Zeigt her eure Bäche: Bund Naturschutz bittet Bürger im Kreis Neumarkt um Mithilfe

13.5.2021, 16:16 Uhr
Im Auwald bei Bachhausen, Gemeinde Mühlhausen, scheint die Gewässerwelt noch heil zu sein. Doch nicht überall im Landkreis Neumarkt ist der Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers gut.

Im Auwald bei Bachhausen, Gemeinde Mühlhausen, scheint die Gewässerwelt noch heil zu sein. Doch nicht überall im Landkreis Neumarkt ist der Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers gut. © Foto: Sigrid Schindler

Der Bund Naturschutz sieht dies als große Chance, einen "guten chemischen und mengenmäßigen Zustand beim Grundwasser" sowie einen "guten chemischen und ökologischen Zustand bei Oberflächengewässern" zu erreichen und nach Möglichkeit zu erhalten.

In den Rahmenrichtlinien werden Maßnahmen festgelegt, die diesen "guten Zustand" oder zumindest ein "gutes Potenzial" ermöglichen sollen durch ein Verbesserungsgebot und ein Verschlechterungsverbot. Der Zustand der Wasserkörper darf sich demnach nicht verschlechtern. Aber auch die Wasserversorgung von wasserabhängigen Ökosystemen soll sichergestellt werden.

Zustand nicht überall gut

Der Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers ist im Landkreis Neumarkt nämlich nicht überall gut. So wird zum Beispiel der ökologische Zustand des Forellenbachs (zur Vils) bei Hohenfels als unbefriedigend eingestuft. Maßgeblich ist dabei die Qualitätskomponente Fische, das Problem ist insbesondere die Durchgängigkeit des Baches. Der ökologische Zustand der Schwarzen Laber von der Einmündung des Frauenbachs bei Seubersdorf bis nach Regensburg ist mäßig. Maßgebliche Qualitätskomponente sind hier die Fische und Wasserpflanzen, problematisch sind insbesondere die Durchgängigkeit, Abflussverhältnisse und Nährstoffeinträge.

Weitere Maßnahmen nötig

Für beide Gewässer gilt, so stellt das Bayerische Landesamt für Umwelt fest, dass die in der Wasserrahmenrichtlinie festgelegten Umweltziele ohne weitere Maßnahmen bis 2027 nicht erreicht werden können. Hier sind also die zuständigen Behörden gefordert, für Verbesserungen zu sorgen.

Für einige Grundwasserkörper im Landkreis gibt es den Verdacht, dass die Grundwasserstände beziehungsweise die Quellschüttungen rückläufig sind. Genaue Auswirkungen und belastbare Trends können mit den vorhandenen Daten aber noch nicht nachgewiesen werden. Zum Teil wurde auch ein schlechter chemischer Zustand wegen des Eintrags von Pflanzenschutzmitteln festgestellt.

Seit Monaten beschäftigt sich der Bund Naturschutz bereits mit dem Thema und bittet nun auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger um Mithilfe, damit aus dem Landkreis Neumarkt eine umfassende Bestandsaufnahme weitergegeben werden kann. Alle Beobachtungen können an die Geschäftsstelle in Neumarkt (neumarkt@bundnaturschutz.de) unter dem Stichwort "WRRL" gemeldet werden.

Beispiele für Meldungen wären: Wo ist ein Bach in einem schlechten Zustand (Einleitungen, Entfernen von Uferbewuchs, Austrocknen im Sommer)?

Wo sind Konfliktpunkte beim Trinkwasser (Störungen in Wasserschutzgebieten, Stoffeintrag, ausreichende Wassermenge, Grundwasserabsenkungen)?

Wo sind Quellen oder Feuchtbiotope trocken gefallen (Auenwald, Moore, Sumpf, Feuchtwiese, Weiher)?

Wie steht es um den Hochwasserschutz?

Was passiert bei Starkregen in der örtlichen Kläranlage? Reicht die Kapazität dort trotz zunehmender Bautätigkeit oder landet Abwasser ungeklärt im Bach oder Fluss?

Wie steht es um Lebewesen in und an den Gewässern (Fische, Muscheln, Libellen, Kröten usw.)

Ort möglichst genau beschreiben

"Für die Beobachtungen sind möglichst genaue Ortsbeschreibungen hilfreich. Gerade jetzt könnten die Spaziergänge oder Wanderungen in die erwachende Natur im Frühling dazu genutzt werden, um möglichst viele Beobachtungen zu melden", sagt Sigrid Schindler, zweite Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Neumarkt. Der Bund Naturschutz bittet darum, Fotos vor dem Versenden zu komprimieren. "Natürlich sind auch positive Berichte erwünscht, wenn zum Beispiel die Renaturierung eines kleinen Baches gut gelungen ist", so Schindler.

Wichtig sei, so der Kreisvorstand des Bund Naturschutz, dass alle Meldungen und Beobachtungen auch von den zuständigen Behörden zur Kenntnis genommen und überprüft werden müssen.

Schindler betont: "Das Thema Wasser wird uns in den nächsten Jahrzehnten wohl immer stärker beschäftigen, weil der Klimawandel sich hier besonders dramatisch bemerkbar macht: einerseits Trockenheit und Absenkung der Grundwasserkörper und andererseits die Zunahme von Starkregen, der aber nicht in der Fläche gehalten werden kann wegen der wachsenden Versiegelung. Deshalb ist hier auch eine enge Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern, Naturschutzverbänden und Behörden dringend notwendig. Wir müssen gemeinsam versuchen, Maßnahmen zu finden und zu realisieren, um die schlimmsten Folgen zu verhindern."

1 Kommentar