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Nächste Schwärmwelle: Borkenkäfer sucht die Wälder heim

Forstverwaltung rät Waldbesitzern, ihre Bäume wöchentlich zu kontrollieren - 22.06.2019 05:57 Uhr

Diese 70 bis 80 Jahre alte Fichte ist definitiv vom Borkenkäfer befallen, stellen Andreas Müller, Daniel Rübens, Ludwig Amler und Harald Gebhardt (v.li.n.re.) fest. Sie muss möglichst schnell gefällt und aus dem Wald gebracht werden. Das erledigt kurz darauf der Harvester. © Foto: Günter Distler


Betroffen sind in erster Linie die Fichten, die etwa 40 Prozent des Waldbestandes im Landkreis Neumarkt ausmachen. Auch Ludwig Amler, Waldbesitzer aus Fribertshofen, einem Ortsteil von Berching, hat zahlreiche Fichten in seinem Wald stehen, der rund drei Hektar umfasst. Dort demonstrieren Harald Gebhardt und Andreas Müller von der Forstverwaltung Neumarkt sowie Daniel Rübens von der Waldbesitzervereinigung Berching-Neumarkt e. V. bei einem Ortstermin, welchen Schaden der Borkenkäfer anrichten kann.

Verräterisches Bohrmehl

Schnell ist eine 70 bis 80 Jahre alte Fichte gefunden, an deren Fuß das verräterische Bohrmehl liegt, das ein untrügliches Zeichen auf Borkenkäferbefall ist. Müller schält mit einem scharfen Eisen die Rinde ab und zeigt die darunter verborgenen Altkäfer, die aus der ersten Schwärmwelle um Ostern stammen, und deren Larven, die sich demnächst verpuppen, zu jungen Käfern entwickeln und dann weiter ausschwärmen und neue Bäume befallen werden.

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Die Käfer der ersten Schwärmwelle hätten meist liegendes Holz zur Brutablage genutzt. Jetzt würden vor allem stehende Bäume befallen, führt Behördenleiter Harald Gebhardt aus. Noch sei der Umfang gering. "Da sind mal drei oder fünf Bäume betroffen. Aus drei Bäumen werden aber schnell mehrere Hundert, wenn der Waldbesitzer nicht vorsorgt", warnt der Forstmann.

Rasche Vermehrung

Denn die Käfer haben ein enormes Vermehrungspotenzial. Aus einem Käferweibchen können binnen eines Jahres 100.000 neue Borkenkäfer entstehen. Die Anzahl der befallenen Bäume kann sich in einer Käfergeneration verzwanzigfachen. Und der Klimawandel hat zur Folge, dass binnen eines Sommers von April bis September drei bis vier Generationen entstehen, während es früher vielleicht zwei bis drei waren.

Unter der Rinde der Fichte sind die Spuren des Borkenkäfers samt lebender ausgewachsener Tiere und Larven gut zu erkennen. © Foto: Günter Distler


Waldbesitzer sollten deshalb jetzt wöchentlich ihren Bestand auf Borkenkäferbefall kontrollieren. Besonders Stellen, die schon letztes Jahr betroffen waren, seien zu überprüfen. Frisches Bohrmehl sei ein sicheres Befallzeichen. Wenn der Baum schon Nadelverfärbungen, grüne Nadeln am Boden, abgepickte Rindenschuppen, eine braune Krone und abfallende Rinde aufweist, sei es meist schon zu spät. Dann habe der Borkenkäfer längst ganze Arbeit geleistet und sei weitergezogen.

Wer sich unsicher sei, ob seine Bäume tatsächlich befallen sind, und wer Hilfe bei deren Beseitigung braucht, der kann sich unter = (0 91 85) 5 00 99 20 an die Waldbesitzervereinigung Berching-Neumarkt wenden. "Wir kommen raus und beraten und schicken gegebenenfalls auch einen Harvester, das erleichtert und beschleunigt das Fällen enorm", sagt Daniel Rübens. Wie fix das geht, macht der Harvester vor Ort gleich mal vor, ruckzuck sind fünf Fichten gefällt, entastet und in Stücke geschnitten, fertig zum Abtransport.

In wenigen Minuten legt der Harvester mehrere vom Borkenkäfer befallene Fichten im Wald von Ludwig Amler aus Fribertshofen um. Der Waldbesitzer hätte für diese gefährliche Arbeit wohl zwei Wochenenden gebraucht. © Foto: Günter Distler


Sägewerke sind voll

Waldbesitzer sollten sich gegenseitig warnen und helfen, raten die Forstexperten. Die gefällten Bäume müssen mindestens 500 Meter von den nächsten Fichten entfernt gelagert werden. Da die Sägewerke derzeit sehr voll seien, könne es mit der Entsorgung nämlich etwas dauern.

Der Fribertshofener Ludwig Amler hat da keine Probleme. Er ist Schreiner und macht aus den Bäumen gehäckseltes Brennholz, das er in seiner Hackschnitzelheizung für Wohnung und Werkstatt verwertet. 

CHRISTINE ANNESER

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