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Tödliches Unglück in Oberpfälzer Höhle: Erkundung war "reine Routine"

Die Mühlbachquellhöhle, in der ein Taucher verunglückte, wird erst seit 20 Jahren untersucht - 08.02.2021 17:09 Uhr

Die Mühlbachquellhöhle zählt zu einem der längsten Systeme Deutschlands.

07.02.2021 © privat


Das Jahrhundert-Hochwasser von 1909 ließ Nürnberg in den Fluten der Pegnitz versinken. Doch auch andere Orte in ganz Bayern waren betroffen, wie etwa Mühlbach im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz.

In dem Ortsteil der Stadt Dietfurth kam es aber zu einer Besonderheit. Die Wassermassen sammelten sich auf einer Hochfläche zu einem großen See.

Sturzflut aus dem Hang

Als der Boden nach ein paar Tagen getaut war, floss das Wasser komplett in den Untergrund ab. Kurz danach brach an einem Hang der größte Teil dieser Wassermenge hervor.

Diese historisch belegte Tatsache brachte die Experten auf die Spur der Mühlbachquellhöhle, in der am Samstag ein Forscher tödlich verunglückte.

Andernorts in Deutschland und Europa ist eine solche Flusshöhle im Karst nichts besonderes, sagt Christian Schöffel als Sprecher des Vereins Karstgruppe Mühlbach.

Aber in der Fränkischen Alp „gab es so etwas nicht“, bis nach den Sondierungen Ende der 1990er Jahre schließlich ein Stollen gegraben und Anfang 2001 die Höhle geöffnet werden konnte, die mit 9273 Metern als sechstlängste Deutschlands gelistet ist.

Kein Massentourismus

Offen steht sie seither den rund 60 Mitgliedern der Karstgruppe Mühlbach zu Forschungszwecken sowie anderen Experten, die über ein spezielles Fachwissen verfügen und als „Gäste“ mit in die Höhle genommen werden, so Schöffel.

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Einsatzkräfte bergen toten Forscher aus Oberpfälzer Höhle

Rund 200 Einsatzkräfte waren am Mühlbachquellsystem bei Dietfurt im Einsatz, nachdem ein 58-Jähriger in einer der Höhlen verunglückt war. Gemeinsam mit drei Forscherkollegen war er auf Erkundungstour gewesen. Er konnte nur noch tot geborgen werden, die anderen drei Personen blieben unversehrt.


Alles andere sei auch nicht sinnvoll, schließlich ist die Erkundung des Höhlensystems, dass sich in einen Ost- und einen Nordgang teilt, der wiederum eine Verzweigung Richtung Nordosten und Nordwesten aufweist, anspruchsvoll.

Das Wasser ist sechs Grad kalt und an einer Stelle müssen sieben Siphons hintereinander durchtaucht werden. „Das machen auch von unserem Verein nur noch zehn Leute“, so Schöffel.

Mühlbachquellhöhle: Erster Unfall seit 20 Jahren

Dennoch ist bis zu dem Unglück nie etwas passiert und auch bei dem Vorstoß der beiden Zweierteams am Samstag hätte niemand im Verein mit einem tragischen Verlauf gerechnet.

Für Ende Februar sind Messungen geplant, um mit Farbstoffen die Verläufe der drei Zuläufe zum Mühlbach im Karst sichtbar zu machen und so ein genaueres Bild über die Wasserverläufe zu bekommen.

Die Messgeräte mit begrenzten Batterie- und Speicherkapazitäten mussten zeitnah überprüft werden, weshalb die Männer unterwegs waren. Es war eine „reine Routinebefahrung“, so Schöffel.

Über acht Kilometer der Mühlbachquellhöhle sind bislang vermessen, auch in Zukunft wird an einem kompletten und detaillierten Höhlenplan gearbeitet werden, so Schöffel.

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