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Postbauer-Heng: Bürger können Lastenräder mieten

Gemeinderat beschließt den Einstieg in das Modellprojekt und kauft 20 E-Bikes - 14.01.2021 09:33 Uhr

Bürgermeister Horst Kratzer hat so ein Lastenfahrrad schon mal getestet. Mit der Investition in das Pilotprojekt möchte der Gemeinderat auch ein Zeichen für den Umweltschutz setzen.

13.01.2021 © Foto: Guttenberger/Markt Postbauer-Heng


Die Kommune war als eine von acht unter zahlreichen Bewerbern ausgewählt worden, doch fünf Markt-räte haderten mit dem Konzept. Sie hätten den Zuschuss, den es aber nur bei der Teilnahme an diesem Projekt gibt, gerne anders verteilt. Oder auch nur den Anteil der Gemeinde daran.

"Das ist schon gewöhnungsbedürftig, wenn du das erste Mal so einen Long John hast, so ein Gerät", sagte Bürgermeister Horst Kratzer über seine Erfahrungen mit dem holländischen Lastenrad, das er schon ausprobiert hatte und sorgte damit für ungewollte Heiterkeit im Marktrat. Was half, das Thema wieder etwas vom Eis zu holen im eiskalten Sitzungssaal im Schloss in Postbauer. Die Heizung war nach Neujahr ausgefallen, was aber erst am Sitzungstag bemerkt worden war. Aber 12 Stunden reichen nicht, um so ein Gemäuer wieder aufzuheizen. Dick eingemummelt saßen die Räte weit voneinander getrennt, es gab Tee zum Aufwärmen.

20-Prozent-Förderung vom Freistatt

Trotz der Kälte entzündete sich am Thema Lastenrad eine lange Diskussion. Die Marktgemeinde hatte sich für das Pilotprojekt angemeldet und war, gerade wegen ihrer Größe und Struktur, ausgewählt worden. Der Freistaat fördert das Pilotprojekt mit 80 Prozent. 20 Lastenräder, verteilt auf zehn Stationen, sollen es im Gemeindegebiet sein. Anhand von Verkehrs-strömen und Anwohnerdichte hatte die Verwaltung zehn Standorte ausgewählt.

Das Lastenrad kann über eine App gebucht werden, man fährt zum Einkaufen und zurück. Oder man stellt es an einem anderen Haltepunkt ab. An den Haltepunkten werden die Räder, die über einen Elektroantrieb verfügen, wieder aufgeladen. Jedes Fahrrad hat einen Tracker, sodass es immer gefunden wird. Benutzen kann es nur, wer sich vorher anmeldet und freischalten lässt.

Stationen über die ganze Kommune verteilt

Getestet werden soll in dem Versuch, ob sich damit die Mobilität innerhalb einer Gemeinde ändern lässt. Dass weniger mit dem Auto gefahren und mehr zum Lastenrad gegriffen wird. Verteilt werden die Stationen über die gesamte Kommune. Sollte sich ein Standort als nicht ideal erweisen, kann er auch getauscht werden.

An Kosten fallen für den Gemeindesäckel 64000 Euro für Räder und Ladestationen an, dazu kommen rund 54000 Euro für den Unterhalt pro Jahr. Geld werde die Gemeinde damit nicht verdienen, sagte Kämmerer Florian Beyer offen, der das Projekt vorantreibt. Die erste halbe Stunde Nutzung sei kostenfrei, danach fallen 25 Cent für 15 Minuten an; zwölf Euro werden fällig pro Tag. Beyer: "Wir wollen es sehr günstig probieren." Damit es auch genügend Nutzer gebe.

Platz für ein Kisterl Bier

Das brauche es nicht, sagte Hans Pröpster: Er sehe keinen Bedarf dafür. Das Geld alleine für den Unterhalt würde reichen, um pro Jahr 54 Bürgern der Kommune einen Zuschuss von 1000 Euro für den Kauf eines Lastenrades zu zahlen, rechnete Helmut Lerzer vor. Das sei doch sinnvoller. Ludwig Häring assistierte auf seine Art: Die beste Nutzung der Räder verspreche er sich am Vatertag, denn in den Korb vorne dran passe gut ein Kisterl Bier. 20 Räder seien viel zu viel.

"Das hat Modellcharakter, das ist einen Versuch wert", sagte Thomas Härtl, der aber offen zugab, dass er wenig Zuversicht habe, dass das Projekt ein Erfolg werde. Trotzdem sei er dabei. Aber, wollte er wissen, wie komme man raus aus dem Modellprojekt, nicht, dass es einem gehe wie England, das ewig auf den Brexit habe warten müssen. Die Antwort beruhigte: In zwei Jahren werde alles neu ausgeschrieben oder auch nicht, sagte Kämmerer Beyer.

"Zeichen für den Umweltschutz"

"Das ist ein Zeichen nach außen, ein Zeichen für den Umweltschutz", sagte Andrea Huber. Das Projekt sei eine Investition in die Zukunft und sie glaube, es werde ein Erfolg. Das sagte auch 2. Bürgermeisterin Angelika Herrmann. Postbauer-Heng sei innovativ, gehe voran, und deshalb sollte dieses Projekt umgesetzt werden, forderte sie. Und erhielt Unterstützung: Gegen fünf Stimmen war der Marktgemeinderat dafür, das Lastenrad in die Spur zu setzen.

WOLFGANG FELLNER

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