkte bei den regelmäßigen Updates nachzubessern.

Wie berichtet favorisiert das Gaststätten- und Hotelgewerbe eine Lösung, die beim Eingritt auch den Status des Gastes als "getestet" oder "geimpft" erfasst. Zudem soll auch die bekannte Corona-Warn-App des Bundesgesundheitsministeriums, die Millionen von Menschen bereits auf ihr Smartphone geladen haben, technisch so nachgerüstet werden, dass sie ähnliches können soll wie die Luca-App.

R. GERNER UND N. DAMM

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