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Sonntag, 25.10.2020

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Pilsacher Architekten Berschneider + Berschneider präsentiert ihre Projekte in München

Pilsacher Büro zeigt pfiffige Auswahl an Werken in der renommierten Architektur-Galerie - 17.10.2020 14:51 Uhr

Auch ein Konterfei ihrer selbst ist in der Galerie vertreten: Gudrun Berschneider wählte das Maybach-, Johannes Berschneider das Museum Lothar Fischer.

© Foto: Wolfgang Fellner


In die Architektur-Galerie kommt man durch die Buchhandlung L. Werner in der Türkenstraße. Alte und Neue Pinakothek sind nicht weit, direkt gegenüber das Museum Brandhorst. Viel mehr geht selbst in München nicht. Doch: Die Polizeiinspektion 12 Maxvorstadt ist nur einige Häuser weiter. Es geht durch die Buchhandlung, die Architekturbuchhandlung im Freistaat, sagen Kenner der Materie wie der Amberger Architekt und Multi-Künstler Wilhelm Koch, in die Ausstellungsräume. Vorbei an Le Corbusier und anderen Größen des Faches. Zu den Berschneiders aus Pilsach.

32 Papp-Mitarbeiter stehen im Raum

Ist nichts ausgestellt, sind die Räume geradlinig, weiß gestrichen, es gibt zwei Nebenzimmer. Nicht groß eigentlich, aber der Ausstellungsort für Architektur in Bayern schlechthin. Zwei Häuser weiter hat der bayerische BDA-Landesverband seinen Sitz. Wenn hier ausgestellt wird, erzählt Wilhelm Koch, der die Monographie Berschneider + Berschneider gestaltete und verlegt, dann wird es gerne richtig groß. Nicht so in der Ausstellung B+B, die bis zum 15. November zu den Öffnungszeiten zu sehen sein wird.

Denn: Das Architekturbüro aus der Oberpfalz wäre nicht das Architekturbüro aus der Oberpfalz, wenn es sich nicht etwas Besonderes hätte einfallen lassen. Statt überdimensionierter Drucke der Bauten, statt raumfüllender Bilder stehen 32 Mitarbeiter des Büros mit großen Bildern in der Hand in der Galerie. Auf den ersten Blick täuschend echt. Auf den zweiten Papp-Kollegen.

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Berschneiders Monographie in München präsentiert

Das Architekten-Paar Gudrun und Johannes Berschneider hat in München die Monographie Berschneider + Berschneider präsentiert, dazu eine pfiffige Werke aus der Pilsacher Architektur-Schmiede.


Eine bezaubernde Idee mit viel Leichtigkeit: 32 Mitarbeiter des Büros B+B gaben den Figuren Statur und Gesicht, jede hält ein ausgewähltes Projekt in Händen. Angefangen bei Johannes Berschneider: Bei ihm muss es das Museum Lothar Fischer sein, so etwas wie der Lebenstraum eines Architekten, mit einem famosen Bildhauer ein Ausrufezeichen für die Ewigkeit zu setzen. Bei Gudrun Berschneider ist es das Museum für Maybach-Fahrzeuge, nicht minder grandios. Der Neubau des Willibald-Gluck-Gymnasiums ist dabei, das Cafe Zentral am Unteren Tor, verschiedene Wohnhäuser und Privat-Objekte. Eine klasse Schau, die es wert ist, auch in Neumarkt gezeigt zu werden.

Eine besondere Art der Präsentation haben sich Berschneider + Berschneider für die Ausstellung in der Architektur-Galerie München einfallen lassen: 32 Papp-Figuren der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen großformatige Fotos von Berschneider-Objekten. In München haben Johannes und Gudrun Berschneider auch ihre neue Werkmonographie vorgestellt.

© Foto: Wolfgang Fellner


Es gab nicht eine Präsentation, sondern drei, Corona geschuldet. Damit es nicht zu voll wird, damit alle Regularien eingehalten werden. Denn der Name Berschneider zieht auch in und nach München, nicht nur Neumarkter Bauherren und Bauträger, Weggefährten, Freunde und Mitarbeiter fanden den Weg in die Landeshauptstadt, sondern auch die Münchener Architekturszene gab sich die Ehre.


