Muskelaufbau-Präparate: "Dopingstrafe" für Neumarkter

31.7.2019, 12:00 Uhr
#createSourceTag($imagePath, "480", "900", $media) #createSourceTag($imagePath, "320", "600", $media) Der Angeklagte hatte seine Minderwertigkeitskomplexe mit Krafttraining kompensiert - doch ging ihm der Muskelaufbau nicht schnell genug.

© Britta Pedersen/dpa Der Angeklagte hatte seine Minderwertigkeitskomplexe mit Krafttraining kompensiert - doch ging ihm der Muskelaufbau nicht schnell genug.

Im vergangenen Jahr hat der Zoll in Nürnberg ein Paket abgefangen, das an ihn adressiert war. Darin befand sich ein buntes Sammelsurium an Dopingmitteln und Medikamenten, die in dieser Menge das Maß des Erlaubten um das mehr als 70-fache überstieg. Die Durchsuchung seiner Wohnung war die logische Folge. Dort entdeckten die Fahnder des Zolls eine noch größere Menge an Dopingmitteln.

Staatsanwältin Ulrike Hahn, die von Anfang an in die Ermittlungen eingebunden war, reiste eigens aus München zum Neumarkter Amtsgericht, um den Fall hier abzuschließen. Die Namen der Präparate, die sie in Mengen und Dosierung verlas, hörten sich nach der Inventarliste einer Apotheke an.

Tatsächlich überschritt die "Beute" aus der Wohnung die Grenze zur Strafbarkeit um das 140-fache. "Der Cocktail", so die Staatsanwältin, "war in sich schlüssig zusammengestellt." Denn jedes dieser Mittel habe unangenehme Nebenwirkungen, die dann mit einem weiteren Mittelchen bekämpft werden müssen — und so weiter.

Die Anklage vor Richter Rainer Würth lautete einmal auf versuchten Besitz unerlaubter Dopingmittel und vollendetem Besitz, strafbar als Verstoß gegen das Anti-Dopinggesetz.

Der Angeklagte machte keine Anstalten zu leugnen, wo es nichts zu leugnen gab. Auf Nachfrage der Staatsanwältin ließ er seine Doper-Karriere Revue passieren. Die habe sich allmählich aufgebaut. Zunächst habe er nur versucht, sein geringes Selbstvertrauen mittels Muskelbergen zu kompensieren.

Doch dieser Seelenbalsam habe ihn quasi süchtig gemacht. Um noch schneller sichtbare Resultate zu erzielen, habe er immer neue Kombinationen ausprobiert. Zwischendrin schüttelte ein Anfall von Selbstmitleid den tätowierten, muskelbepackten Körper.

Urinproben nach Bedarf

Sie wolle ihm eine Chance auf Bewährung geben, erklärte Ulrike Hahn, und wollte eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie es derzeit mit seinem Drogenkonsum bestellt sei. Er sei clean, behauptete der 27-Jährige. Lediglich die Folgen seines Testosteron-Missbrauchs müssten ärztlich behandelt werden.

Das nahm ihm die Staatsanwältin irgendwie ab und forderte zehn Monate Haft mit drei Jahren Bewährung. Eine Geldauflage stellte sie ins Ermessen des Gerichts, verlangte aber regelmäßige Urinproben, um zu sehen, ob der junge Mann seine Versprechungen auch einhält.

Letzteres möchte Pflichtverteidiger Christopher Lihl seinem Mandanten nicht zumuten. Solche Teste sind nämlich teuer, und der 27-Jährige sei finanziell nicht auf Rosen gebettet.

Darauf nahm Richter Rainer Würth Rücksicht. Er stellte den Angeklagten unter die Aufsicht eines Bewährungshelfers, der von Fall zu Fall entscheiden könne, ob ein Urintest auf Staatskosten notwendig sei. Drei Jahre läuft die Bewährungszeit, dann muss der Bodybuilder die neunmonatige Freiheitsstrafe nicht antreten, zu der ihn Würth verurteilte.

Eine spürbare Folge des Urteils ist eine Geldauflage von 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Sie kann in Raten von 100 Euro abgestottert werden.

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