Donnerstag, 29.10.2020

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Sengenthaler Grundschule: Altes Schulhaus reaktiviert

Jedes Jahr gibt es eine Klasse mehr - 13.10.2020 11:47 Uhr

Schulleiter Stefan Lautenschlager (links) und Bürgermeister Werner Brandenburger in einer der beiden dritten Klassen. Als eine der ersten Schulen in der Region erhielt die Sengenthaler Grundschule interaktive „Whiteboards“.

© Foto: Nicolas Damm


Doch dann schlug der demografische Wandel voll durch, und auch die kleine Gemeinde südlich von Neumarkt hatte mit einer "Geburten-Delle" zu kämpfen. Im Herbst 2013 kam ein neuer Rektor. Stefan Lautenschlager übernahm das Kommando für zwei Kombiklassen 1/2 und 3/4; weniger als 50 Schüler besuchten damals die Sengenthaler Schule.


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Bang sei ihm nicht gewesen, sagt er: "Die Gemeinde und der Elternbeirat haben mich von Anfang an massiv unterstützt. Man hat einen Ruck gespürt, der durch die Schule ging, eine Aufbruchstimmung."

Schließung am Horizont

Und das, obwohl im Jahr 2013 durchaus noch das Schreckgespenst der Schulschließung in Sengenthal umging. Denn es war die Zeit, als das Kultusministerium verstärkt "Zwergschulen" zur Disposition stellte. Die Schulschließung: Für die Gemeinde Sengenthal wäre das ein kommunaler Gau gewesen.

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Badefreuden am Sengenthaler Baggersee

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"Die Schule ist ein ganz wichtiger Standortfaktor, sie ist identitätsstiftend", sagt Bürgermeister Werner Brandenburger. Doch auch er sah damals schon den breiten Silberstreif am Horizont. Auf die Finanzkrise folgte ein Wirtschaftsboom, basierend auf historisch niedrigen Zinsen. Davon profitierten auch bauwillige junge Paare. Kommt Eigenheim, kommen Kinder: Der Trend zur Einkindfamilie kehrte sich nun wieder um.

Vor allem seien es Zuzügler aus Neumarkt, sagt Brandenburger, die die Neubaugebiete in Sengenthal und zuletzt auch in Reichertshofen in Windeseile belegten. 30 bis 40 neue Gemeindebürger pro Jahr gaben Anlass zur Hoffnung. Die sich schon alsbald erfüllte: Der Kindergarten wurde schnell zu klein, und auch die Schule wuchs in jedem Jahr um eine Klasse.


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Was dann zu neuen, zu Platzproblemen führte. Die nahm die Gemeinde aber gerne in Kauf: Der Kindergarten wurde generalsaniert, danach für die Krippe erweitert; und dann gleich eine zweite Kita gebaut. Die Schule erhielt, damals noch mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket, eine Generalsanierung, die Turnhalle wurde rundum erneuert. Und nebenan, im Erdgeschoss des alten Schulhauses aus den 50er Jahren, wurde ein früheres Klassenzimmer "reaktiviert".

Modernste Ausstattung

In Kürze wird nun die leer stehende Praxis im ersten Stock zu einem weiteren Unterrichtsraum "rückgebaut". Spätestens zum Zwischenzeugnis soll dort eine Klasse einziehen, die derzeit noch im Werkraum sitzt. Besonders stolz ist Bürgermeister Werner Brandenburger auf die technische Ausstattung aller Klassenzimmer: unter anderem mit interaktivem Whiteboard (statt "alter" Tafel), Internet und Dokumentenkamera. Und das gab es in Sengenthal schon 2016, früher als anderswo. "Und Laptops für alle Lehrer."

Es wächst zusammen, was zusammen gehört: Rechts der Dorfeiche die Front und die Turnhalle der Grundschule Sengenthal, links das alte, nun „reaktivierte“ Schulhaus.

© Foto: Nicolas Damm


Beste Lernbedingungen also für die 124 Schülerinnen und Schüler, Stand Oktober 2020. Mit dem Wachstum erhielt auch die Schulleitung "Vergünstigungen". Nun bekam sie wieder eine Sekretärin, immerhin an 2,5 Vormittagen. Die Verwaltungsstunden des Rektors, der weiterhin eine Klasse führt, wurden von fünf auf acht Stunden angehoben. "Das ist schon eine massive Entlastung", sagt Stefan Lautenschlager. "Allein beim Schriftverkehr."


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Der Spaß an seinem Beruf, den er freilich immer schon hatte, sei durch die Wahnsinns-Entwicklung in Sengenthal noch größer geworden, sagt der Schulleiter. Und die Perspektiven für die kommenden Jahre seien – Corona hin oder her – ebenso blendend. Einen kleinen Anstieg der Schülerzahlen werde es wohl noch geben. Bei einer Klassenstärke von derzeit 15,5 Kindern im Schnitt sei der leicht im Haus unterzubringen.

Damit dürfte die Erweiterung der Schule vorerst zum Ende kommen. Allenfalls einen größeren Raum, auch für Veranstaltungen, könnte sich der Bürgermeister noch vorstellen. In fünf Jahren könnte es dann wieder spannend werden: Ab 2025 haben alle Grundschulkinder in Deutschland einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung.

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