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Freitag, 03.07.2020

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Rätsel über Kirchentür in Lutzmannstein

Ein Schalenstein mit kreisrunden Vertiefungen kam zutage - 18.04.2020 14:00 Uhr

In der gemauerten Vertiefung am Portal stand bis 1951 eine Marienstatue. Sollte sie den heidnischen Näpfchenstein darüber bannen? © Foto: Paul Böhm


Das ehemalige Gotteshaus in Lutzmannstein liegt mitten im Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes Hohenfels und birgt auch 69 Jahre nach der Ablösung noch so manches Geheimnis.

Eines davon ist der sogenannter Schalen- oder Näpfchenstein, der hoch über dem Eingangsportal mit nach außen zeigenden kreisrunden Vertiefungen eingemauert ist. Man darf davon ausgehen, dass solche Schalen- oder Näpfchensteine aus vorchristlicher Zeit stammen und wohl auf einen keltischen Ursprung hindeuten.

Wie der Schalenstein in das Mauerwerk der ehemaligen Lutzmannsteiner Pfarrkirche gekommen ist, weiß man nicht. Die Vermutung liegt aber nahe, dass bei einem Kirchenumbau Anfang des 18. Jahrhunderts in Lutzmannstein dieser Näpfchenstein, im Volksmund auch "Lichtlstein" genannt, mit eingemauert worden ist: 1709 wurde die Kirche erweitert. Der Stein war lange Jahre mit Putz überzogen und so vor den Augen verborgen geblieben. So kann man es auf einer Hinweistafel am Kirchenaufgang nachlesen.

Es ist davon auszugehen, dass eine religiöse, kultische Bedeutung des Näpfchensteines nicht von der Hand zu weisen ist. In vorchristlicher Zeit dienten solche Steine mit darin angezündeten Talklichtern an die Verstorbenen. Der Volksglaube verbindet auch heute noch mit diesen Steinen mystische Vorstellungen längst vergangener Jahrhunderte.

Dass bei den Näpfchensteinen in nachgelagerten Verwendungen oft noch Kreuze oder andere christliche Symbole mit angebracht wurden, hatte wohl auch noch einen anderen Grund: Uralte Rituale rund um diese Steine haben sich auch nach der Christianisierung gehalten. Sie wurden weiterhin gepflegt, was sicherlich der mittelalterlichen Kirche ein Dorn im Auge gewesen ist. Listige Dorfpfarrer bekämpften damals den uralten Zauber dieser Steine mit christlichen Figuren oder Bildern als Beiwerk. Vielfach hat man solche Schalensteine einfach zugemauert.

Uralte Rituale weiter gepflegt

Das kann wohl auch in Lutzmannstein so gewesen sein, denn gleich darunter sieht man noch eine kreisrunde Vertiefung von knapp einem Meter Durchmesser, die bis zur Ablösung im Jahr 1951 von einem Christusbild geschmückt war. Erst bei der Sanierung des Mauerwerkes von St. Luzia ist er wieder richtig zum Vorschein gekommen.

Mit der Sicherung der Dorfkirche St. Maria, St. Lucia, sowie anderer Gebäude im Truppenübungsplatz und anderer Gebäuden haben sich die Amerikaner im Truppenübungsplatz Hohenfels einer wichtigen Denkmalschutzaufgabe angenommen, um das Andenken an ehemalige Ortschaften im gesamten Truppenübungsplatz zu erhalten.

PAUL BÖHM

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