-0°

Donnerstag, 23.01.2020

|

Stilkunde beim Shopping in Neumarkt

An der Unterführung zum Neuen Markt gibt es Infos zur Kunst- und Kulturgeschichte - 14.12.2019 19:39 Uhr

Objektkünstler Hubert Baumann gestaltete die informative Schau in der Passage zum Neuen Markt und zeigte sich froh, dass er bei der Planung relativ frei agieren konnte. © Foto: André De Geare


Dort, wo es hinunter geht zum Tiefgeschoss des Neuen Marktes sind viele Meter kahler Beton: Dorthin kommt jetzt die Neumarkter Kunst- und Architekturgeschichte. Fünf eiserne Tafeln, von hinten beleuchtbar, erklären demnächst, was Romanik, Gotik, Renaissance und Barock ist.

Anhand von einschlägigen Neumarker Beispielen aufgezeigt: Wolfstein, St. Johannes, Residenz, St. Anna – und mittendrin das Rathaus. Das allerdings ist ein Nachkriegsbau, der Renaissance-Anregungen aufnimmt.

Erste Idee von Hans Braun

Dr. Christian Mikisch und Wolfgang Knychalla haben das vom Neumarkter Lions Club geplante und finanzierte Vorhaben jetzt vorgestellt. Dort, wo die fünf Elemente derzeit entstehen: im Atelier von Hubert Baumann (Kulturpreisträger 2019) in St. Helena. Und sie können dabei weit in die Geschichte ihres Clubs und dieser Idee zurückgreifen.

Hans Braun, einst Rektor der Mädchenrealschule, hätte solche stilkundlichen Tafeln schon immer gern gehabt: etwa im Rahmen des Volksfestzugs. Noch zu seinen Lebzeiten (er ist 2018 gestorben) konnte er seinen Lions-Club für das Vorhaben begeistern. Das wendet sich an den Passanten genauso wie an den Touristen, an die Schulen und die Heimatvereine.

Fünf eiserne Tafeln

Die eisernen Tafeln zeigen die fünf charakteristischen Epochenbeispiele mit einer kurzen erklärenden Unterschrift, Hubert Baumann hat sich für "grafische Schnitte aus Metall" entschieden, die Umrisse der Gebäude werden in den Stahl hineingeschnitten und durch den Abstand zur dahinter liegenden Wand können Tageslicht oder abends die LED-Leuchten das Ganze scherenschnittartig hervorheben.

Die Darstellung verbindet Gesamtansichten mit kunsthistorischen Details (etwa mit dem Maßwerk, der Rosette, den Spitzbogen der Gotik). Wer noch genauer Bescheid wissen will, für den entsteht ein Flyer, der an verschiedenen Stellen in Neumarkt ausliegen wird.

Für ein solches Vorhaben an signifikanter Stelle war die Beratungs- und Planungszeit relativ kurz. Hubert Baumann war schon seit 2016 in Gesprächen mit Hans Braun, heute sieht er in der Realisierung der Neumarkt-Bildtafeln "dessen Vermächtnis". Die Stadt als Eigentümerin des Geländes war vom Standort offenbar schnell überzeugt und wollte gerne auch das Rathaus mit verewigt sehen: Diese Bildtafel wird sie auch finanzieren – als Dokument des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders wichtig waren allen Beteiligten die Sicherheit des Materials gegen Vandalismus und die farbliche Lebendigkeit von Rost – wie man das von den sonstigen Werken Baumanns kennt.

Bemerkenswertes Element

Die Tafeln des Bildfrieses (nein, "Stelen", wie zuerst gedacht, sind das nun wirklich nicht!) hängen in etwa zwei Zentimeter Abstand miteinander zusammen, so dass das Ganze mit seinen zwölf Quadratmetern ein städtebaulich bemerkenswertes Element zu werden verspricht. Zudem eine Bereicherung der bisher kahlen Passage, die unter die Kreuzung am Unteren Tor führt. Die Finanzierung war, so Mikisch und Knychalla, schnell gesichert: Hauptfinanzier ist der Lions Club Neumarkt, der damit seinen Satzungsauftrag der Förderung von Kunst und Kultur erfüllt; zusammen mit der Stadt übernehmen Nicht-Mitglieder etwa 50 Prozent der Kosten von etwa 30 000 Euro.

Hubert Baumann hat nach der künstlerischen Planung mit der handwerklichen Arbeit längst begonnen. Drei Wochen hat die "Anrostung" der Platten gedauert, das Ausschneiden der Formen will er noch bis Weihnachten schaffen. Seine Skizzen hat er am Computer umgesetzt: "Mir ging es um eine Reduzierung auf die wichtigsten Aussagen, besonders schwierig war es, die Haltepunkte für die schwarzen Flächen zu verbinden", sagt er. Das Grafikbüro Schwab hat für die Lasertauglichkeit der Vorlage gesorgt. Strom kommt aus dem ohnehin dort befindlichen Elektrotechnikraum.

Hubert Baumann ist im gegenwärtigen Stand der Fertigstellung glücklich, dass er bei der Planung relativ frei agieren konnte: "Ich mag solche Herausforderungen." Sein "Erich", der oberhalb der Treppe auf der Bank sitzt, mag sich, so Baumann, denken: "Was gibt es alles Neues in Neumarkt? Wo geh‘ ich da zuerst hin ?"

Und wenn er sich für St. Johannes entscheidet, sagt ihm der heimatkundliche Stilkunde-Fries: "Gotik."

UWE MITSCHING

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Neumarkt