Dienstag, 22.10.2019

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Parsberg: Veränderungen in der kirchlichen Jugendarbeit

Der neue evangelische Pfarrer Hans-Joachim Gonser hat einiges vor - 29.08.2019 19:40 Uhr

Wuschelkopf und offenes Hemd: Hans-Joachim Gonser pflegt ein unkonventionelles Auftreten für einen Pfarrer. „Ich bin neugierig und versuche offen für alle Menschen zu sein“, sagt er. © Foto: Hauke Höpcke


Herr Gonser, evangelischer Pfarrer im katholischen Parsberg – was reizt Sie daran?

Hans-Joachim Gonser: Parsberg schillert, die Stadt wächst, viele Menschen ziehen dorthin. Das hat für die evangelische Kirche die Nebenwirkung, dass es eine der wenigen Gemeinden in Bayern ist, die wächst. Im vergangenen Jahr kamen 35 Gemeindemitglieder hinzu, 1435 sind es insgesamt. Doch die Zugezogenen haben nicht automatisch eine kirchliche Bindung. Dies gibt die Möglichkeit untypisch zu arbeiten.

Was bedeutet das?

Gonser: Man muss nicht so viel schauen, was sich an alten Gewohnheiten halten lässt, sondern kann Neues aufbauen. Die Kirchen befinden sich in einem großen Umbruch. Sie sind keine Monopolisten mehr, sondern müssen sich auf einem Markt der Überzeugungen bestehen. Wenn wir die Menschen nicht überzeugen, bei uns zu bleiben verlieren wir die nächsten Generationen. Früher gab es die Konfirmandenprüfung vor der Gemeinde. Heute prüfen die Konfirmanden uns, ob die Kirche für sie taugt. Deshalb möchte ich etwa die Jugendarbeit umstellen vom klassischen Unterricht mit Hausaufgaben auf eine erlebnis- und erfahrungsorientierte Vermittlung.

Aber die mittlere Generation erreichen sie so nur sehr eingeschränkt.

Gonser: Jesus und seine Jünger sind auch nicht an einem Ort geblieben und haben auf die Menschen gewartet. Sie haben geschaut, wo sind ihre Sorgen und Nöte, was bewegt sie im Alltag. Was macht etwa die tägliche Pendelei zum Arbeitsplatz mit den neu zugezogenen Parsberger Familien? Bei der Militärseelsorge habe ich gelernt, Menschen gezielt an nicht-kirchlichen Orten aufzusuchen. Sehr viele der Soldaten kamen aus den östlichen Bundesländern. Sie hatten keinerlei religiöse Vorbildung. Aber durch die persönliche Ansprache ließen sie sich von einem Pfarrer helfen etwa bei Problemen, die sich durch die Auslandseinsätze in Familie und Partnerschaft ergeben.

Weshalb sind Sie Pfarrer geworden?

Gonser: Als Jugendlicher wollte ich nie einen Beruf in der Kirche ergreifen. Sie erschien mir zu erstarrt. Obwohl eine Religionspädagogin mir dazu riet. "Du bist zu ehrlich für einen anderen Beruf", sagte sie und meinte damit: Wenn ich etwas für richtig halte, bleibe ich auch dabei. Und wenn etwas falsch ist, setze ich mich damit auseinander. Das ist zwar erst einmal positiv, macht das Leben aber nicht unbedingt einfacher. Doch die Entscheidung zu einem Theologiestudium fiel später, als mir ein Pfarrer erzählte, was Gemeindeentwicklung ist, wie man Kirche gestalten kann. Es braucht zwar Zeit, aber es ist möglich.

Wie charakterisieren sie sich selbst?

Gonser: Ich bin ein Grenzgänger. Neugierig und versuche offen für alle Menschen zu sein.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Ist der Herr Pfarrer verheiratet?

Gonser: Nein, aber er hat eine Lebensgefährtin. Sie wohnt seit einem Jahr in Lupburg. Auch daher war eine Verbindung zu Parsberg vorhanden. Zur Zeit suchen wir eine Wohnung, weil die evangelische Gemeinde Parsberg kein Pfarrhaus besitzt.

INTERVIEW: HAUKE HÖPCKE

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