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Neumarkter Volksfestplatz: Kill Bill vom Auto aus

Kulturverein K 3 will ein Autokino aufziehen, zunächst für drei Wochen. - 03.06.2020 10:46 Uhr

Kommt Uma Thurman in Quentin Tarantinos „Kill Bill“ auf die Leinwand? © Foto: Buena Vista Presseservice


Ein Kinosaal für motorisierte Besucher und noch mehr: Im Kulturverein stellt man sich vor, Kabarettkünstler – live – auf eine Bühne zu holen, ein attraktives Kinderprogramm – ebenfalls in echt – und auch Gottesdienste – natürlich von richtigen Geistlichen – anbieten zu können. Soweit die Planung.

Bis zur Realisierung des ehrgeizigen Projekts sind noch einige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, aber Heinz Kühnlein ist optimistisch, dass sein "rein idealistisches Vorhaben, bei dem keiner was verdienen wird", nicht bloß ein Traum bleibt.

Damit die Eventbühne umgesetzt werden kann, ist der Kulturverein zunächst an Neumarkter Unternehmen und an Firmen in der näheren Umgebung mit der Bitte um Sponsoring herangetreten. "Zu einem schwierigen Zeitpunkt", wie Heinz Kühnlein findet, denn überall, wo er anklopfte, musste er erfahren, dass die Unternehmer derzeit "extrem gebeutelt" seien und Kultur nicht an erster Stelle der Ziele steht. "Aber wenn ich mich davon abschrecken ließe, wäre ich nicht im Kulturverein", bleibt Kühnlein zuversichtlich. Er räumt auch ein, dass er eigentlich zwei Optionen in petto hat: Die Eventversion auf dem Parkplatz oder, abgespeckt, das klassische Autokino.

 

 

Der Kulturverein möchte zunächst für den Zeitraum von drei Wochenenden, vom 25. Juni bis 19. Juli, Platz für rund 250 Autos schaffen. Heinz Kühnlein favorisiert hier den Parkplatz vor der Jurahalle, "weil die Parkbuchten schon markiert sind und von vornherein eine gewisse Ordnung vorgegeben ist".

In jedem Auto könnten jeweils zwei Personen oder drei Kinder, damit die Corona-Hygienevorschriften berücksichtigt sind, Kino schauen, Kabarett ansehen und anhören (Töne kommen aus dem Autoradio). Zwischen 20 und 25 Euro pro Auto, schwebt den Kulturvereinsleuten vor, würden sie verlangen müssen, damit wenigstens der Aufwand gedeckt ist. Viel Zeit ist jetzt nicht mehr, aber noch atemberaubend viel zu erledigen. Da kommt die Eventtechnology Lampenfieber ins Spiel und vor allem die Stadt Neumarkt, die ja das Plazet zum Grundstück geben muss.

Franz Janka von der Pressestelle räumt ein, dass bereits zwei Gespräche von unterschiedlichen Bewerbern im Rathaus stattgefunden haben. Die Stadt hat wegen der hohen Auflagen angeregt, dass sich die Interessenten um ein gemeinsames Konzept bemühen sollten.

"Das sind Kosten", warnt Janka, "die ganz schnell im sechsstelligen Bereich ankommen". Der Pressesprecher zählt auf, was die Bewerber mitbringen müssen, damit sie das Plazet erhalten: Ein schlüssiges Konzept, eine sichere Zufahrtsmöglichkeit; der Infektionsschutz ist zu erfüllen, Emissionsschutz müsse berücksichtigt werden (Lautstärke), und es braucht Funk- und Sende-Lizenzen, damit auch jeder aus dem Autoradio die Stimmen seiner Lieblinge hören kann.

"Die Stadt Neumarkt unterstützt das Projekt gern, aber wir sind nur ein kleiner Teil im dicken Auflagenkatalog", sagt Franz Janka. Zum Mietpreis will er sich nicht äußern, aber er betont, dass es sich beim Wunschplatz um öffentliches Gelände handelt, das nicht gratis abgegeben werden darf: "Da kommt rasch ein weiterer Bewerber und klagt, warum er nicht den Zuschlag bekommen hat", erläutert Janka die Rechtslage.

Bastian Lang von Lampenfieber Eventtechnology zeigt sich erst einmal neugierig, ob des Ausgangs der Sponsoren-Bemühungen im Kulturverein. Als Technik-Fachmann kennt er die Kosten. Zunächst einmal muss eine LED-Großleinwand besorgt werden. Dann geht es um die Lizenzen, die von der Bundesnetzagentur sowie von der Bayrischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) erworben werden müssen.

Lang findet es großartig, dass der Kulturverein um Franz Müller und Heinz Kühnlein die Energie an den Tag legt. Dessen Geschäftsführer ist schon einen Schritt weiter und stellt sich vor, was auf der LED-Leinwand laufen könnte: "Grease", den Musicalfilm, könne man zeigen, oder die "Rocky Horror Picture Show", "Pulp Fiction" und "Kill Bill", zählt Kühnlein auf. "Blockbuster gibt es zurzeit ja nicht, wegen Corona musste auch der Filmverleih anders disponieren. Neue Filme, die noch nicht im Kino gelaufen sind, sind unerschwinglich", findet der Optimist mit Realitätssinn.

URSULA PERSAK

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