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Sengenthal schmeißt Daten-Turbo an: Gigabit-Anbindung für alle Bürger

Eine drängende Zukunftsfrage beschäftigte den Gemeinderat in der ersten Sitzung des Jahres. - 16.01.2021 11:24 Uhr

Symbolbild

25.10.2015 © Privat


Siebler skizzierte die rechtlichen Strukturen. Dabei betonte er die Bedeutung des schnellen Internets nicht nur als Standort- und Wirtschaftsfaktor mit Vorteilen für Bürger und Unternehmen, sondern auch als Voraussetzung für die Digitalisierung von Verwaltung und Bildung – Stichwort Distanzunterricht: "Wo keine vernünftige Infrastruktur da ist, steht das Land."

Da der Digitalausbau im ländlichen Raum für Telekommunikationsunternehmen oft nicht wirtschaftlich sei, müssten die Gemeinden selbst aktiv werden. Beim Wirtschaftlichkeitslückenmodell, bei dem ein privater Betreiber Planung, Bau und Betrieb des Netzes übernimmt, fließen nicht nur die Fördermittel an den Betreiber statt an die Gemeinde, er bleibt auch Besitzer der Netzinfrastruktur. Die LIN favorisiert deshalb das Betreibermodell: Hier plant und baut die Gemeinde das Netz selbst mit Fördermitteln auf und verpachtet es an einen Telekommunikationsanbieter.

Gemeinden arbeiten zusammen

Für mehr Schlagkraft haben sich dafür Gemeinden in der Region zusammengeschlossen und der Laber-Naab Infrastruktur GmbH den Netzausbau und Betrieb übertragen. Dadurch sind die Gemeinden bei Ausschreibungen besser aufgestellt und können höhere Pachteinnahmen erzielen. Dazu müssen sie sich mit 5000 Euro beteiligen; die GmbH darf nur kommunale oder andere öffentliche Gesellschafter wie etwa Stadtwerke haben. Unter diesen Voraussetzungen können die Gemeinden dann Aufträge ohne Ausschreibung direkt an die GmbH vergeben.

René Meyer betonte, dass Sengenthal beim Glasfaserausbau mit einem Versorgungsgrad von 25 Prozent bereits relativ weit sei – dass aber auch drei Viertel der Haushalte in der Gemeinde noch keinen Gigabit-Anschluss haben.

34 Gemeinden an Bord der LIN

Die in Parsberg beheimatete LIN, die derzeit zwölf Kommunen aus den Landkreisen Neumarkt und Regensburg als Gesellschafter hat, kann seit Anfang 2020 auch eine Internet-Infrastruktur aufbauen. Deshalb haben bereits weitere 34 Gemeinden in den Landkreisen Neumarkt und Regensburg zugesagt, mit den übrigen ist die GmbH im Gespräch. Bei Glasfaser- und Mobilfunkausbau können die Gemeinden die Versorgung nicht nur schneller verbessern, sie können diese Maßnahmen auch durch die Pachteinnahmen refinanzieren.

Ein weiterer Vorteil ist laut Meyer, dass mit der LIN ein Kompetenzzentrum entsteht, auf dessen Expertenwissen alle Gesellschafter zugreifen können. Durch Bündelausschreibungen würden Kommunen zudem personell und finanziell entlastet.

Auch Wartung und Betrieb werden einfacher und günstiger. Außerdem könnten die Gemeinden die Fördermittel optimal ausnutzen und sicher sein, dass nur kommunale Interessen vertreten würden. Ziel ist die Beschleunigung des Netzausbaus und die Glasfaserversorgung aller Haushalte bis spätestens 2030.

Schon 100 000 Haushalte im Netz

Angesichts des Kundenkreises – das Netz der LIN umfasst schon jetzt rund 100 000 Haushalte – zeigen sich große und kleine Telekommunikationsanbieter interessiert an Rahmenvereinbarungen. Für längerfristige Sicherheit auf beiden Seiten werden die Netzpachtverträge in der Regel auf zehn bis 15 Jahre geschlossen.

Für den Bürger ändert sich nichts: Er kann nach wie vor seinen Anschluss beim Internetanbieter seiner Wahl buchen. Der Gemeinderat stand einer Beteiligung an der LNI positiv gegenüber. Die Entscheidung darüber soll im Februar fallen.

MARTIN HERBATY

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