Raubritter Eppelein wurde vor genau 640 Jahren in Neumarkt hingerichtet

15.5.2021, 15:55 Uhr
Szene vom Eppelein-Festspiel in Burgthann: Im „Schwarzen Kreuz“ zu Postbauer-Heng terrorisieren der Raubritter (Mi.) und seine Bande letztmals die Kaufleute.

Szene vom Eppelein-Festspiel in Burgthann: Im „Schwarzen Kreuz“ zu Postbauer-Heng terrorisieren der Raubritter (Mi.) und seine Bande letztmals die Kaufleute. © Foto: Fördergemeinschaft Burg Burgthann/Buchner

Am Südausgang des Neumarkter Bahnhofs erinnert heute eine Metall-Stele des Künstlers Franz Pröbster Kunzel an die Hinrichtung auf dem nahen Galgenhügel. Dort, wo heute Eichen neben den Rangiergleisen ihre knorrigen Tentakeln in den Himmel recken, wurde der Raubritter 1381 aufs Rad geflochten.

Ein Ereignis, das die damals noch junge Stadt Neumarkt in den folgenden Jahrhunderten überregional bekannt machte. Mit einem schweren Wagenrad wurden dem alten Mann – Eppelein war bereits an die 70 Jahre – und den Neffen die Knochen einzeln gebrochen, die Glieder anschließend durch die Speichen geflochten. Die vier Knechte wurden enthauptet.

Viele Mythen ranken sich um Eppeleins Leben und Sterben. Zum Beispiel, dass er mit seinem Ross über den Nürnberger Burggraben im weiten Bogen gesprungen sei. Oder dass die Reichsstadt Nürnberg als eigentlicher Ankläger die Rechnung für Eppeleins Hinrichtung bis heute nicht beglichen habe. Bei der Landesgartenschau 1998 in Neumarkt kam es deshalb zu einer symbolischen Entschädigung: Die Nürnberger entlöhnten die Neumarkter mit Lebkuchen und Schoko-Dukaten.

Echte Euros (zu LGS-Zeiten wären es noch D-Mark gewesen) würden sie aber niemals rausrücken. Denn im Nürnberger Rechnungsbuch wurden bereits im Jahr der Hinrichtung dafür 639 Pfund, 14 Schilling und sechs Heller vermerkt, die an die Vollstrecker geflossen waren. Dafür, dass "Ekelein Geylink" und seine Neffen "uff reder gesetzt wurden und daz ir knechte viren die haupt abgeschlagen wurden allen zum Newemarkt". Nur hatten die Neumarkter recht wenig davon; das Geld ging an den pfälzischen Landesherrn Rupprecht beziehungsweise an dessen Scharfrichter und Beamte.

Rabenstein und Robin Hood

Ein Volkslied über Eppelein aus der Zeit um 1500 verortet sein qualvolles Ende gleich nach Nürnberg: "Den Epple von Geilingen namens an, brachten gen Nürnberg den gfangnen man. Und fürten in auf den rabenstein, man legt im den kopf zwischen die bein." Rabenstein wurden erhöhte Richtplätze genannt, oft ein gemauertes Podest auf der Richtstätte, gut einsehbar für das meist zahlreiche Publikum. Denn wenn das wieder fort war, dann kamen die Raben.

In der Romantik wurde der Gailinger gerne mal als fränkischer Robin Hood verklärt. Doch schröpfte der reale Eppelein reiche Kaufleute ebenso wenig aus edlen Motive wie jene englischen "Horsemen", die das Vorbild für die literarische Figur des Robin of Loxley abgaben.

Der Mythos aber lebt weiter: 2008 brachte der Regensburger Journalist und Theaterregisseur Peter Klewitz, der damals auch Artikel für die Neumarkter Nachrichten schrieb, den Stoff auf die Kinoleinwand. In "Ekkelins Knecht" erzählte er die Story aus Sicht des Gefolgsmanns Konrad, der nach Eppeleins Tod dessen Ritterehre wieder herstellen möchte – in der Rüstung seines Herren.

Peter Klewitz selbst kam 2014 auf tragische Weise bei einem Reitunfall ums Leben. Da hatte er schon seinen zweiten Spielfilm "Windmühlen" im Sinn, nach Motiven von Cervantes "Don Quijote".

In Postbauer-Heng, wo die Räuberbande im Mai 1381 – angeblich nach einem allzu auffälligen Zechgelage im Wirtshaus Zum Schwarzen Kreuz – festgenommen wurde, verweisen heute noch die "Eppeleinstraße" und die "Jäckleinstraße" auf jenes denkwürdige Ereignis. Und den Tusch dazu bläst die "Blaskapelle Eppelein".

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