Gastronomie

"Lauteracher Hof" sucht Unterstützer für ökologische Sanierung und Gastronomie 2.0

30.5.2021, 14:10 Uhr
Auch in der Küche tut sich was: Die Wirtsleute Steffi Lang und Kai Donhauser legen bei der Sanierung des Lauteracher Hofs den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Das fängt an bei den Baustoffen und geht bis zu den regionalen Produkten, die sie nach der Wiedereröffnung ihren Gästen servieren werden.

Auch in der Küche tut sich was: Die Wirtsleute Steffi Lang und Kai Donhauser legen bei der Sanierung des Lauteracher Hofs den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Das fängt an bei den Baustoffen und geht bis zu den regionalen Produkten, die sie nach der Wiedereröffnung ihren Gästen servieren werden. © Magdalena Kayser, NN

Nachhaltig soll das passieren, das ist die große Überschrift. "In dem Raum, in dem man zusammensitzt, und auf dem Teller sollen keine Schadstoffe landen", sagt Kai Donhauser. Auf der Karte werden vegetarische und vegane Gerichte stehen, auch Braten und Schnitzel am Sonntag. Alles mit Lebensmitteln, die im Umkreis von zehn Kilometern erzeugt werden.

Per Crowdfunding suchen die beiden noch Mitstreiter: Auf der Plattform startnext.com kann man das Projekt frei unterstützen oder sich ein Dankeschön wie von Donhauser selbst gestaltete T-Shirts oder ein Weißwurstfrühstück sichern. "Wer eh plant, mal bei uns zu essen oder zu feiern, kann auf diese Weise in Vorleistung gehen – das senkt unsere Schuldenlast", fasst es Steffi Lang zusammen. Rund 230 000 Euro wird der Umbau kosten.

Mehr als 400 Jahre alt

Das Gasthaus Gehr ist schon um die 400 Jahre alt und war immer im Familienbesitz von Steffi Langs Vorfahren. Ihre Mutter Claudia Stöckl-Lang ist dort aufgewachsen, hat von klein auf erlebt, wie die Gäste in der Stube gemeinsam musiziert, gesungen, gefeiert und gelacht haben. Einer der ersten Fernseher des Dorfs stand "hier in der Küche, da haben sie in der Gruppe Krimis angeschaut". Steffi Lang hat viele Geschichten aus der Geschichte des Wirtshauses gehört. Und auch als Jugendliche schon angepackt, "in der Küche hab ich Knödel gedreht, und ich habe bedient."

Ludwig und Anna Gehr, die Urgroßeltern von Steffi Lang, vor ihrem Gasthaus mit Metzgerei an der Lauterachstraße.

Ludwig und Anna Gehr, die Urgroßeltern von Steffi Lang, vor ihrem Gasthaus mit Metzgerei an der Lauterachstraße. © Archiv Familie Lang

Ein Ort, an dem man zusammenkommt, das soll ein Wirtshaus sein, finden Kai Donhauser und Steffi Lang. Sie sehen das als ein Projekt im Sinne der Gemeinwohlökonomie. Im Sommer 2019 haben sie sich entschlossen, das Wirtshaus zu übernehmen. Vorher hatte Steffis Onkel Josef Stöckl das Gasthaus geführt. Als er 2009 starb, war die langfristige Zukunft des Hauses erstmal unklar. "Doch wir hatten keinen Tag zu, in derselben Woche war der Stammtisch hier", erinnert sich Lang (35).

Mit ihrem Partner Kai Donhauser und ihrem Bruder Wastl Lang hat sie eine Zeitlang gemeinsam den Betrieb am Wochenende aufrechterhalten. "Mein Bruder und ich haben da beide studiert, hatten durchaus andere Lebenspläne." Doch das Wirtshaus sollte nicht das Schicksal so vieler Dorfwirtschaften erleiden und schließen.

Freude am Kochen

Als Steffi und Kai mit ihren drei Kindern nach Lauterhofen zogen, entschieden sie sich, das Wirtshaus zu managen. "Wir hätten das auch einfach zu Wohnungen umbauen können, aber wir wollen hier etwas gestalten", sagt Steffi Lang. Sie arbeitet als Förderlehrerin bei der Lebenshilfe Neumarkt; gemeinsam mit ihrem Kai möchte sie auch Kochkurse für Kinder und Jugendliche anbieten.