Vorstellung der Monographie im Maybach-Museum


Um zu erfahren, was da in der Oberpfalz, dem einstigen Notstandsgebiet, wie Wolfgang Jean Stock, renommierter Architektur-Kritiker und mit Beiträgen in dem Buch vertreten, aus einer Untersuchung im Jahre 1956 zitierte, geschehen ist. Keiner kann das wohl besser als Stock schildern, der die örtliche Architektur-Szene seit vielen Jahren beobachtet, begleitet. Vor 20 Jahren, sagte er, habe es eine erste Ausstellung über Architektur in der Oberpfalz in München gegeben, und schon damals habe er gesagt, "wenn die Oberpfalz kommt, kommt sie mit voller Kraft". Stock knüpfte an viele Aspekte an, die er schon bei der Präsentation des Buches in Neumarkt angesprochen hatte (wir berichteten).

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Der Rahmen war festlich: Im Maybach-Museum haben Gudrun und Johannes Berschneider ihre Monographie vorgestellt, in der sie ihre wichtigsten Werke bündelten.


"Die Erfolgsgeschichte ist auf den Tafeln zu sehen", sagte Wolfgang Jean Stock und verwies auf die locker aufgereihte Mannschaft aus Pilsach. Johannes Berschneider habe klein angefangen, es sei eine Geschichte gewesen, die mit viel Mut begann und mit viel Beharrlichkeit. Stock: "Das ist eine neue Architektur und Baukultur, die von unten gekommen ist, Schritt für Schritt aufgebaut, das ist das, was man heute das Architekturwunder in der Oberpfalz nennt." Es lohne sich, da hin zu fahren, warb Stock bei den Münchner Gästen: "Schaut euch das Museum Lothar Fischer, dieses kongeniale Haus, an", sagte er.

Neumarkt zur Hochburg gemacht

Oder das Museum für Maybachfahrzeuge, oder das Willibald-Gluck-Gymnasium, das wie nach den Maßstäben der holländischen Architekten-Ikone Hermann Hertzberger gebaut sei, eine kleine Stadt für sich in ihrem eigenen Kosmos. Doch Johannes Berschneider baue nicht nur genial, sondern kommuniziere Architektur so, dass auch alle Menschen verstehen, worum es gehe.

Er erinnerte an einen Vortrag, den er selbst gehalten habe: Nicht schlecht besucht in München, Augsburg ging so, in Kempten wenige, aber begeisterte Zuhörer und in Neumarkt 400 Leute, ein voller Saal. Deswegen seien auch alle Größen der Szene gerne nach Neumarkt gekommen, weil sie dort mit Begeisterung gehört wurden, weil eine Offenheit für Architektur herrscht. Das Verdienst von Johannes Berschneider.

Der Name Berschneider zieht: In die Galerie kamen Weggefährten aus der Oberpfalz und die Architekturszene München, hier die Berschneiders (3./4.v.li.) mit den Laudatoren Wolfgang Jean Stock, Lydia Haack, Octavianne Hornstein und Christiane Degenhardt.

© Foto: Wolfgang Fellner


Octavianne Hornstein, Diplom-Ingenieurin Architektur und Curator der Architekturgalerie München, oblag es, die Gästeschar zu begrüßen. Christiane Degenhardt, Präsidentin der bayerischen Architekturkammer, berichtete von ihren ersten Eindrücken, als sie durch die Monographie blätterte: "Die ersten Bilder waren Landschaft, Landschaft, Landschaft." Das sei es, sagte sie, man müsse die Architektur stimmig in die Landschaft einfügen oder gegen sie setzen. Diese Bilder hätten sie gerührt.

Hervorragender "Erklär-Ber-Schi"

Johannes Berschneider sei "ein herausragender Botschafter für die Architektur", sagte Lydia Haack, Landesvorsitzende des Bundes deutscher Architekten in Bayern. Er könne nicht nur gut bauen, sondern auch dem Laien vermitteln, was gute Architektur sei. Er könne dem Bürger erklären, was gute Architektur und 08/15-Architektur unterscheide. Er habe seinerzeit den Vorsitz des Kreisverbandes übernommen und diesen "zehn Jahre gerockt". Er habe "herausragende Werke geschaffen, was nur wenige geschafft haben". Er sei ein Kämpfer für die Architektur.

Die anzuschauen, dafür gab es dann noch die Möglichkeit – aber zeitlich begrenzt. Denn vor der Türe warteten bereits die nächsten Gäste, die auch einen Blick auf das werfen wollten, was ein Büro aus der Oberpfalz zu leisten im Stande ist. Großes.

 

WOLFGANG FELLNER

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