Murtaza macht Mut im Internet: "Wir schaffen das"

31.3.2020, 17:12 Uhr
Murtaza Ramazanzada gibt den Menschen Hoffnung: In einer Internet-Kampagne der NGO Campact gibt er dem tatkräftigen Pflegepersonal an deutschen Kliniken ein Gesicht.

Murtaza Ramazanzada gibt den Menschen Hoffnung: In einer Internet-Kampagne der NGO Campact gibt er dem tatkräftigen Pflegepersonal an deutschen Kliniken ein Gesicht. © Foto: Klinikum Neumarkt

Auf dem Foto ist Murtaza Ramazanzada im weißen Pfleger-Dress zu sehen. Was er der Netzgemeinschaft mitzuteilen hat, steht dick daneben: "Ich bin 2015 als Flüchtling aus Afghanistan gekommen. Damals hat Frau Merkel gesagt: ,Wir schaffen das.‘ Jetzt betreue ich erkrankte Menschen auf der Corona-Station. Und ich möchte Euch heute sagen: Wir geben alles. Wir schaffen das – und zwar alle gemeinsam!"

Der Krankenpflegeschüler am Klinikum Neumarkt ist seit Montag das Gesicht einer Kampagne im Internet. In der Corona-Krise wirbt die Nichtregierungsorganisation Campact mit dem Zitat des 27-Jährigen für ihre Online-Petition "Mehr Geld für das Klinikpersonal".

Gleichzeitig fungiert Murtaza Ramazanzada als Mutmacher in unsicheren Zeiten. Nicht nur für das Krankenhaus-Personal in Neumarkt und in anderen Kliniken. Sondern auch für viele Menschen, die im Netz unterwegs sind – man sieht es an den schon über 15 000 Likes auf Facebook und den vielen positiven Kommentaren unter dem Foto.

Weil sie Medienanfragen schon erwartet und ihr Schüler am Dienstag schon früh seine Schicht beendet hat, besprach Cornelia Schneck, Lehrerin an der Krankenpflegeschule des Neumarkter Klinikums, mit Ramazanzada schon am Morgen, was sie über ihn an die Öffentlichkeit weitergeben kann. Über private Verbindungen sei Campact an Murtaza herangetreten, sagt sie. "Das Zitat hat das Klinikum zuvor abgesegnet, allerdings wussten wir nicht, dass es auf die Petition verweisen soll."

Im November 2015 kam Murtaza Ramazanzada mit seiner Familie in Beilngries an. Hinter ihm lagen da bereits eine Ausbildung zum Sanitäter in der afghanischen Armee und eine dreijährige Tätigkeit im Militärkrankenhaus in Kabul. Er spreche inzwischen bestens Deutsch, sei Klassensprecher, voll integriert, eben "total anerkannt".

Nach einem Praktikum am Klinikum begann er 2018 die deutsche Ausbildung zum Krankenpfleger. "Murtaza ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse und eine echte Bereicherung für uns", sagt seine Lehrerin nicht ohne Stolz.

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