Mittwoch, 20.11.2019

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Möchtegern-Bankräuber von Postbauer-Heng müssen in den Knast

Männer hatten versucht einen Geldautomaten mit Gas zu sprengen - 05.09.2019 07:55 Uhr

Ein Sprengstoffexperte der Polizei begutachtet die Gasflasche, mit deren Inhalt die Bande den Geldautomaten sprengen sollte. Einsatzkräfte hatten im vergangenen März das Centrum von Postbauer-Heng für mehrere Stunden abgeriegelt. © Foto: Wolfgang Fellner


Im Gangsterfilm sieht es so einfach aus: Ein Schlauch wird in die Öffnung des Automaten eingeführt, das Gas zischt leise aus der Flasche. Dann macht es Bumm – und die Geldscheine flattern in der Luft und müssen nur noch in Säcke gefüllt werden.

Doch Postbauer-Heng ist nicht Hollywood. Am 14. März 2018 hielt der Geldautomat in der Sparkassenfiliale am Schwall dem Anschlag stand. Ein früher Kunde hatte gegen 6.15 Uhr die Räume betreten. Es roch nach Gas, neben den Automaten stand eine handelsübliche Propangasflasche, die mit einem langen orangefarbenen Schlauch mit dem Geldautomaten verbunden war. Weil nicht klar war, wie viel Gas ausgetreten war, sperrte die Polizei das gesamte Umfeld. Die Angestellten des Rathauses wurden von Bürgermeister Horst Kratzer heim geschickt. Die Wohnung über der Sparkasse wurde evakuiert.

Ein Polizeikommando aus München brachte einen kleinen Roboter mit, der ferngesteuert den Schlauch aus dem Automaten ziehen sollte. Gegen 10.15 Uhr war die Gefahr gebannt.

Es war nicht der einzige versuchte Bankraub dieser Art, mit dem die Bande aus dem Raum München scheiterte. Auch in der Volks- und Raiffeisenbank in Lichtenau vor den Toren Ingolstadts und in einer Bank in Fahrenzhausen im Kreis Freising klappte es nicht.

Die Automaten dort wurden zwar jeweils erheblich beschädigt, an die Tresore gelangten die brachialen Räuber aber nicht, so dass sie jedes Mal mit leeren Händen dastanden. Die vier Burschen, damals zwischen 20 und 30 Jahre alt, hatten in unterschiedlicher Besetzung schwere Straftaten begangen.

Neben den missglückten Automatensprengungen hatte das Quartett etwa einen BMW M6 im Wert von 120 000 Euro am Münchener Flughafen gestohlen.

Das Landgericht Ingolstadt verurteilte nun zwei der Täter zu hohen Haftstrafen. Ein Mann muss für drei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Der zweite erhielt ein Jahr und acht Monate auf Bewährung wegen Hehlerei im Zusammenhang mit dem gestohlenen Luxus-BMW.

Ein weiteres Bandenmitglied ist mittlerweile gestorben, das Verfahren gegen den vierten Mann wurde eingestellt, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Ingolstadt.

Der Vorfall, der Postbauer-Heng in Atem hielt, kam vor Gericht übrigens gar nicht zur Sprache. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat das Verfahren eingestellt, als sich herausstellte, dass die Täter noch wesentlich mehr auf dem Kerbholz haben und die Strafe wegen des Anschlags in Postbauer-Heng gegenüber der Strafe, die die Bandenmitglieder wegen der anderen Taten zu erwarten hatten, nicht beträchtlich ins Gewicht gefallen wäre.

HAUKE HÖPCKE

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