Landkreis Neumarkt macht Quartier für Flüchtlinge

24.10.2014, 11:00 Uhr
In dieser Unterkunft für Asylbewerber läuft es gut: Pensionsbesitzerin Eva Simon gibt in Neuhaus bei Berching das Mittagessen aus.

In dieser Unterkunft für Asylbewerber läuft es gut: Pensionsbesitzerin Eva Simon gibt in Neuhaus bei Berching das Mittagessen aus. © Archivfoto: Fritz Etzold

In dieser Woche waren die 71 Landkreise und 25 kreisfreien Städte mit dem „Winter-Notfallplan“ aus München konfrontiert worden. Es geht um 20 000 bis 30 000 Wohnplätze bayernweit. Gestern gab es eine behördeninterne Besprechung im Landratsamt zur Umsetzung dieses Notfallplanes. Danach äußerte sich Sozialreferent Dr. Gerhard Pfohl auf Anfrage der Neumarkter Nachrichten zuversichtlich, dass der Landkreis die Vorgaben erfüllen kann.

Pfohl führt derzeit Verhandlungen zur vorübergehenden Nutzung von mehreren Mehrzweck- und Sporthallen als Notquartiere für Flüchtlinge. Die fraglichen Objekte wollte der Sozialreferent allerdings noch nicht nennen, um „die Verhandlungen nicht zu belasten“. Pfohl: „Ich will keinen Staub aufwirbeln, wo dann vielleicht nichts ist.“ Vermutlich werde es dem Landkreis gelingen, bis zum 3. November die Notunterkünfte an die Regierung zu melden.

Container in Neumarkt?

Die zweite Stufe des bayerischen Konzeptes sieht vor, dass die Kommunen Gelände für die Aufstellung von Wohncontainern ausweisen. In den Behelfsunterkünften sollen die Menschen dann maximal zwei bis drei Monate leben. Dazu will der Kreis-Sozialreferent mit den Gemeinden Gespräche aufnehmen. Erste Verhandlungen mit der Stadt Neumarkt hat es bereits gegeben. Die sollen am heutigen Freitag fortgesetzt werden. Dabei geht es aber nicht um die kurzfristige Platzierung von Containern, sondern um „Vorsorge für Notfälle“: Der Landkreis will sich die Option sichern, ohne großen Vorlauf Container für 50 und mehr Personen aufzustellen.

Für die Stufe drei fordert die Staatsregierung von den Kreisen und kreisfreien Städten „temporäre Gebäude“, die in kurzer Zeit errichtet und von den Flüchtlingen auch länger bewohnt werden können. Auch hier hat der Landkreis etwas zu bieten: Auf einem ehemaligen Firmengelände in der Neumarkter Goldschmidtstraße soll eine Betriebswohnung in ein Wohnheim umgewidmet werden. Außerdem ist der Neubau von zwei Wohnmodulen geplant — insgesamt Raum für 49 Menschen.

Der Neumarkter Immobilienunternehmer Markus Rätzer hat für das Vorhaben schon die Zustimmung des Bausenates des Neumarkter Stadtrates erhalten. Die Planungen dafür laufen nach Angaben von Sozialreferent Pfohl schon seit Monaten — unabhängig vom Münchner Notfallplan. Die „temporären“ Gebäude in Holzbauweise sollen um den Jahreswechsel bezugsfertig sein. Der Landkreis Neumarkt beherbergt schon jetzt 360 Asylbewerber und kann insgesamt 450 Wohnplätze vorweisen. „Bei uns schaut es ganz gut aus“, meinte Gerhard Pfohl.

Der Landkreis setzt auf ein dezentrales Konzept der Flüchtlingsunterbringung. Die teils traumatisierten Menschen sollen ein möglichst angenehmes Umfeld haben, um sich von den Strapazen zu erholen. „Wir streben normales Wohnen an, die Flüchtlinge sollen sich wie in einer Familie fühlen“, sagte der Sozialreferent.

Einerseits verfügt der Landkreis über eine Reihe von großen Gemeinschaftsunterkünften, beispielsweise den Nürnberger Hof in Neumarkt mit 65 Bewohnern oder den Klosterhof in Seligenporten, wo 45 Personen untergekommen sind. Weitere Gemeinschaftseinrichtungen gibt es in Parsberg (67 Menschen) und in Hohenfels (45).

Neben den größeren Wohneinheiten gibt es eine ganze Reihe von Wohnungen und Einfamilienhäusern im Landkreis, die der Freistaat für die Flüchtlinge angemietet hat. Dies sind Objekte unter anderem in Neumarkt, Seligenporten, Parsberg, Breitenbrunn, Berching, Dietfurt, Velburg, Berg, Seubersdorf und Deining.

Sozialreferent Pfohl bemüht sich auch deshalb um ein dezentrales Unterbringungskonzept, weil er darin eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration der Ausländer sieht.

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