Streit im Neumarkter Bausenat

Pfarrzentrum Hofkirche: Riesenwurf oder Verrat an der Schöpfung?

20.7.2021, 20:19 Uhr
Auf diesem Streifen hinter der zugewachsenen  Hofkirche (links) ist das Pfarrzentrum geplant.

Auf diesem Streifen hinter der zugewachsenen  Hofkirche (links) ist das Pfarrzentrum geplant. © Günter Distler, NNZ

Der Bausenat hat den Weg frei gemacht für ein neues Pfarrzentrum an der Hofkirche. Zwei Stadträte stemmten sich gegen das Vorhaben.

Die Pfarrei Hofkirche plant ein Pfarrzentrum: Etwas über 150 Quadratmeter auf einem versteckten Grünstreifen zwischen dem Altarraum der Hofkirche und der Stadtmauer. Wie berichtet soll das Häuschen drei Gruppenräume enthalten, die für größere Veranstaltungen zu einem Saal verbunden werden. Der Zugang wäre über den Platz beim Amtsgericht.

Nur. Bisher ist dort kein Baurecht vorhanden. Das Okay des Bausenats war notwendig, damit die Stadtverwaltung den Bebauungsplan ändert.

Architekt Hans-Jürgen Distler stellte im Bausenat den Stand der Planungen vor. "Ein Riesenwurf", sagte OB Thomas Thumann. "Als langjähriger Ministrant der Hofkirche habe ich dort eine gewisse Ortskenntnis."

Ganz anders die Reaktion von Ursula Plankermann (SPD): "ich bin ein bisschen geschockt und ziemlich traurig, dass wieder einmal in der Innenstadt ein Stückchen Grün geopfert werden soll." Jede noch so kleine Grünfläche sei notwendig, um das Klima in de Stadt stabil zu halten. Mit dem Johanneszentrum oder in den Gebäuden am Hofplan habe die Kirche genügend Räume für ihre Bedürfnisse. Was dort geschehe sei "Verrat an der Schöpfung".

"Unglaublicher Vorwurf"

"Ein unglaublicher Vorwurf", sagte Martin Meier (UPW). Die Pfarrei benötige einen Platz nahe der Kirche für die Seniorenarbeit, die Jugendgruppen und soziale Anliegen. "Wir werden definitiv zustimmen."

"Sie stellen es immer so dar, als ob wir Klimafrevler sein", zeigte sich OB Thumann empört. "Dabei weiten wir am Stadtpark die Grünflächen in der Innenstadt doch sogar aus."

Eva Borke-Thoma (Grüne) hatte Bauchschmerzen wegen der überbauten Grünfläche. Gab es keine Alternativen und könne wenigstens eine gepflasterte Fläche in der Nähe geöffnet werden?, fragte sie.

Eine Dachbegrünung ist fest vorgesehen, sagte Architekt Distler.

Das Dach wird grün

Stadtbaumeister Matthias Seemann berichtete von zwei anderen möglichen Standorten. Gegen den Pfarrgarten habe der Denkmalschutz sein Veto eingelegt. Die alten Gebäude am Hofplan sind verschachtelt, die Räume hätten über mehrere Etagen verteilt werden müssen. Bei den oft älteren Besuchern, teilweise mit Rollator seien so lange Wartezeiten am Fahrstuhl programmiert.

Dieter Ries (Flitz) forderte die vorhanden Bausubstanz nach Möglichkeit zu nutzen. Neue Bauten verbrauchten Ressourcen. "Säle gibt es in der Nähe genug wie etwa Krümperstallung oder den Klostersaal im evangelischen Zentrum." Er sei weder für noch gegen den Bau, aber es fehlten ihm aus seiner Sicht notwendige Informationen in den Sitzungsunterlagen. "Deshalb werde ich heute dagegen stimmen", so Ries.

"Diese Beiträge sind ein Wahnsinn", sagte Reinhard Brock (CSU), im Brotberuf Mesner am Mariahilfberg. "Jeder Normaldenkende kann nur sagen, das Pfarrzentrum ist eine wunderbare Sache."

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