Umbau bei Max Bögl: Unternehmen dementiert größeren Stellenabbau

29.11.2020, 18:42 Uhr
Max Bögl rechnet sich mit Produkten für die Mobilität der Zukunft (hier die Magnetbahn) gute Chancen aus, was „personelle Maßnahmen“ nicht ausschließt.

© Foto: Wolfgang Fellner Max Bögl rechnet sich mit Produkten für die Mobilität der Zukunft (hier die Magnetbahn) gute Chancen aus, was „personelle Maßnahmen“ nicht ausschließt.

NN-Informationen zufolge sprechen Belegschaftsmitglieder von einer angeblichen Stellenreduzierung von 600 bis 650 Personen. Insider berichten von betriebsbedingten Kündigungen vor allem im Bereich der Bögl-Verwaltung. "Die schmeißen viele Leute raus, das ist nicht in Ordnung", sagte ein Mitarbeiter im NN-Gespräch.

Hoher Auftragsbestand

Die offizielle Reaktion des Unternehmens auf eine Anfrage der Neumarkter Nachrichten ist – wie schon im Herbst – zwiespältig. Firmensprecher Jürgen Kotzbauer widersprach per Mail "entschieden", dass die "Firmengruppe Max Bögl einen größeren Stellenabbau der Belegschaft plant oder durchführt".

Diese Darstellung des Unternehmens ist insofern plausibel, als Max Bögl nach eigener Aussage einen "hohen Auftragsbestand" habe und erfolgreich auf "Megatrends" setze: Urbanisierung (modulare Wohnbauten), Mobilität (Magnetschwebebahn), Energie (Windkraft) und Digitalisierung. Die Aussicht auf lukrative Großaufträge in Millionenhöhe von Top-Adressen wie Tesla, Zalando, Amazon und Siemens wirft bei Bögl-Mitarbeitern allerdings die Frage auf, wie das Unternehmen mit einer, angeblich schrumpfenden Belegschaft diese Order abarbeiten will.


Erste Bögl-Teile aus der Oberpfalz in Tesla-Gigafactory angekommen


Sprecher Kotzbauer weist selbst darauf hin, dass die Firmengruppe vor allem "gewerbliche Fachkräfte" auch für die "Projektorganisation" sucht. Einerseits.

"Schrumpfende Märkte"

Andererseits zeichnet der Bögl-Kommunikationschef trotz des anhaltenden Baubooms im Inland ein düsteres Bild der Zukunft: Wegen der "weltweit großen Unsicherheiten" und wegen Corona müsse sich das Unternehmen auf "zeitversetzt schrumpfende Märkte und einen härteren Wettbewerb" einstellen, schreibt Jürgen Kotzbauer in einer Mail an die NN. Deshalb würden "Strukturen überprüft" und "Anpassungen" vorgenommen. Und Letztere würden "gezwungenermaßen leider auch mit personellen Maßnahmen verbunden sein".

Jürgen Kotzbauer benennt das Maßnahmenbündel: die übliche Fluktuation, Befristungen, interne Stellenwechsel, Renteneintritte und "andere sozialverträgliche Möglichkeiten". Die NN-Rückfrage nach der Zahl der betroffenen Stellen und Abteilungen blieb allerdings unbeantwortet.

"Interne Dinge"

Inwieweit schaltet sich die Industriegewerkschaft BAU in diesen Stellenabbau ein? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Ehren- und hauptamtliche Gewerkschafter haben sich offenbar so etwas wie ein Schweigegebot auferlegt oder sie haben tatsächlich keine Informationen über "intere Dinge" bei Bögl.

IG BAU-Regionalleiter Karl Bauer reagierte nicht auf eine wiederholte NN-Anfrage. Eine Gewerkschaftsmitarbeiterin verwies an die "Pressestelle" des Unternehmens. Und ein anderer verantwortlicher Arbeitnehmervertreter begründete sein Schweigen mit der Vermutung: "Wenn ich da was sage, dann überzieht man mich mit Prozessen, dass ich mich nicht mehr auskenne."

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