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Neumarkter Jubiläum beim Triathlon Roth vertagt

Stadtrat Rainer Hortolani will die 25. Teilnahme als Helfer vollmachen - 02.06.2020 07:14 Uhr

Rainer Hortolani weist dem späteren Sieger von 2006, Chris McCormack, den Weg in der Wechselzone von Roth. © Archivfoto: Günter Distler


Angekommen im Stadion, dem vorläufigen Endpunkt der körperlichen Strapazen nach 3,8 km Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,2 km Laufen, fällt auch bei Rainer Hortolani die Anspannung und Konzentration der vorangegangenen Arbeitsstunden ab. Er gibt sich dann ganz dem Fan-Sein hin und beklatscht begeistert jene Triathlon-Asse, die er früher an diesem längsten Tag des Jahres auf die finale Etappe zurück an die Kanallände geschickt hat.

Obwohl er die Nähe zu einer langen Reihe an Szene-Stars von Chrissie Wellington über Chris McCormack bis Jan Frodeno genoss und manch exklusivem Wortwechsel beiwohnen durfte, fühlt sich der Neumarkter noch enger mit der Masse an Amateuren verbunden. "Wenn du bei vielen schon zwischendurch die Erschöpfung in den Gesichtern siehst und weißt, dass da noch ein Marathon auf sie wartet, verlangt einem das unglaublichen Respekt ab."

Den inneren Schweinehund zu überwinden als Lebensmotto betrachtend, erkennt der Stadtrat Parallelen zwischen Ausdauersport und Kommunalpolitik in der notwendigen "entschlossenen und manchmal von Taktik geprägten Herangehensweise". In Hessen geboren und im Handballsport sozialisiert, blieb Rainer Hortolani nach dem Umzug in die Oberpfalz zunächst beim Tennis hängen, übernahm beim SV Stauf Verantwortung als Abteilungsleiter. Der berufliche Kontakt zu einem Wettkampfleiter führte den VHS-Fachbereichsleiter 1995 erstmals an die Strecke in den Nachbar-Landkreis. "Ich war sofort fasziniert", erinnert sich Hortolani an ein von tausenden Zuschauern gefeiertes Spektakel, dessen Protagonisten wie Thomas Hellriegel und Lothar Leder zu jener Zeit noch Exotenstatus besaßen.

Triathlon-Erinnerungsstücke aus über 20 Jahren als Helfer ergeben eine prächtige Textil-Sammlung. © Archivfoto: Günter Distler


Als sich die Veranstaltung 2002 von der Ironman-Serie löste und den "Challenge" als eigene Marke aufzubauen begann, hatte der Termin längst einen festen Platz im Kalender bei Rainer Hortolani, der sich bereits bei seiner Premiere als Helfer nützlich gemacht hatte. "Wie das eben so läuft, brauchte ich irgendwann nicht mal mehr gefragt werden, ob ich im nächsten Jahr wieder dabei bin."

Bescherte der Übergang vom elitären Rennen zur Mitmach-Aktion für Breitensportler einen Anstieg des Teilnehmerfeldes auf inzwischen 3500 Einzelstarter, verkomplizierte sich der logistische Aufwand. So avancierte Hortolani, der den Einsatz von rund 6000 Helferköpfen als "Basis des Erfolgs" in der mittelfränkischen Triathlon-Hochburg bezeichnet, zum Herr über die Wechselbeutel. Während die Aktiven nach dem Schwimmen Schuhe und Helm direkt am Fahrrad vorfinden, bekommen sie vor der dritten Disziplin ihre Lauf-Utensilien in einem Kleidersack überreicht, um sich in einem Zelt fertig auszustatten.

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Damit jeder Akteur die zu seiner Startnummer passende Ausrüstung erhält, muss vorab ein ganzer Haufen sortiert werden. "Der ungeordnete Anblick früh um 6.30 Uhr macht einem auf den ersten Blick Angst", verrät Hortolani, der jedoch von über 400 Jugendlichen unterstützt wird. Können die Spitzenleute im ersten Abschnitt noch locker aus der Hand bedient werden, entsteht im weiteren Verlauf bis zum Mittag ein respektables "Wirrwarr". Inmitten des Männleinlaufens kümmerte sich Hortolani um manche Besonderheit wie eine Beinprothese und litt bei Verwechslungen mit, die allerdings meistens glimpflich ausgingen.

Stolz auf seine stets vergrößerte Sammlung an bunten Helfer-Shirts, musste der pensionierte Neumarkter im vergangenen Jahr aus gesundheitlichen Gründen erstmals auf seine Mitwirkung verzichten. Im Frühjahr 2020 brachte er sich dafür mit tausenden Kilometern auf dem Rad, zugegeben unter etwas elektrischer Hilfe, in Stimmung für sein 25-jähriges Roth-Jubiläum, ehe ihm der Corona-Virus einen Strich durch die Rechnung machte. Doch mit 70 Jahren lässt sich Hortolani nicht von seinem Ziel abbringen und unternimmt am 5. Juli vielleicht eine privat Fahrt den Main-Donau-Kanal entlang, die seine Vorfreude nur anheizen dürfte.

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