Mittwoch, 20.11.2019

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Münzverein erinnert an Neumarkter Industriehistorie

Silberbarren zur Geschichte des Neumarkter WASAG-Geländes geprägt - 16.10.2019 09:10 Uhr

Mit dem Feinsilberbarren erinnert der Münzverein Neumarkt an die 125-jährige Firmengeschichte. Die Vorderseite zeigt das Werksgelände. © Foto: mi


Er zeigt auf der Vorderseite das Werksgelände mit Blick auf den Mariahilfberg. Als Titel steht auf der Medaille "125 Jahre WASAG/ Neumarkt". Auf der Rückseite ist ein privater Firmennotgeldschein der Vorgängerfirma über eine Million Mark abgebildet.

Unten links ist noch das Gewicht, das Material und die Feinheit des Barrens mit "1 oz AG 999" angegeben.

Die Geschichte des Areals ist lang. Ein Kaufvertrag vom 15. Februar 1894 besagt, dass Leonhard Ehrens-perger, Bierbrauer und Gastwirt der "Goldene Gans", einen Acker (86,9 Ar) und eine daran anstoßende Wiese (93 Ar) für 2640 Mark verkaufte. Es war die Geburtsstunde der heute im Volksmund bekannten "WASAG".

1894 an Raymond Cahuc verkauft

Die Grundstücke lagen zwischen dem verlängerten Lährer Weg sowie der Regensburger Straße und grenzten an die Gemarkung Helena-Lähr an. Der Käufer war der französische Fabrikbesitzer und Erfinder Raymond Cahuc, wohnhaft in Fischau bei der Wiener Neustadt.

Der kolorierte Farbstich zeigt das riesige Firmenimperium der WASAG (von der Regensburger Straße aus betrachtet) um die Jahrhundertwende. © Repro: mi


Cahuc war selbst in Neumarkt vor Ort, um den Kaufvertrag zu unterschreiben. Im Notariatsprotokoll gab er an: Er wolle "auf dem Gelände eine Fabrik errichten". 1500 Mark des Kaufpreises wolle er sofort nach der Genehmigung des Fabrikbaus bezahlen, den Rest zwei Jahre später. Wegen gewisser Schwierigkeiten mit der österreichischen Regierung, wollte der Franzose sein Werk verlegen.

Die Cahucit Werke, so der damalige Name, stellten seit Beginn der Produktion 1896 nur gefahrlose schwarzpulverhaltige Sprengstoffe her. Aber bereits ab 1907 produzierten sie hochbrisante dynamit-ähnliche Ammonsalpeter-Sprengstoffe.

Hauptabnehmer waren zunächst Kohle-, Erz- und Salzbergwerke sowie Steinbrüche und Bauunternehmer. Bald fand die deutsche Heeresleitung Gefallen an den Produkten und empfahl sie als geeignet für militärische Zwecke. Die Jahresproduktion von Patronen überschritt bereits 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges, die Zehn-Millionen-Grenze.

Im Ersten Weltkrieg enorm gewachsen

Während des Krieges wurde Raymond Cahuc wegen seiner französischen Staatsbürgerschaft interniert und seine Fabrik unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt.

Die Zahl der Beschäftigten stieg im Laufe des Ersten Weltkrieges auf mehr als 1000 Mitarbeiter an. Im Februar 1918 wurde das Neumarkter Werk mit drei anderen Fabriken der neugegründeten AG "Bayerische Sprengstoffwerke Nürnberg" einverleibt. Im Dezember wurde es dem Besitzer zurückgegeben, der daraufhin die gesamte AG erwarb.

Die Krisenjahre 1926 bis 1928 brachten die Neumarkter Firma zum Erliegen. Von der "Bayerische Sprengstoffwerke und Chemische Fabriken Aktiengesellschaft Neumarkt Opf.", so der damalige Firmenname existiert heute noch ein Notgeldschein (Unikat) über eine Million Mark vom 6. September 1923.

Mehrmals noch wechselte das Werk den Besitzer. Ab 1933 gehörte es der "Sprengstoffwerk Kloster Lechfeld GmbH" und produzierte während des Zweiten Weltkrieges Minen und Munition. Dazu wurde das Werk noch einmal deutlich vergrößert.

Von den US-Amerikanern besetzt

Am 20. April 1945 besetzte die US- Armee das Werk. Unter ihrer Regie begann im Herbst 1945 die Produktion industrieller glyzerinfreier Sprengstoffe.

1953 erwarb die WASAG-Chemie AG das Werk vollständig. Nun wurden außer den traditionellen Ammonsalpeter-Sprengstoffen auch wieder glyzerinhaltige Sprengstoffe hergestellt. 1970 aber wurde die Produktion endgültig eingestellt und das Betriebsgelände verkauft.

InfoDer Feinsilberbarren in der Ausführung "Polierte Platte" (Größe: 46,3 x 25,8 mm; 31,10 Gramm) kann für 95 Euro beim Münzverein = (0 91 81) 2 09 11 bestellt werden.

NEUMARKT. mi

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