Samstag, 07.12.2019

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Malerei kommt auf den Hund

Der Maler Gregory Forstner zeigt seine neuen Werke in der Galerie von Michael Zink in Waldkirchen. - 15.09.2019 16:15 Uhr

Der Kopf einer Bulldogge auf einem menschlichen Körper: Mancher Besucher findet die Bilder „mönströs“ und mancher „schrecklich lustig“. Ein Hingucker sind sie allemal. © Foto: Anestis Aslanidis


„It’s a lot, it’s a lot like life“, so nennt der französische Künstler Gregory Forstner seine Ausstellung, die jetzt in Waldkirchen zu sehen ist. © Foto: Anestis Aslanidis


In seiner Galerie in Waldkirchen stellt Michael Zink die großflächigen Bilder aus, die der Künstler mit Humor und Bitternis geschaffen hat. © Foto: Anestis Aslanidis


Jetzt stellt Michael Zink in seiner neuen Galerie in Waldkirchen (zwischen Seubersdorf und Berching) einen der einflussreichsten Gegenwartsmaler Frankreichs aus, dessen große Formate, die Humor und Bitternis vereinen: gemalt mit kräftigem Pinselstrich selbst fürs kleinste Detail, Öl auf Leinwand und immer ein Schlag ins Gesicht der kunsthistorisch vorgeprägten Erwartungshaltung.

Die Hofnarren Königs Philipps IV. von Spanien tragen als Velasquez-Zitate Bulldoggen-Köpfe, treten wie Granden am spanischen Hof auf und machen deutlicher als die barocken Originale, wie groß der Unterschied zwischen Herr und Diener ist: spielerisch, grotesk hinterhältig, stets mit der Karikatur im Kopf und mit Erinnerungen an Goya oder Daumier.

Es ist bei den großflächigen Arbeiten in der kleinen Galerie von Waldkirchen kaum möglich, auch nur ausschnittsweise einen Überblick über Forstners Werk zu geben. Zink stellt ihn zum wiederholten Male aus, jetzt die neuesten Arbeiten mit den Bulldoggen in Hoftracht. Aber das ist nur eines der Zitate, die Forstner aus der Kunstgeschichte benützt. Neben Diego Velasquez gibt es oft Edouard Monet, natürlich dessen Olimpia oder das Frühstück im Grünen, hochherrschaftliche Jäger wie von Gainsborough – alles aber in einer extremen Verfremdung. Etwa wenn in der "Pastorale" von 2016 das Schwein ein üppiges Blumenbukett im fetten Arm hält oder der kecke Schwarze in elegantem Südstaaten-Outfit die nackte weiße Seejungfrau aus dem Wasser zieht.

In dieser Vielfalt der Zitate spiegelt sich auch Forstners Lebenslauf, den man in einem Katalog nachlesen kann, den Zink zusammen mit der Fondation Fernet Branca, die parallel im Elsass Forstner ausstellt, herausgegeben hat: 1975 in Kamerun geboren, österreichisch-französische Eltern. Er hat in Wien studiert, auch in New York oder Frankreich, gibt gerne zu, dass er sich ohne Abitur in die Kunsthochschulen geschwindelt und geschmuggelt hat.

Begehrter Akt

In Wien war er ein begehrtes Aktmodell an der Akademie, was man ihm gerne glaubt: ein Video bei Zink zeigt ihn gut gebaut, mit knapper Badehose beim täglichen Schwimmpensum im Meer nahe Montpellier, wo er mit seiner Familie derzeit lebt: einfach auch, weil ihm die Studiengebühren für seine Töchter in den USA zu teuer sind.

Familie spielt im Werk von Forstner eine zentrale Rolle: weniger auf den aktuellen Bildern in Waldkirchen, als in dem vielen, was man im brandneuen Katalog anschauen kann. Unbedingt sollte man das "Narrenschiff" aufblättern, eine Art hölzernen Bottich, in dem die Großväter Forstners sitzen – beide beim Fischen, der eine in der SS, der andere in der französischen Widerstandsbewegung, natürlich auch sie mit Hundeköpfen, gefletschten Zähnen der eine, gleichmütigem Blick der andere (2009): "Diese Tatsachen haben mich in meinem Herangehen an die Welt und die Bilder sehr geprägt" (Forstner).

Das wirkt, genauso wie die Velasquez-Paraphrasen in der Ausstellung, auf Anhieb sehr einleuchtend, zugleich aber extrem fremdartig, verrät beim Maler und fordert beim Betrachter höchste Wachsamkeit und die Fähigkeit zum Entwirren dieser Beziehungen. Und das in einer Malerei, die in ihrer geradezu altmodischen Technik und ihrem aktuellen inhaltlichen Ansatz nicht neu ist, aber einsam im gegenwärtigen Kunstbetrieb steht: "terribly funny" und gleichzeitig "monstrous" sei das, hört man von den Forstner-Sammlern.

Die können in Waldkirchen neben den weitgehend schon verkauften monströsen Formaten auch auf Zeichnungen zurückgreifen, die den inhaltlichen Ansatz von Forstner genauso aufgreifen. "His work has a strong presence", will sagen, dieser Forstner mit breitem, heftigen Pinselstrich vor der Leinwand, mit nacktem Oberkörper und Flip-Flops noch vom Strand, das ist einer, der behauptet: "Es gibt eine Menge, eine Menge, die wie das Leben ist." So heißt Forstners auf den Kopf gestellte Welt und die Ausstellung der Galerie Zink.

InfoBis 13. Oktober, sonntags von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet und nach Vereinbarung unter galeriezink.de

UWE MITSCHING

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