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Donnerstag, 17.10.2019

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Regensburger Schau widmet sich Schöpferin des Berliner Bären

In der Ostdeutschen Galerie wird die Bildhauerin Renee Sintenis gezeigt - 12.10.2019 12:00 Uhr

Renée Sintenis junger Berliner Bär aus dem Jahr 1956. © Foto: studio zink fotografen


Mit Renée Sintenis (1888–1965) wird nicht nur eine der ersten erfolgreichen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts vorgestellt. Die hochgewachsene Frau im Herrenanzug mit Bubikopf verkörperte zugleich die "Neue Frau" der 1920er Jahre.

Im Mittelpunkt der Präsentation stehen die lebhaften Tiere aus Bronze, für die Sintenis in ihrer Zeit bekannt wurde. Zu sehen sind auch ihre Mädchenakte, Porträtbüsten, Sportlerdarstellungen, mythologische Figuren sowie einige grafische Arbeiten. Die Schau wird bis zum 12. Januar 2020 gezeigt.

Unabhängig, selbstbewusst, sportlich, emanzipiert präsentiert sich Renée Sintenis auf zeitgenössischen Fotografien. Berlin verwandelte das Mädchen, das mit 17 Jahren aus der brandenburgischen Provinz hierherkam, in eine mondäne Großstadtkünstlerin. Der Galerist Alfred Flechtheim, der Sintenis unter seine Fittiche nahm, verstand es, ihre Ausstrahlung zur Bewerbung ihrer Kunst einzusetzen. Er ermutigte die junge Künstlerin, die sich selbst als schüchtern und zurückhaltend beschrieb, ihr extravagantes Image aufzubauen. So sah man sie morgens durch den Tiergarten reiten, nachmittags fuhr sie in ihrem Sportwagen namens "Nurmi" durch die Stadt, nachts fehlte sie auf kaum einem Fest.

Als Bildhauerin gehörte Sintenis zur ersten Generation von Frauen, die ihre künstlerische Tätigkeit als Beruf ausüben und davon leben konnten. Flechtheim machte sie mit Sammlern in Deutschland, in Paris, London und New York bekannt und vermarktete besonders ihre kleinformatigen Tierfiguren lukrativ. Gut vernetzt in der Berliner Kulturszene, pflegte Sintenis Kontakt zu Ernst Barlach, André Gide, Rainer Maria Rilke, Asta Nielsen und anderen Berühmtheiten. Mit dem Dichter Joachim Ringelnatz und dem Schriftsteller Hans Siemsen verband sie eine enge Freundschaft.

Abgeschiedenes Atelier

Um ihrer künstlerischen Arbeit nachgehen zu können, zog sich Sintenis in die Abgeschiedenheit ihres Ateliers zurück. Am meisten interessierte sich Sintenis jedoch für Tiere. Auch die erste Fassung ihres bekanntesten Werkes, des "Berliner Bären", war ein tapsiges Jungtier. Ihr zweiter Bär von 1956 mit den charakteristischen erhobenen Tatzen avancierte in den 1950er-Jahren zur Symbolfigur von Berlin. Seit 1960 dient er als Vorlage für den Berlinale-Bären, der bei den Berliner Filmfestspielen als Trophäe vergeben wird.

Die Ausstellung "Zwischen Freiheit und Moderne. Die Bildhauerin Renée Sintenis" läuft bis zum 12. Januar 2020 zu den üblichen Öffnungszeiten.

nn

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