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Montag, 23.09.2019

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Neue BI gegen geplante Stromtrasse

In Postbauer-Heng hat sich der Protest weiter formiert. - 16.08.2019 14:00 Uhr

Der SV Postbauer hat gemeinsam mit dem Postbauer-Henger Ortsteil Buch eine weitere Bürgerinitiative gegen die geplante Stromtrasse P53 gegründet. Die gelb-roten Kreuze sind das Symbol der Proteste. © Foto: Helmut Sturm


Den knapp 100 Zuhörern schilderte er sein Unbehagen und die Gründe für die generelle Ablehnung der Trasse. Sie würde nach gegenwärtiger Planung vor dem Ort Buch bei den Klärweihern über die Wälder beim Goldhut, den Aicha und oben entlang vorm Wald des Grünberges nach Heng führen.

"Der Ortsteil Buch und der SV Postbauer wären von diesem Trassenverlauf stark betroffen und benachteiligt. Die Wertigkeit der Immobilien sinkt, die Landschaft wird verschandelt, die Gesundheit der Menschen gefährdet und das alles für eine Starkstromleitung, deren Bedarf keinesfalls als gerechtfertigt bezeichnet werden kann", fasste Reimann zusammen. Die vage Aussicht auf eine wie auch immer geartete Erdverkabelung sei dabei auch keine Lösung.

Volker Reimann beschrieb die für die Bevölkerung insgesamt "bedroh-liche und keinesfalls hinnehmbare Situation" um Buch und das 40 000 Quadratmeter große Sportgelände des SV so: "Wir haben bereits zwei bestehende Leitungen oberhalb der Bahn, dazu kommt die geplante Umgehungsstraße B 8 und die Tras-senführung der Monsterleitung. Damit sind wir eingekesselt. Uns reicht‘s, das lassen wir uns nicht bieten, wir werden uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren", lautete sein Appell.

Einen geharnischten Brief dazu richtete Reimann an die Trassenbaufirma Tennet, an den 1. Bürgermeister von Postbauer-Heng, Horst Kratzer, und die Markträte des Ortes. "Bisher hat sich keiner der gewählten Volksvertreter die Mühe gemacht, uns die Notwendigkeit der Stromtrasse zu erklären."

Lukrativ für Stromkonzerne

Als Referent war Hubert Galozy vom Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse eingeladen, er stieß ins gleiche Horn. "Wir wollen die Monstertrasse nicht verschieben, wir wollen auch keine sogenannten sicheren Abstände mehr, wir wollen sie mit allen rechtsstaatlichen Mitteln verhindern, weil wir sie nicht brauchen."

Die Trasse diene nur den Energiekonzernen zum Verkauf des noch reichlich vorhandenen Atom- und Kohlestroms von Nord- nach Südeuropa. "Wir sollen dann noch die Trassenkosten über unsere Stromkosten finanzieren", wetterte Galozy. Daran wollten sich auch Finanz- und Versicherungskonzerne gesundstoßen, so der Referent weiter, als Geldgeber mit garantierten Gewinnen von sechs bis neun Prozent über 40 Jahre.

Das ganze Gerede über Windstrom-Überschuss, der weitergeleitet wer-den solle, oder die Gefahr, dass bei uns die Lichter ausgehen würden – für Galozy "alles Quatsch". Es gehe rein um den Stromhandel von Multi-Konzernen auf Kosten der Beiträge von allen und der Gesundheit der betroffenen Anlieger, die "das Pech haben im Wirkungsbereich der Trasse zu liegen. Und dafür schröpft man sie auch noch mit steigenden Stromkosten für den Bau der Trasse. Soll so die vielgepriesene Energiewende aus-sehen?" 52 Bürger wurden noch an diesem Abend Mitglied in der neu geschaffenen BI gegen die Stromtrasse.

"Es wird Zeit, dass sich die ent-scheidenden Politiker positionie-ren", forderte Bürgermeister Kratzer in einem kurzen Gespräch mit den Neumarkter Nachrichten. "Die Bürger fühlen sich mit ihren Sorgen alleingelassen. Erst heißt es, dass die Trasse unumgänglich und gesetzlich beschlossen sei, dann bezweifelt Innenminister Seehofer deren Unabdingbarkeit, und Bayerns Wirtschaftsminister lässt darüber auch Zweifel aufkommen."

Kratzer hofft auf eindeutige Aussagen, wenn der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am Montag das Neumarkter Volkfest besucht. Dieser Hoffnung schloss sich Marktrat Jürgen Rupprecht an.

Kratzer sagte, er sei besorgt um die Glaubwürdigkeit der Politik. Das Hin und Her wegen der Stromtrassen treibe mittlerweile einen Keil zwischen die Einwohner besonders betroffener Orte. "Bist du dafür oder dagegen?", heiße es bereits. "Die Zeit des Taktierens muss jetzt vorbei sein. Auch wir betroffenen Bürgermeister brauchen Fakten von den weiter oben Regierenden."

Großdemo in München

Sigrid Schindler vom Bund Natur-schutz nutzte die Gelegenheit, griff sich das Mikrophon und wies darauf hin, dass es keine gesetzlichen Abstandsregelungen gebe, dass die Erdverkabelung nicht im Interesse von Tennet liege und dass Tennet überhaupt nicht der richtige Adres-sat für jegliche Form des Protestes sei. "Überhäuft die Briefkästen der Volksvertreter mit euren Beschwer-den", appellierte sie.

BI-Sprecher Volker Reimann rief die versammelten Trassengegner auf, am 30. September zur Großde-monstration gegen die Trassen nach München zu fahren.

Eine Besonderheit zum Thema Trasse P53 kommt in Postbauer-Heng dazu: Die bestehende Stromtrasse führt mitten durch den Ort, direkt neben Wohnhäusern, einem Seniorenheim und einer Kindertagesstätte. Doch nur, wenn die neue Trasse gebaut wird, kommt die alte Starkstromleitung aus der Mitte der Gemeinde heraus. 

HELMUT STURM

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