WM-Schiedsrichter pfeift im Fußballkreis Neumarkt

24.10.2016, 10:00 Uhr
WM-Schiedsrichter pfeift im Fußballkreis Neumarkt

© Fritz Etzold

Und auch das BR-Fernsehen war da: Es berichtet am Montagabend ab 22 Uhr in Blickpunkt Sport über Hamdi Al-Kadris Start in ein neues Leben.

Seit rund einem Monat hat Hamdi Al-Kadri wieder die „Lizenz zum Pfeifen“. Der Schiedsrichterausweis steht für den Eintritt in eine neue Welt, die die große sportliche Erfahrung des 51-Jährigen gerne in Anspruch nimmt. Hatte es Al-Kadri doch in seiner syrischen Heimat bis zum Fifa-Referee gebracht. Höhepunkt seiner Laufbahn waren drei Einsätze als Vierter Offizieller bei der WM 2006 in Deutschland.

„Er hat sich schon riesig auf die Partie gefreut, denn durch das Pfeifen erfährt er auch wieder ein Stück Normalität“, sagt Wolfgang Roider, der 2. Vorsitzende des SV Postbauer.

In Postbauer hat Al-Kadri, der mit seiner Frau und vier Kindern derzeit noch in Seligenporten einquartiert ist, eine neue sportliche Heimat gefunden. Roider, selbst Schiedsrichter, betreut den syrischen Kollegen, fährt auch anfangs noch mit zu seinen Spielen in den unteren Klassen. „Falls es noch irgendwelche Verständigungsprobleme gibt.“

Ein naturwissenschaftliches Studium, Schiedsrichter-Ausbilder, Delegationsleiter der syrischen Olympia-Auswahl und Fußballmanager eines jordanischen Erstligisten – die erfolgreiche Karriere des Hamdi Al-Kadri hat der syrischer Bürgerkrieg jäh zerstört. Ende 2012 flüchtete er mit seiner Familie nach Jordanien, nachdem ihr Haus in Damaskus durch Luftangriffe zerstört wurde.

Seine Ehefrau und die beiden älteren Kinder schafften es dann über die Türkei nach Griechenland. Und von dort ging es weiter nach Deutschland – zu Fuß. Im Sommer 2015 durfte der in Jordanien zurück gebliebene Hamdi Al-Kadri mit den beiden jüngeren Kindern nachreisen. Die 18-jährige Tochter und der 17-jährige Sohn besuchen inzwischen das Willibald-Gluck-Gymnasium in Neumarkt. Sie haben schnell Deutsch gelernt und geben nun ihrem Vater Sprachunterricht.

WM-Schiedsrichter pfeift im Fußballkreis Neumarkt

© Fritz Etzold

Beim SV Postbauer – bekannt dafür, Neuem gegenüber immer aufgeschlossen zu sein – waren sie begeistert: ein früherer Fifa-Schiri im eigenen Verein! Wolfgang Roider leitete die Klub-Mitgliedschaft ein und stellte den Kontakt zur Schiedsrichter-Gruppe Neumarkt her. Die braucht bekanntlich jeden Unparteiischen und einen ausgewiesenen Fachmann gleich zweimal. Obmann Oliver Johannes kümmerte sich umgehend um die Schiedsrichter-Lizenz, die der BFV auch zügig bewilligte.

Familie sucht Wohnung

Bei der September-Sitzung im Johanneszentrum stellte Johannes der Gruppe den „Neuzugang“ vor. Mit großem Applaus sei Al-Kadri als Mitglied aufgenommen worden, schreibt der Bayerische Fußballverband auf seiner Homepage. Hamdi Al-Kadri war sichtlich gerührt von diesem warmen Empfang: „Mir bedeutet es sehr viel, Schiedsrichter zu sein. Mir macht das Pfeifen genau so viel Spaß wie den Fußballern das Spielen.“

Sportliche Probleme können die neuen Freunde wohl lösen. Doch bei den weltlichen wird es schon schwieriger: Die sechsköpfige, syrische Familie sucht seit geraumer Zeit eine Wohnung. „Am besten in Postbauer-Heng, oder im Umkreis“, sagt Wolfgang Roider. Wer in diesem Fall weiterhelfen kann, der sollte sich bitte bei ihm oder bei jedem anderen Verantwortlichen des SV Postbauer melden.

 

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