Werner Frosch entdeckte in Kopenhagen die Liebe fürs Design

27.2.2015, 11:23 Uhr
Werner Frosch möchte der Ästhetik mehr Platz einräumen. Während seines zehnjährigen Aufenthalts in Kopenhagen hat er die Skandinavier als „behagliches“ Volk kennen und deren Architektur schätzen gelernt.

Werner Frosch möchte der Ästhetik mehr Platz einräumen. Während seines zehnjährigen Aufenthalts in Kopenhagen hat er die Skandinavier als „behagliches“ Volk kennen und deren Architektur schätzen gelernt. © Foto: Fritz-Wolfgang Etzold

Dieses Mal hatte Johannes Berschneider im Namen des BDA (Bund deutscher Architekten) zu einer Reise durch die skandinavische Architektur eingeladen und dafür Werner Frosch gewinnen können, Statthalter des Kopenhagener Büros Henning Larsen Architects in München.

Bei skandinavischen Bauwerken denkt der Betrachter gewöhnlich an kleine rote Holzhäuschen mit weißen Fenstern und Veranden, im Hintergrund versinkt die Sonne über dem Sund. Dieses Bild der Behaglichkeit kommt nicht von ungefähr: „Die Skandinavier gehen auch behaglicher miteinander um als die Deutschen“, berichtet Werner Frosch, der mehr als zehn Jahre in Kopenhagen gelebt hat.

Mut für Neues

Man nennt sich beim Vornamen, liebt die Geselligkeit und verbringt viel Zeit zu Hause, gerne in Gesellschaft. Weit verbreitet ist auch die Liebe für Design – eine exklusive Lampe, ein Sofa als Einzelstück oder Stühle von Arne Jacobsen für den täglichen Gebrauch sind in vielen Haushalten zu finden.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund wird auch die Büroumgebung entsprechend gepflegt, soll sie doch eine vergleichbare Qualität bieten wie die heimischen vier Wände.

Werner Frosch hat die Dänen als selbstbewusste Menschen erlebt, die sich gegenseitig respektvoll behandeln, von Autoritätstreue aber nicht viel halten. Sie sind ausgeprägte Individualisten, stets offen für neue Wege und mutig auf der Suche nach neuen Lösungen.

Und diese Gemengelage ist der Nährboden für eine ganze andere Architektur als in Bullerbü.

Wie in der Gesellschaft spielt der skandinavische Gemeinschaftsgeist bei Henning Larsen Architects eine tragende Rolle. Werner Frosch: „Räume und Flächen für den gegenseitigen Austausch, für das gemeinsame Leben und Arbeiten sind tragende Säulen unserer Entwürfe.“

Mit dieser Philosophie sind die Kopenhagener Architekten auch den Wettbewerb um den Neubau der Siemens Hauptverwaltung in München angegangen. „Wir haben uns die historische Umgebung angeschaut und dementsprechend den Neubau mit öffentlich zugänglichen Innenhöfen geplant – getreu dem Motto: Siemens öffnet sich, München tritt ein.“ Um fünf Grad nach außen geneigte Fassaden verstärken diesen Effekt, und innen sorgt eine offene Bürolandschaft mit Zwischenzonen zur Kommunikation für den innerbetrieblichen Austausch.

Damit hatten die Dänen den Auftrag in der Tasche, denn Öffnung und Transparenz waren erklärte Ziele des Unternehmens, die auch die ungeteilte Aufmerksamkeit der Bürger finden: Im Rahmen einer Langen Nacht der Architektur sind rund 4000 Münchner durch Siemens hindurchgeschritten.

Die Menschen abholen

Eine ähnliche Philosophie haben Henning Larsen Architects beim Neubau eines Rathauses im dänischen Viborg verfolgt. Der Entwurf ist ein Atriumbüro, das fast ohne gemauerte Grenzen auskommt. Treppen und verschiedenfarbige Bodenbeläge trennen optisch die Abteilungen und markieren Grenzen für den Besucher. Auf diese Weise sitzen 800 Mitarbeiter sozusagen in einem großen Raum.

Zu den ungewöhnlichsten Entwürfen von Henning Larsen Architects zählt die Harpa Kongress- und Konzerthalle im isländischen Reykjavik. Ein Monument im Vergleich zu den niedrigen Häusern und engen Gassen, vor den Toren der historischen Stadt direkt am Meer – und mit genau der gleichen Transparenz und Leichtigkeit. Die Südfassade besteht aus rund 1000 asymmetrischen „Glasziegeln“.

Dieser Entwurf symbolisiert glaubwürdig die Forderung Werner Froschs, der Ästhetik wieder mehr Platz einzuräumen.

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