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NZ-Klinikcheck: Kompetenz gegen eine tückische Krankheit

Gynäkologische Operationen erfordern Fingerspitzengefühl - vor allem bei Eierstock-Krebs - 10.08.2019 06:00 Uhr

"Es macht Spaß, hier zu arbeiten": Prof. Heinz Scholz (links) und sein Leitender Oberarzt Kari Buss vom Gynäkologischen Krebszentrum am Klinikum Neumarkt. © Melanie Scheuering


Meist ist es der Frauenarzt, der bei einer Routineuntersuchung eine Eierstockzyste entdeckt. Das ist zunächst kein Grund zur Sorge. "Zwei bis drei Zentimeter große Zysten sind normal und müssen meist auch nicht operiert werden", erklärt Prof. Dr. Heinz Scholz, der die Frauenklinik in Neumarkt seit mehr als zehn Jahren als Chefarzt leitet. "98 Prozent der Zysten sind harmlos."

Vor allem nach den Wechseljahren steigt die Wahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter an, dass es sich bei einer neu auftretenden Zyste um einen bösartigen Tumor der Eierstöcke (Ovarialkarzinom) handelt. Es ist die sechsthäufigste Krebserkrankung bei Frauen (am häufigsten ist Brustkrebs). In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 7800 Frauen daran. Dieser Krebs wird meist sehr spät entdeckt, wenn er sich schon weit ausgebreitet hat und dadurch schwerer zu behandeln ist. In einem Gynäkologischen Krebszentrum wie dem in Neumarkt sind Patientinnen dann am besten aufgehoben, weil das Ärzteteam um Prof. Scholz damit langjährige Erfahrung hat und regelmäßig solche Operationen durchführt - in der Regel minimalinvasiv.

Ziel ist es immer, organerhaltend zu operieren. Denn die Entfernung von Eierstöcken oder Eileitern kann die Fruchtbarkeit (Fertilität) beeinflussen. Und dies wiederum ist der Grund, weshalb die Qualitätsprüfer das Alter der Patientinnen (bis 45 Jahre) in den Mittelpunkt einiger Indikatoren stellen. "Es kommt auf den Menopausenstatus an", sagt Scholz, also darauf, ob die Frau noch schwanger werden kann – und will. Mit nur noch einem Eierstock zu leben, ist laut Scholz "kein Problem, weder in Bezug auf Kinderwunsch noch für den Hormonstatus".
Die Entfernung beider Eierstöcke jedoch sei ein "signifikanter Eingriff", der nur dann durchgeführt werde, "wenn es unbedingt notwendig erscheint".

Meist folgt nach der OP eine Chemotherapie; auch eine Antikörpergabe kann sinnvoll sein und einen etwaigen Rückfall hinauszögern.

Ungefähr jeder zehnte Eierstockkrebs ist erblich bedingt. 40 bis 50 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen mit einem mutierten Gen BRCA1 und 10 bis 20 Prozent mit BRCA2 erkranken bis zum 70. Lebensjahr (zusätzlich) an einem Ovarialkarzinom. "Etwa ab dem 40. Lebensjahr wird man solchen Patientinnen empfehlen, die Eierstöcke vorsorglich zu entfernen, weil das Risiko für Eierstockkrebs so hoch ist und die Chance, es rechtzeitig zu erkennen, so gering", sagt Scholz. Im Anschluss ist eine Hormonersatztherapie ratsam.

Ranking Gynäkologische Operationen © FAU Erlangen-Nürnberg/NZ-Infografik


Das Ranking

Gesundheitswissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg haben das Ranking aus öffentlich zugänglichen Daten der Kliniken für die gesetzliche Qualitätsmessung, Fallzahlen und Patientenbewertungen erstellt. Auf den weiteren Siegerplätzen in der Spitzenkategorie folgen das Klinikum Nürnberg Süd und das Klinikum Fürth.

"Ziel unserer Projekts ist es, die Versorgungsqualität in der Region insgesamt anzuheben", erklärt PD Dr. Martin Emmert, der verantwortliche Wissenschaftler am Nürnberger Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement. In den USA hätten ähnliche Ranglisten Kliniken zu Verbesserungen anregen können. Auch könnten niedergelassene Ärzte damit ihre Patienten gezielter beraten. Die in Bezug auf gynäkologische Operationen gerankten Kliniken sehen Sie hier auf der Karte:



Im NZ-Klinikcheck (er geht in diesem Jahr in die vierte Runde) schneiden die Kandidaten bei den betrachteten Behandlungsarten ganz unterschiedlich ab. Große, kleine oder spezialisierte Häuser können im Wechsel punkten. Für Emmert ist das ein wichtiges Ergebnis: "Wir möchten die Menschen dafür sensibilisieren, dass man sich nicht nur generell über ein Krankenhaus informieren sollte, sondern dass es deutliche Unterschiede je nach Fachgebiet geben kann."
Obwohl das Ranking zur Krankenhauswahl beitragen könne, dürfe es nicht die einzige Informationsquelle sein, rät Martin Emmert. "Es ist natürlich weiterhin wichtig, dass Patienten mit ihrem Arzt darüber sprechen und gemeinsam entscheiden."


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Die ausführliche Berichterstattung finden Sie in der Printausgabe der Nürnberger Zeitung. Details, Tabellen und Hintergründe zum Forschungsprojekt Klinikcheck finden Sie hier. 

Melanie Scheuering

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