Windpower-Windräder laufen in Polen weiter

19.7.2014, 10:30 Uhr
Windpower-Windräder laufen in Polen weiter

© Wolf-Dietrich Nahr

„In 14 Tagen kann dort der Bauer ansäen.“ Über dem Kopf von Willi Braun springt in 70 Metern Höhe ein Elektromotor an und stellt die Rotoren von Winnberg 1 in den Wind. Aber Strom erzeugt die Windkraftanlage aus dem Jahr 2000 schon seit Wochen nicht mehr. In wenigen Tagen werden ein 500-Tonnen-Kran und ein Konvoi von Schwertransportern anrollen, berichtet der Mitbegründer des Öko-Strom-Pioniers Windpower. Und dann geht alles ganz schnell: Rotoren, die Nabe, der Generator, die verschraubten Einzelelemente des Turmes – die Teile werden innerhalb von zwei Tagen auf 15 Lastwagen verladen.

Etwas aufwändiger ist das Herausmeißeln des Stahlfundamentes. Es wird noch gebraucht: „Die Anlage wird in Polen wieder aufgebaut und dort mindestens 20 Jahre weiterbetrieben“, berichtet Willi Braun von Windpower. Für einen sechsstelligen Betrag fand sich der Käufer in Osteuropa — wie schon für die identische Anlage Oening 1. Ein tolles Geschäft ist das nicht: In den vergangenen Monaten wurden deutschlandweit zahlreiche Alt-Windräder abgebaut. Das Überangebot an Gebrauchtanlagen wirkt preisdämpfend.

„Rendite erhöht sich“

„Re-Powering“ ist das Schlüsselwort: Kleine Anlagen werden durch größere und wirtschaftlichere ersetzt. In dem Fall gab es ein Tauschgeschäft: Die Jura-Windkraftwerke KG von 80 Privatinvestoren hat Oening 1 und Winnberg 1 (mit einem dritten Windrad) an die Max Bögl Windpower GmbH abgegeben — und im Gegenzug auf dem Gelände von Oening 1 ein großes Rad mit 143 Metern Nabenhöhe und 3,2 Megawatt bekommen. Willi Braun: „Die Rendite der Kommanditisten erhöht sich, sonst hätten die sicher nicht zugestimmt.“

Auch Winnberg 1 hat schon einen großen Nachfolger: Es ist die 3,2-Megawatt-Anlage Deining 9 in Sichtweite. Während es die beiden alten Anlagen pro Jahr auf drei Millionen Kilowatt/Stunden gebracht haben, speisen die beiden potenten Nachfolge-Windräder 15 Millionen Kilowatt/Stunden ins Netz — das Fünffache. Allerdings hat bisher der gewogene Energiewende-Gesetzgeber dieses Re-Powering mit knapp 0,5 Cent mehr an Einspeisevergütung für den Strom aus den neuen Anlagen versüßt — eine ziemlich wirksame Modernisierungs-Investitionszulage. Braun: „Ohne den Re-Powering-Bonus rechnet es sich nicht, eine funktionierende Anlage abzubauen.“

Doch der Bonus ist dahin: Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist der finanzielle Anreiz abgeschafft worden. Windpower-Mitbegründer Braun erkennt den allgemeinen energiepolitischen Trend: „Das ist ein Schutzprogramm für die fossile Energiewirtschaft, die Windkraft wird ausgebremst, genauso wie Solar und Biomasse.“

Der Landkreis Neumarkt ist der Musterknabe: Die 47 Windräder erzeugen etwa 250 Millionen Kilowatt/Stunden pro Jahr — geschätzt ein Drittel des Strombedarfes. Willi Braun ist alles andere als pessimistisch: „Dezentral erzeugter Öko-Strom, das ist ein Riesenpotenzial, der Ausbau geht weiter, das kann niemand mehr stoppen.“

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