Tödliches Höhlen-Unglück: Kollegen kämpften stundenlang um Leben von Taucher

7.2.2021, 15:29 Uhr

Die Stelle hat ihre Gefahren. Die Sicht in der sechs Meter langen Engstelle, die teils nur 40 Zentimeter hoch ist, ist schlecht. Der Taucher und seine Kollegen wussten das. "Alle kennen die Strecke aus dem FF", sagt Christian Schöffel. Er ist Sprecher der Karstgruppe Mühlbach, einem Verein, der das Höhlensystem in der Oberpfalz erforscht. Am Samstagabend verlor er einen seiner Kollegen, der wohl bei einem Unfall in den Tiefen der Unterwassergänge starb.

Der 57-Jährige war gemeinsam mit drei anderen Tauchern auf dem Rückweg von einem Erkundungseinsatz. Doch plötzlich tauchte der Mann nicht mehr auf. Er konnte nur noch tot geborgen werden.

Was in dem Höhlensystem geschah, ist noch unklar. Der Verunglückte sei seit gut zehn Jahren aktives Mitglied gewesen und galt als erfahrener Taucher, sagt Schöffel. Der 57-Jährige war Teil eines Teams, das die Wege des Wassers im Karst untersucht. Dabei arbeiten die Experten mit sogenannten Tracer-Stoffen, einer Art Farbstoff, der die Bewegungen sichtbar macht.

"Voraustauchenden haben Schlamm aufgewühlt"

Der Unfall - zumindest geht auch die Kriminalpolizei, die die Ermittlungen leitet von einem aus - geschah auf dem Rückweg. Der 57-Jährige tauchte als letzter einer Vierergruppe durch die Engstelle. "Dieser Abschnitt heißt aus gutem Grund Maulwurfs-Siphon, man hat dort keine Sicht, außerdem haben die Voraustauchenden Schlamm aufgewühlt", erklärt der Vereinssprecher.

Beim Tauchen durch die Sechs-Meter-Passage benutzen die Forscher Druckluftflaschen und Masken. Dabei erlitt der Mann wohl einen Herzstillstand, davon gehen die Ermittler derzeit aus - doch warum, das ist noch völlig unklar. Man könne nur spekulieren, sagt Vereinssprecher Schöffel. Sicher sei, dass nicht etwa ein Sturz die Unfallursache gewesen sein kann.

200 Retter im Einsatz

Die anderen Taucher bemerkten schnell, dass der 57-Jährige fehlt - und leitete eine Rettungsaktion an. Sie fanden ihn leblos. Die Forscher begannen sofort mit einer Beatmung und der Herzmassage, ein dritter eilte zum Ausgang, um die Retter zu alarmieren. Ein Großaufgebot von rund 200 Kräften rückte an. Fast viereinhalb Stunden lang kämpften sie um das Leben des Mannes - vergeblich. Er starb gegen 20.30 Uhr am Samstag.

Die Mühlbachquellhöhle ist über zehn Kilometer lang und gehört zu den zehn längsten Systemen in Deutschland. Sie liegt in der Fränkischen Alb in der Oberpfalz, in der Höhle entspringt der Mühlbach, eine der größten Karstquellen Nordbayerns. Für die Allgemeinheit ist die Höhle mit den vielen Unterwasser-Abschnitten nicht zugänglich.