Donnerstag, 17.10.2019

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Neumarkter Konzertfreunde starten in die Herbstsaison

Ronald Brautigam, Esther Hoppe und Christian Poltera spielen Klaviertrios von Haydn, Beethoven, Schu - 17.09.2019 09:32 Uhr

Der holländische Pianist Ronald Brautigam eröffnet die Konzertsaison 2019/20 der Neumarkter Konzertfreunde im Reitstadel. © Foto: Marco Borggreve


Jetzt kommt ein Nachbau von Conrad Grafs Opus 318, einst im böhmischen Schloss Kuzel, nach Neumarkt: aus der Werkstatt von Paul McNulty und mit dem holländischen Virtuosen Ronald Brautigam an den Tasten. Die "Neumarkter Konzertfreunde" eröffnen damit ihre Saison 2019/20: am Freitag, 20. September, 20 Uhr und für die Abonnenten A + G.

Zum Klaviertrio wird das Ganze durch die Geigerin Esther Hoppe auf ihrer Gioffredo-Cappa-Violine von 1690 und durch Christian Poltera, der in Nachfolge von Heinrich Schiff das berühmte "La Mara"-Cello (1711, von Antonio Stradivari) spielt. Allein diese Instrumente machen aus dem Konzert einen kostbaren Abend Alter Musik mit Stücken von Haydn, Beethoven und Schubert. Sowie ein Hörerlebnis, das sich dem Original von vor über zweihundert Jahren annähert: So was hört man selten, sieht man selten – allein schon das klassische Ebenmaß von Grafs Hammerflügel in seiner edlen Glätte und mit der kunstvoll gedrechselten Lyra über den Pedalen.

Der späte Haydn

Hoppe, Poltera, Brautigam spielen ein Programm zentraler Werke der Klaviertrio-Literatur. Joseph Haydns Klaviertrio Es-Dur aus Hob XV/29 schließt 1797 und in London erschienen das umfangreiche Triowerk Haydns nach 40 Jahren und 40 Stücken ab – Haydn ist nie wieder darauf zurückgekommen. Für ihn war das Erreichbare in dieser Gattung vollendet, später würde das Klaviertrio in vermehrter Virtuosität nur noch von Berufsmusikern zu spielen sein. Das Es-Dur-Trio schließt die kleine Reihe der opp. 43-45 ab, Haydn war zuvor zweimal in London gewesen, die außergewöhnliche Qualität war der Klaviervirtuosin Therese Jansen-Bartolozzi zu verdanken: "Das erstaunlichste Werk des späten Haydn", schreibt Jean-Yves Bras, und Charles Rosen, dass Beethoven mehrfach auf dessen kompositorische Tricks zurückgegriffen habe.

Da ist man dann relativ problemlos bei dessen "Geistertrio" op. 70/1. Wenn ein Stück schon so heißt, muss es leise und unwirklich temperiert sein: Immer wieder steht "piano" in den Noten, dreifaches Piano sogar, verschwimmend sind die Konturen – also ein veritables Nachtstück, das erst im Finale zum hellen Tag zurückkehrt.

Beethoven ist in der Zeit der Komposition wie immer auch mit Umziehen beschäftigt: "Meine Wohnung ist 1074 in der Krugerstraße im ersten Stock bei Gräfin Erdödy." Aber auch mit der Fertigstellung der Symphonien 5 und 6 parallel zu den beiden Klaviertrios op. 70. Die Adresse gab er auch für den Vorverkauf von Karten für seine aktuelle Akademie an: "Logen und gesperrte Sitze sind im ersten Stock zu haben." Übrigens: In Haus Nummer 1074 hatten kurzfristig auch schon die jung verheirateten Mozarts und Haydn gewohnt. Man sieht: Großstädtische Wohnprobleme hat es auch damals gegeben, noch bevor dann im 19. Jahrhundert die Basteien und Bastionen geschleift und durch die Ringstraßenpracht ersetzt wurden.

Melodische Schönheit

20 Jahre weiter ins Jahr der "Winterreise": Auch Franz Schubert hat zwei Klaviertrios komponiert – in melodischer Schönheit, Klangpracht, blühendem Leben. Berühmt ist Robert Schumanns Unterscheidung zwischen beiden, wobei das Es-Dur-Trio aus dem Neumarkter Programm als "mehr handelnd, männlich, dramatisch" charakterisiert wird – eine überholte Sicht? In der älteren Literatur jedenfalls liest man wenig von den verdüsternden Schatten dieses Jahres 1827, höchstens über Andeutungen von Nachdenklichkeit, umso mehr von süßlicher Sehnsucht.

In neueren Aufnahmen und Aufführungen hört man mehr von der "Winterreisen"-Niedergeschlagenheit Schuberts in diesem Jahr vor seinem Tode. Ja, es war ein drückender Winter dieses zu Ende gehenden Jahres 1827, gleichwohl erfüllt von kompositorischer Aktivität: Je einen Gulden hat er für die Lieder dieser Monate bekommen, 20 für das Klaviertrio op. 100, was immerhin für mehr als einen Punsch reichte, der den Trübsinn verscheuchte und Schubert zu der Äußerung animierte: "Ich bin ein Künstler, ich! Ich bin Schubert, Franz Schubert, den alle Welt kennt und nennt! Der Großes gemacht hat und Schönes, das ihr gar nicht begreift!"

Zumindest wird man am kommenden Freitag im Reitstadel hören können, wie so ein Schubert-Klaviertrio seinerzeit geklungen hat – ein Erlebnis der besonderen Art.

InfoRestkarten unter Tel. (0 91 81) 29 96 22.

UWE MITSCHING

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