Sonntag, 11.04.2021

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Wer verhilft der Neumarkterin Lisa Müller zum vierbeinigen Therapeuten?

Junge Frau wegen gesundheitlicher Probleme stark eingeschränkt - Ein Assistenzhund könnte helfen - 04.02.2021 13:32 Uhr

Zwei Jahre saß Lisa Müller nach einer missglückten Operation im Rollstuhl, jetzt kann sie dank einer Hightech-Orthese wieder gehen.

02.02.2021 © Foto: Günter Distler


Doch dessen Ausbildung wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. Der eine oder andere Neumarkter kennt Lisa Müller vielleicht noch aus ihrer Zeit als Physiotherapeutin. "Damals habe ich anderen Menschen geholfen, jetzt benötige ich selbst Hilfe", schreibt die 30-Jährige an die Redaktion der Neumarkter Nachrichten.

Im Jahr 2015 wurde ihr Leben aus der Bahn geworfen. Bei einer Routineoperation wurde ihr Ischiasnerv beschädigt. Dadurch landete sie von einem auf den anderen Moment im Rollstuhl und in der vollen Erwerbsminderungsrente. Mittlerweile kann sie dank einer computergesteuerten Hightech-Orthese zumindest wieder gehen.

Mehrere schwere Traumata

Die körperliche Erkrankung ist das eine, aber leider nicht das einzige Leiden, mit dem sie zu kämpfen hat. Ich leide zusätzlich seit einigen Jahren unter einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), bedingt durch mehrere schwere Traumata, die sie erlitten hat.

"Die Belastungsstörung schränkt mich extrem in meinem Leben ein und begleitet mich tagtäglich. Für Außenstehende vermeintlich einfachste Dinge werden für mich dadurch zu einer sehr großen Herausforderung", bekennt Müller.

Alpträume und Schlafstörungen

Bei einer PTBS drängen sich die Bilder und Erinnerungen an die Traumata immer wieder in Form von Flashbacks (Rückblenden) auf. Auch Alpträume und Schlafstörungen gehören dazu. Zusätzlich leidet Müller an einer erhöhten Schreckhaftigkeit und sogenannten Dissoziationen.

 

"Letzteres hat zur Folge, dass ich häufig apathisch neben mir stehe, zeitweise bewegungsunfähig und orientierungslos bin", beschreibt die junge Frau die Symptome. Das alles macht ihr die Teilnahme am Leben sehr schwer, da sie durch die erlebten Traumata auch in Situationen wie Einkaufen gehen oder bei Arztbesuchen sehr angespannt ist und zu Dissoziationen neigt.

Hilfreicher Hund für die junge Neumarkterin

Aufgrund ihrer komplexen PTBS raten ihr Psychologe und ihre Ärzte dringend zu einem PTBS-Assistenzhund, der sie im Alltag unterstützt und ihr die Teilnahme am Leben wieder ermöglicht. Ein PTBS-Assistenzhund kann Menschen, die durch belastende Ereignisse traumatisiert sind, eine große Hilfe sein.

Neben der allgemein positiven Wirkung auf die Psyche, lernt so ein speziell ausgebildeter Hund, verschiedene Assistenzaufgaben auszuführen. Er erkennt beispielsweise frühzeitig Dissoziationen und zeigt diese an.

Er bietet große Sicherheit im Alltag und kann beispielsweise beim Einkaufen seinen Assistenznehmer nach hinten absichern, damit kein Fremder zu nahe herankommt und es nicht unnötig zum Erschrecken kommt. Aber auch Aufgaben wie eine Bank zum Sitzen finden oder Gegenstände aufheben sind weitere Beispiele für Assistenzleistungen.

Labrador oder Golden Retriever geeignet

Der Hund von Lisa Müller soll von der Hundetrainerin Claudia Ganzenmüller in Möttingen (Landkreis Donau-Ries) ausgebildet werden. Diese hat ein ausführliches Konzept für die Ausbildung ausgearbeitet. Um die anspruchsvolle Aufgabe eines PTBS-Assistenzhundes zu erfüllen, empfiehlt Ganzenmüller einen im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) gezogenen Labrador oder auch Golden Retriever.

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Ein ausgeglichenes Temperament und großes Selbstbewusstsein seien wichtig, um für ihn belastende Situationen zu kompensieren, ebenso eine hohe Toleranz gegenüber optischen und akustischen Reizen. Er muss rassetypisch einen großen "will to please" mitbringen, aber auch bereit sein, zielgerichtet Aufgaben zu verfolgen.

Aggressionsfrei und freundlich muss der Assitenzhund sein

Eine hohe Frustrationstoleranz sei ebenso wichtig wie Freude an seiner Aufgabe. Selbstverständlich muss der Hund aggressionsfrei, freundlich und leicht zu motivieren sein.


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Durch seine körperliche Präsenz (Rüden haben ausgewachsen ein Gewicht von bis zu 40 Kilogramm) werde ein Labrador oder Golden Retriever als Hund von der Umwelt dennoch ernst genommen.

Teamtraining im neuen Zuhause

Zuerst muss ein geeigneter Hund gefunden werden, dann wird der Assistenznehmer im Umgang mit dem Hund theoretisch ausgebildet. Es folgen Grund-, Spezial- und Teamtraining des Hundes, während dieser noch bei der Trainerin lebt, und schließlich das Teamtraining im neuen Zuhause.

"Die Ausbildung eines solchen Hundes ist mit circa 10 000 bis 15 000 Euro sehr kostspielig und wird leider nicht von der Krankenkasse übernommen, deshalb bin ich auf Spenden angewiesen", sagt Lisa Müller.

Wer Lisa Müller finanziell unterstützen will, der kann seine Spende auf folgende Kontonummer überweisen:

Raiffeisenbank Neumarkt, IBAN: DE03 7606 9553 0001 9024 15.

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CHRISTINE ANNESER

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