Tiefe Verneigung vor Lebenswerk Hans Bradls

6.9.2016, 10:45 Uhr
Unüberschaubar war die Zahl der Gottesdienstbesucher beim Requiem in St. Elisabeth: Postbauer-Hengs Pfarrer Markus Fiedler zelebrierte es mit Dekan Monsignore Richard Distler und Ruhestands-Pfarrer Alfred Hausner.

Unüberschaubar war die Zahl der Gottesdienstbesucher beim Requiem in St. Elisabeth: Postbauer-Hengs Pfarrer Markus Fiedler zelebrierte es mit Dekan Monsignore Richard Distler und Ruhestands-Pfarrer Alfred Hausner. © Foto: Fellner

„Wir müssen Abschied nehmen von Hans Bradl, einer Persönlichkeit, deren Name wie wohl kein anderer steht für unsere Marktgemeinde Postbauer-Heng und darüber hinaus“, sagte sein Nachfolger im Amt, Bürgermeister Horst Kratzer. Es sei der Wunsch des im Alter von 74 Jahren Verstorbenen gewesen, dass keine langen und überschwänglichen Reden gehalten würden; daran hielt sich Kratzer, der am Ende auch persönlich wurde: Er spreche nicht nur als der Nachfolger, „sondern auch als Neffe und Mitglied seiner großen Familie, die heute von ihm Abschied nehmen muss“.

Hans Bradl, sagte Kratzer, sei der Motor, Baumeister und vor allem die kreative Persönlichkeit gewesen, die Postbauer-Heng zu dem gemacht hat, wie es seine Bürger heute „schätzen, kennen und leben dürfen“. 37 Jahre sei Bradl Bürgermeister in Postbauer-Heng gewesen, bis zuletzt habe sein Einsatz der Heimatgemeinde gegolten. „Mit Mut, Weitsicht, Ehrgeiz und seiner allseits bekannten Vehemenz“ habe Bradl seine Pläne und Ziele umgesetzt.

Ein „großes, florierendes Gemeindezentrum auf der viel beschriebenen grünen Wiese zwischen Postbauer, Heng und Kemnath zu errichten, das wir, über 40 Jahre danach, ohne Übertreibung als sein Lebenswerk beschreiben können“, das wäre Bradls Ziel gewesen; er habe es erreicht.

Die Erhebung zur Marktgemeinde im September 2005 sei sicher für ihn auch eine hohe persönliche Würdigung gewesen, sagte Kratzer: „Ich weiß noch genau, wie ihm damals Günter Beckstein die Urkunde überreichte, er sie in den Händen hielt und sagte: Das ist jetzt wie ein goldener Meisterbrief – den es ja als solchen für Bürgermeister nicht gibt.“

Am 4. April 1971, vor 45 Jahren, war Hans Bradl erstmals zum Bürgermeister gewählt worden, danach acht Mal im Amt bestätigt, und er hat in dieser Zeit in der Gemeinde, im Landkreis, Bezirk und darüber hinaus viele Auszeichnungen erhalten; unter anderem den Ehrenring der österreichischen Paten-Gemeinde St. Ulrich bei Steyr, deren Bürgermeisterin Annemarie Wolfsjäger zur Beerdigung nach Postbauer-Heng kam.

Angeführt von der Blaskapelle Dirnhofer aus Stauf und geleitet von den zahlreichen Fahnenabordnungen der Vereine der Gemeinde bewegte sich der große Trauerzug über den Friedhof in Heng.

Angeführt von der Blaskapelle Dirnhofer aus Stauf und geleitet von den zahlreichen Fahnenabordnungen der Vereine der Gemeinde bewegte sich der große Trauerzug über den Friedhof in Heng. © Foto: Fellner

Tradition und Fortschritt – diesen Spagat habe Bradl meisterlich gekonnt. In die Postbauer-Henger Ortschronik habe er 2011 nochmals all sein Wissen, seine Erfahrungen und in gewisser Weise auch seine ganz persönliche Denkweise und Betrachtung hinein gelegt. Kratzer: „Heute, an diesem Tag, sehe ich sie auch ein wenig als seinen persönlichen Rückblick.“

„Wir haben einen geschätzten und geachteten Menschen verloren“, sagte Landrat Willibald Gailler. Bradl sei von 1972 bis 2014 Kreisrat gewesen und habe dem Landkreis Neumarkt seinen Stempel aufgedrückt in diesen 42 Jahren, ob als Mitglied des Krankenhaus-Ausschusses, der das Klinikum in Neumarkt für die Herausforderungen der Zukunft fit machte, oder im Wirtschafts- und Umweltausschuss, der die Weichen für die Müllentsorgung im Kreis stellte. Hans Bradl habe in schweren Situationen Verantwortung übernommen, mit Einsatz und viel Leidenschaft gekämpft, „davon profitiert haben viele“.

„Hans Bradl hat nie gefragt, was der Staat für ihn manchen kann, sondern immer, was er für den Staat machen kann“, sagte Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Der Verstorbene habe Außergewöhnliches für die Menschen in der Oberpfalz geleistet, sagte er: Er schaffte es, dass Bad Kötzting Kneipp-Heilbad wurde, sorgte für Inklusion im Kindergartenbereich, als noch keiner wusste, was Inklusion ist; stampfte das Sybillenbad in Neualbenreuth mit aus dem Boden und positionierte die Oberpfalz nach dem Fall des eisernen Vorhanges neu in Europa, baute Brücken nach Tschechien. Er verzahnte die Uni Regensburg mit den Bezirkskliniken, eine Kooperation, die heute viele Früchte trägt.

Als Vater der Gemeinde Postbauer-Heng würdigte MdB Alois Karl, der auch für die CSU sprach, den Verstorbenen. Dieser habe, „ohne Abitur, ohne Studium“, seinen Weg gemacht und für seine Heimat und seine Heimatgemeinde gekämpft. Dabei habe er Großartiges geschaffen.

Postbauer-Hengs Pfarrer Markus Fiedler feierte das Requiem in der übervollen Kirche St. Elisabeth in Konzelebration mit Dekan Monsignore Richard Distler und dem früheren Pfarrer der Gemeinde, Alfred Hausner. Den Ansprachen nach dem Requiem folgten noch ehrende Worte am Friedhof: Die Vereine der Gemeinde verabschiedeten sich mit lobenden Worten, der Jagdschutzverein Hubertus, dessen Vorsitzender Hans Bradl seit der Gründung bis zu seinem Tod war, war mit den Jagdhornbläsern gekommen, die am offenen Grabe zum letzten Hallali bliesen.

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