Streitschlichterin kassierte Faustschlag zu Neujahr

3.3.2017, 13:40 Uhr
Symbolbild Gericht

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Der gleichaltrige junge Mann, der auf wenig ritterliche Weise ausgeteilt hatte, stand deshalb wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Neumarkt.

Am 1. Januar dieses Jahres zwischen 3 und 4 Uhr war es vor einer Diskothek in Neumarkt zu einer Auseinandersetzung zwischen angetrunkenen jungen Leute gekommen. Was genau sich zugetragen hatte, ließ sich aufgrund des Zustands der Beteiligten nicht mehr genau rekonstruieren, spielte aber auch keine große Rolle. Eine junge Frau war jedenfalls mittendrin und deshalb versuchte ihre Freundin, schlichtend einzugreifen.

Das bekam ihr nicht gut. Der Hieb auf die Stirn hinterließ eine Beule und einen blauen Flecken, und weil sie hinfiel, schlug sie sich auch den Ellbogen auf. Auch der Täter wurde vom eigenen Rückschlag überrascht und setzte sich auf den Hosenboden.

Überrascht war er tags darauf auch über sich selbst, denn er sei eigentlich nicht der Typ, der zuschlägt. Er sei noch nie so neben sich gestanden wie an diesem Tag. Deshalb ging er ins Klinikum und ließ sich auf K.O.-Tropfen oder ähnliches untersuchen, was ihm eventuell ins Glas getan worden sei.

Aber außer Alkohol fand sich nichts im Blut. Zur Tatzeit hatte er zwei Promille. "Ins Glas wurde nichts rein getan, aber in den Kerl", rekapitulierte Amtsrichter Rainer Würth lakonisch. Der Angeklagte vermittelte glaubhaft, dass ihm dieser Vorfall sehr leid tue. Schon am Tag nach der Tat hatte er sich über Facebook bei der jungen Frau entschuldigt und im Gerichtssaal wiederholte er die Worte mit Handschlag. Die 21-Jährige nahm die Entschuldigung an.

Verschwommene Erinnerung

Schon vor der Verhandlung hatte der junge Mann, obwohl er sich an Einzelheiten dieser Nacht nur noch verschwommen erinnert, gezeigt, dass er schuldeinsichtig ist. Er erklärte sich bereit, 800 Euro zu zahlen, die als Schmerzensgeld und für die Kosten der Nebenklage gedacht sind.

Im Gegenzug hatte sich die junge Frau bereit erklärt, auf weitere Wiedergutmachung zu verzichten, und sie zeigte auch kein gesteigertes Interesse an einer Strafverfolgung. Angesichts der bisher reinen Weste des jungen Mannes und der glaubhaften Schuldeinsicht plädierte Staatsanwalt Dominic Pyka auf eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 50 Euro für den gelernten Elektroniker.

Dem schloss sich der Vertreter der Nebenklage, Jürgen Loichinger, an. Verteidiger Christopher Lihl betonte, das sein Mandant sichtlich geknickt sei und bat um eine milde Strafe. Richter Rainer Würth hielt sich an den Vorschlag der Staatsanwaltschaft. Die 3000 Euro Geldstrafe können in Raten von 500 Euro gezahlt werden. Im polizeilichen Führungszeugnis taucht diese Strafe nicht auf.

Der Richter lobte die Nebenklägerin zwar für ihren Mut dazwischen zu gehen, riet ihr aber, das nächste Mal genauer hinzusehen und im Zweifelsfall die Polizei zu rufen.

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