Wappen und Jahreszahl an der Tür künden von der langen Wirtshausgeschichte.

Wappen und Jahreszahl an der Tür künden von der langen Wirtshausgeschichte. © Magdalena Kayser, NN

Donhauser, 42, hat eine Mechanikerlehre gemacht, "ich war selbständig, seit ich Anfang 20 war", sagt er. Das Kochen hat ihn schon lange fasziniert. Mit 15, seine Eltern waren im Urlaub, briet er sich ein Stück geräucherten Schinken raus, kochte Nudeln dazu. "Das war natürlich wahnsinnig salzig, aber ich habe gemerkt: Voll cool, ich kann mich auch selber versorgen."

Die Freude am Kochen und am Ausprobieren ist weiter da. Mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit: Das fängt bei den Baustoffen an – verputzt wird etwa mit einem Stroh-Lehm-Gemisch – und geht über das Prinzip, das Alte zu erhalten statt abzureißen, bis zu den regionalen Produkten.

"Einen Ort der Integration und Inklusion, mit Mitarbeitern, die das Unternehmen mitgestalten", das wollen Lang und Donhauser auf die Beine stellen. In der Speisekarte sollen die Preise aufgeschlüsselt sein, so dass klar wird, was der Erzeuger, was die Servicekraft und was die Wirtsleute jeweils erhalten.

Hier ist das Gasthaus Gehr schon ein „Restaurant“ mit eigener Kühlanlage: Das Mädchen vorne rechts ist Steffi Langs Oma Lina, die die Wirtschaft von den Eltern übernahm und später an Langs Onkel übergab.

Hier ist das Gasthaus Gehr schon ein „Restaurant“ mit eigener Kühlanlage: Das Mädchen vorne rechts ist Steffi Langs Oma Lina, die die Wirtschaft von den Eltern übernahm und später an Langs Onkel übergab. © Archiv Familie Lang

Auf den Teller im Lauteracher Hof sollen gut erzeugte Lebensmittel kommen. "Wenn ich Fleisch esse oder serviere, dann muss das von einem Tier sein, das auf der Weide gestanden hat." Dazu will Donhauser nicht auf ein Bio-Siegel pochen. "Wir werden viel bio hier haben, aber wir sind da nicht dogmatisch."

Alte Balkendecke erhalten

Als er die alte Theke ausbauen wollte, eigentlich die einzige Baumaßnahme, die er sich zunächst vorgenommen hatte, stieß er auf den Grund dafür, dass "irgendwie immer eine Wasseruhr gelaufen ist", sagt er. Unter der Theke war Schlamm, ein großer Wasserschaden. "Aber ich habe auch den Fußboden aus Flossenbürger Granit unter ein paar Lagen Fliesen gefunden", sagt er.

Jetzt wird die Wirtsstube hergerichtet, die alte Balkendecke ist schon saniert, die Wände werden verputzt. Das frühere Metzgerlädchen mit schmucken weinrot- und cremefarbenen Fußbodenfliesen soll ein kleines Nebenzimmer werden, "vielleicht für ein Dinner-Date zu zweit oder für kleine Feiern".

Das Ziel ist, "etwas Gewohntes etwas sozialer und etwas nachhaltiger zu machen", sagt Kai Donhauser. Ihm schwebt ein Ort des Austauschs vor, "zum Zamsitzen, wie eh und je – und das ganze Richtung zero-waste- Gastronomie, mit Mehrwegverpackungen beim Bestellen und vieles andere." Auch musikalische Veranstaltungen wie das Hoffest mit Livemusik und das Heimatklang-Openair sollen wieder starten. Wann genau der Lauteracher Hof mit Gaststube für 40 bis 50 Leute, Gewölbesaal, Kegelbahn und Biergarten aufmacht, ist noch nicht ganz klar.

Das Crowdfunding läuft noch bis 6. Juni auf der Crowdfunding-Plattform startnext.com. Weitere Infos zum Lauteracher Hof gibt es hier.