Sonntag, 17.11.2019

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Parsberg: Ein Gesundheitszentrum auf vier Säulen statt Klinik

Parsberger Stadtrat ließ sich über Konzept zur Zukunft der medizinischen Versorgung nach Klinikschließung informieren. - 12.10.2019 20:35 Uhr

Im voll besetzten Burgsaal informierten Landrat Willibald Gailler, Klinikvorstand Peter Weymayr und Projektkoordinator Wolfgang Bärtl den Stadtrat und die vielen Zuhörer über die geplante Schließung des Krankenhauses und die Errichtung eines medizinischen Versorgungszentrums. © Foto: Werner Sturm


Landrat Willibald Gailler, Klinikvorstand Peter Weymayr und Projektkoordinator Wolfgang Bärtl informierten das Gremium und die viele Zuhörer über die Schließung des Krankenhauses und die Errichtung eines medizinischen Versorgungszentrums. Die Stadtratssitzung wurde wegen der Brisanz des Themas in den Burgsaal verlegt. Dort reichten die Stuhlreihen kaum aus, um alle Zuhörer aufzunehmen.

Herrschte am Anfang noch ein hörbares Grummeln nach der Ankündigung des Rathauschefs, dass Fragen und Diskussionen seitens der Zuhörerschaft nicht beantwortet werden, weil es dazu Gelegenheit in einer noch in diesem Jahr stattfindenden Bürgerversammlung geben wird, so schien es am Schluss der öffentlichen Sitzung so, als sei der Großteil zufrieden nach Hause gegangen.

Vereinzelt war sogar zu hören: "Das klingt alles ganz gut." Landrat Gailler sagte zu Beginn: "Mit dem heute Abend vorgestellten Konzept entwickeln wir einen Fortschritt für die medizinische Versorgung im Raum Parsberg. Der Landkreis Neumarkt stiehlt sich damit nicht aus seiner Verantwortung. Ich bin überzeugt das geplante Haus der Gesundheit bedeutet einen Mehrwert für die Bevölkerung."

Der Neumarkter Orthopäde Wolfgang Bärtl erklärte, was hinter dem Konzept des medizinischen Versorgungszentrums steckt. Das beruht seinen Worten nach auf vier Säulen. So solle es in dem Haus der Gesundheit unter einem Dach eine ambulante Versorgung mit Fachärzten aus dem Bereich der inneren Medizin, der Gynäkologie, Chirurgie, Orthopädie, Urologie, Neurologie sowie der Kinder- und Augenheilkunde geben.

Geplant seien ferner Praxen für einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, einen Neurochirurgen und einen Hautarzt. Säule Nummer zwei sei die psychosomatische Versorgung durch den Bezirk mit einer Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) sowie 25 stationären Betten und einer Tagesklinik mit zehn Betten. Über den Standort dieser Einrichtungen, entweder am Haus der Gesundheit oder auf dem bezirkseigenen Grundstück, werde derzeit verhandelt.

Als Drittes könne man sich eine Tages-, Kurzzeit und Übergangspflege sowie eine Einrichtung für betreutes Wohnen vorstellen. Ergänzt werden solle das Ganze eventuell um weitere medizinnahe Angebote wie Physio-, Ergo- und Logopädiepraxen sowie um Tagesräume, Café und Bäckerei. Bärtl bezeichnete das Konzept als Projekt mit Modellcharakter über die Region hinaus und unterstrich, dass das bisherige Krankenhausgebäude stehen bleiben soll.

Zuvor hatte Klinikvorstand Weymayr ausführlich dargestellt, warum ein Krankenhaus mit 30 Betten und einem heuer zu erwartenden Defizit von rund 1,4 Millionen Euro nicht mehr haltbar sei. "Obwohl die Klinik Parsberg eine Fachklinik für eine Innere Medizin ist, suchen 87,3 Prozent der im Einzugsgebiet wohnenden Patienten der inneren Medizin andere Krankenhäuser auf. Um ein ausgeglichenes Jahresergebnis zu erwirtschaften, müsste die Klinik Parsberg ihre Fallzahlen mehr als verdoppeln und das ist unmöglich."

Weymayr betonte, dass es für alle Mitarbeiter eine Weiterbeschäftigungsgarantie gebe. Darüber hinaus sei zu erwarten, dass ein zukünftiges Haus der Gesundheit mehr Arbeitsplätze für qualifiziertes Personal bieten würde. Grünen-Stadtrat Friedrich Loré wollte wissen, wie es um die wirtschaftliche Situation des Klinikums in Neumarkt bestellt ist. Der äußerte sich optimistisch und sprach von einem für heuer geschätzten Defizit von circa 800 000 Euro. Im nächsten Jahr sei eventuell sogar eine schwarze Null möglich.

Dass sich der Landkreis nicht aus der Gesundheitsvorsorge in Parsberg verabschiede, betonte noch einmal der Landrat: "Wir sprechen hier von einer Investitionssumme zusammen mit dem Bezirk von 20 bis 25 Millionen Euro." Auf einer Planskizze konnten sich die Stadträte und die Zuhörer schon einmal anschauen, wie das Zentrum aussehen könnte.

W. STURM

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