Mittwoch, 26.02.2020

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Umweltaktivistin Vandana Shiva sprach in Neumarkt

Vortrag in der Jurahalle: Sie leistet Widerstand gegen Monsanto und Co. - 22.01.2020 16:16 Uhr

Der Vortrag von Vandana Shiva lockte hunderte von Menschen an, nicht nur aus Neumarkt, sondern auch von weiter her. Die Kleine Jurahalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Am Eingang hatten sich sogar Schlangen gebildet, so dass die Veranstalter die Kontrolle der Anmeldungen bald aufgaben und alle einließen.


Elf Großveranstaltungen in fünf Tagen absolvierte Shiva auf ihrer Deutschlandtour, unter anderem in Berlin und Hamburg, Neumarkt war als "Hauptstadt des Fairen Handels" die letzte Station, bevor sie in die USA weiterreiste. Die Stadt Neumarkt, so ließ Oberbürgermeister Thomas Thumann in seinem Grußwort verlauten, revanchierte sich mit 1000 Euro für die Stiftung von Vandana Shiva. Auch das Publikum im Saal spendete fleißig.

Shiva gratulierte Neumarkt zu dem Fair-Trade-Titel. Sie betonte das Recht eines jeden auf Essen und auf Leben und kritisierte den unfairen Handel durch die großen Unternehmen, insbesondere Monsanto, eine US-Tochterfirma des deutschen Chemiekonzerns Bayer, größter Saatguthersteller der Welt und Marktführer bei gentechnisch veränderten Pflanzen.

Kritik am "Gift-Kartell"

Mit ihrem Vortrag in englischer Sprache wusste Vandana Shiva die Zuhörer zu begeistern. Immer wieder gab es Zwischenapplaus. © Foto: Fritz Etzold


Durch die Patentierung von Saaten würden Unternehmen wie Monsanto versuchen, unser Essen zu kontrollieren und mehr Geld zu verdienen. Shiva sprach in diesem Zusammenhang von einen "Gift-Kartell" der großen Chemiekonzerne: "Diese Menschen bringen uns nur Gift. Ihr seid nicht die Eigentümer der Saaten", rief sie in den Saal und erntete Applaus.

Das Saatgut sei immer in den Händen der Bauern gewesen. Indien habe für Jahrhunderte Saaten weiterentwickelt. Das natürliche Saatgut produziere mehr Essen. Der ursprüngliche Samen sei mehr wert als das gentechnisch veränderte Saatgut der Konzerne, das den Menschen, dem Klima und den Bienen schade. Es sei nicht richtig, dass Firmen wie Monsanto nun den Bauern verbieten wollen, ihr eigenes Saatgut zu entwickeln, und sie dazu zwingen, das minderwertige Saatgut zu kaufen. Monsanto habe die Saaten von den Bauern "gestohlen" und deshalb kein Recht, die Landwirte zu "kriminalisieren".

Hubert Weiger, Hubert Heigl und Johannes Ehrnsperger (v.li.) saßen mit Vandana Shiva und deren Dolmetscherin auf dem Podium, Bernward Geier moderierte. © Foto: Fritz Etzold


Shiva hält zivilen Ungehorsam gegen die "Monsanto-Gesetze" für geboten: "Es gibt ein höheres Gesetz, das Gesetz des Lebens und der Natur. Es ist unsere Pflicht, ungerechten Gesetzen nicht Folge zu leisten, wenn sie die Natur zerstören." Die natürliche Beziehung zwischen den Bienen, den Saaten und den Landwirten müsse erhalten bleiben.

Artenvielfalt bewahren

Um die Saaten zu schützen, hat sie in Indien eine Bewegung ins Leben gerufen und einen landwirtschaftlichen Betrieb gegründet, mit dem Ziel die große Artenvielfalt der Saaten zu sammeln und zu bewahren. In zwei Saatgutbanken werden insgesamt 1950 Reissorten gehütet und im ganzen Land an die Landwirte verteilt. Die Pflanzen dürfen ohne Pestizide wachsen. Gemeinsam mit dem indischen Gesetzgeber habe sie erreicht, dass es in ihrer Heimat keine Patente mehr auf Pflanzen, Tiere und Saaten geben darf.

Auch im Ausland kämpft Shiva erfolgreich gegen diese Patente. Regelmäßig sei sie Gast im Europäischen Patentamt in München und habe Monsanto auch vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag geführt.

"Jeder kann etwas tun", rief sie die Zuhörer in Neumarkt zum Handeln auf. "Wir haben die Wahl zwischen ökologisch erzeugten Lebensmitteln oder Junkfood." Es gelte alternative Systeme zu schaffen und die ökologische Landwirtschaft zu stärken.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sprach sich Lammsbräu-Chef Johannes Ehrnsperger ebenfalls für die Ernährungssouveränität der Landwirte aus. Damit gebe es auch hier Probleme. Die Verbraucher wüssten oft nicht, was in den Lebensmitteln enthalten ist. "Wir bei der Lammsbräu wissen, wo unsere Rohstoffe herkommen und wer unsere Bauern sind", sagte Ehrnsperger. Gute Lebensmittel könnten nur aus guten Böden kommen. Deshalb habe die Lammsbräu schon vor Jahrzehnten auf die ökologische Landwirtschaft gesetzt.

Bio-Landwirt Hubert Heigl, Präsident des Verbands Naturland, blickte auf die aktuellen Proteste der Bauern, die Dialog und mehr Wertschätzung fordern. Allerdings sei ein Umsteuern hin zu einer ökologischen Agrarpolitik nötig, die Umwelt, Tiere und Menschen schützt.

Indien als "Leuchtturmland"

"Wir haben nur dann eine Chance auf eine Zukunft die Hoffnung gibt, wenn wir uns einmischen und unser Essen bewusster einkaufen", sagte Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern. Die Deutschen seien Weltmeister im Billigeinkauf. "Discounter wie Aldi machen auch bio billig, weil sie gnadenlosen Preisdruck auf die ökologischen Landwirte ausüben." Er bezeichnete es als Pflicht, den Kampf aufzunehmen gegen Unternehmen, die nur an kurzfristigen Gewinnen und nicht an einer nachhaltigen Entwicklung interessiert seien. Indien bezeichnete Weiger als "Leuchtturmland". Was Vandana Shiva geleistet hat, müsse auch uns Mut zum Handeln machen.

Neumarkt könnte doch ein Zentrum der ökologischen Revolution werden, schlug Shiva vor. Die Stadt könnte zum Beispiel die Essensversorgung in Kitas und Schulen auf öko umstellen. "In Indien stellen Millionen Bauern auf bio um. Lasst uns von Indien lernen", lautete auch der abschließende Appell von Bernward Geier, Umweltaktivist, Journalist und Filmemacher, der die Veranstaltung moderierte.

Es folgte eine kurze Fragerunde. "Wir müssen an den Wandel glauben, dann können wir eine pestizidfreie Welt schaffen", sagte einer der Zuhörer.

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