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Von der Oberpfalz nach Berlin: Kommt eine Bögl-Schwebebahn für den Flughafen BER?

Vom Baggersee an die Spree: CDU bringt ÖPNV-Lösung ins Gespräch - 16.07.2020 17:12 Uhr

Die Berliner CDU setzt sich für eine Magnetschwebebahn in der Bundeshauptstadt ein. Sie soll den Hauptstadtflughafen BER, der sicherlich irgendwann öffnet, oder neue Wohngebiete an die Innenstadt anbinden.

© Foto: Wolfgang Fellner


Autos, Busse, Bahnen, E-Tretroller und vieles mehr. In Berlin gibt es viele verschiedene Verkehrsmittel, eines allerdings nicht mehr: eine Magnetschwebebahn. Das möchten die Berliner Christdemokraten ändern. "Wir wollen dafür sorgen, dass das umweltfreundliche und leise Verkehrssystem bei Erweiterungen des ÖPNV-Netzes zum Zuge kommt – beispielsweise bei der weiteren Erschließung des BER oder der Erschließung neuer Wohngebiete", heißt es laut Berliner Kurier in einem Beschluss des CDU-Landesvorstands.

Damit solle Berlin zu einem "Vorreiter moderner urbaner Mobilität" werden, zitiert der Kurier Kai Wegner, Landesvorsitzender und Bundestagsabgeordneter. "Schluss mit rot-rot-grünem Stillstand. Die CDU will Berlin wieder in Bewegung bringen. Meine Idee: eine Hochbahn mit Magnetschwebetechnologie. Das wird ein Leuchtturm in Berlin: nahezu geräuschlos und sehr umweltfreundlich."


Neumarkter Schwebebahn von Bögl geht in China in Betrieb


Eine Magnetschwebebahn für Berlin: Neu ist die Idee nicht, heißt es im Kurier. 1984 begann der Probebetrieb auf der M-Bahn zwischen Gleisdreieck und Kemperplatz. 1988 fuhr allerdings ein Testzug über das Ziel hinaus, die spektakulären Unfallbilder von der in der Luft hängenden Bahn sorgten für hämische Kommentare. Von 1989 an durften Fahrgäste mitfahren, bis zwei Jahre später der Wiederaufbau eines beim Mauerbau unterbrochenen Abschnitts der U-Bahn den Abbau erzwang.

Pläne in den 90ern: Transrapid von Berlin nach Hamburg

In den 1990er-Jahre begannen sogar Planungen für die Magnetschnellbahn Transrapid, die Berlin und Hamburg verbinden sollte. 2000 kam aber auch für dieses Projekt das Aus, weil die erwarteten Kosten immer weiter gestiegen waren und der Ausbau der bestehenden Bahnstrecke wirtschaftlicher war.

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Bögl und der Transrapid

Eine energieeffiziente Technik: Die Idee vom Transrapid, von der Magnetschwebebahn beflügelte Städteplaner in der ganzen Welt. Max Bögl hat unter anderem in China mitgewirkt an Transrapid-Strecken. Jetzt hat die Berliner CSU die Bahn als Möglichkeit für die Hauptstadt ins Gespräch gebracht, auch in München wird ein Einsatz geprüft.


2016 schlug der Oberpfälzer Baukonzern Max Bögl laut Kurier vor, den künftigen Schönefelder Flughafen BER und den U-Bahnhof Rudow mit einer Magnetschwebebahn zu verbinden. Auch für Strecken in und nach München wurde das "Transport System Bögl" diskutiert. Eine solche Bahn tauchte nun auf der Visualisierung auf, die von der Berliner CDU verbreitet wurde, schreibt der Kurier. Auf diesem Bild ist das fahrerlose, automatische Personentransportsystem in der deutschen Hauptstadt unterwegs. Die Trasse verläuft auf dem Mittelstreifen der Stadtautobahn, die Berliner Morgenpost zeigt es im Internet.


Schwebt die Bögl-Bahn bald am Münchener Flughafen?


In Sengenthal sieht man das entspannt – und zurückhaltend: Die Berliner CDU habe innovative Verkehrskonzepte wie den TSB zur Anbindung des Berliners Flughafens ins Spiel gebracht. Aber, analysiert man genau: In ihrer Veröffentlichung beziehe sich die CDU lediglich auf das Potential, das ein Nahverkehrssystem wie das TSB für den Einsatz in Berlin hätte. Mehr auch nicht.

Im Februar habe das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur eine Machtbarkeitsstudie für den Einsatz des TSB am Münchner Flughafens bestellt. Darüber hinaus sei man "weltweit und natürlich auch in Deutschland in Gesprächen zu geeigneten Einsatzmöglichkeiten des Transport System Bögl".

Prototyp über die Seidenstraße nach China

In Chengdu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan, soll das Personennahverkehrssystem ab Sommer auf einer 3,5 Kilometer langen Demonstrationsstrecke seine Alltagstauglichkeit beweisen. Dafür wurden ein Prototyp des TSB und Schienenteile über die Seidenstraße nach China geschickt. Dieser Tage folgte das erste serienreife Fahrzeug; von Sengenthal aus ging es per Lkw zum Flughafen München. Von dort brachte es eine Antonov 124-100 ins über 7500 Kilometer entfernte Chengdu, wo Bögl mit der Baufirma Xinzhu kooperiert.

Mit maximal 150 Kilometern pro Stunde sollen Reisende mit dem TSB fünf bis 50 Kilometer weit gebracht werden. 127 Passagiere finden in einer Zugeinheit Platz, bis zu sechs Einheiten lassen sich koppeln.

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Als der Transrapid nach Sengenthal rollte

Am 30. Mai 2008 kam Bewegung in die Schar Schaulustiger vor dem Tor 3 des Sengenthaler Baukonzerns Max Bögl: Am Horizont tauchte, von der Polizei eskortiert, endlich der Transrapid auf.


Und dann gibt es da noch die Studie des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen zur Reaktivierung still gelegter Bahnstrecken. Darin findet sich auch die Bahnverbindung von Neumarkt nach Beilngries, die es schon einmal gab, einschließlich einer Weiterführung der Strecke nach Kinding.


Schwebebahn gleitet am Baggersee in Greißelbach entlang


Die alte Bahntrasse gibt es zum Teil noch, Bögl bringt über sie und seine Werksbahn seine Produkte an den Kunden. Weiter unten im Sulztal wird es aber eng für eine Eisenbahn. Das auf Stelzen fahrende TSB würde aber wohl noch seinen Platz neben der B 299 finden. Und könnte mit Strom aus regenerativen Energien, den es im Raum Sengenthal und Berching mehr als genug gibt, nachhaltig betrieben werden. Mit der Schwebebahn durchs Sulz- und Altmühltal: Ein Alleinstellungsmerkmal, das seinesgleichen suchen würde.

Das TSB würde auch noch einen Platz neben der B 299 finden.


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