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Donnerstag, 09.07.2020

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Zoff um die Aqua-Jogger im Neumarkter Freibad

"Wir sind kein Reha- und Heilbad", sagt Stadtwerke-Chef Kinzkofer - 01.07.2020 05:34 Uhr

Aqua-Jogging im Neumarkter Freibad ist seit dieser Woche für eine Stunde täglich im Sprungbecken möglich. Doch körperlich eingeschränkte Menschen haben davon nichts. Dort gibt es nur eine Leiter und keine Treppe, so dass sie nicht in das Becken steigen können. Sie fühlen sich diskriminiert. © Foto: Anja Hinterberger


Aqua-Jogging ist wie Laufen – nur im Wasser. Ein spezieller Gürtel oder andere Schwimmhilfen halten den Körper in der Senkrechten. Und weil er im Wasser schwebt, lasten höchstens 20 Prozent seines üblichen Landgewichts auf Knochen und Gelenken. Es ist also eine ideale Trainingsergänzung für Fitnessfreaks und ebenso geeignet als Reha-Sport.

Margret Hessing etwa braucht ihre regelmäßigen Runden aus gesundheitlichen Gründen. Seit 15 Jahren ist die 71-Jährige fast täglich im Bad und joggt angetan mit einem Schwimmgürtel durch das Sportbecken. Heuer nicht. Denn wenige Tage nach der Öffnung unter Coronabedingungen wurde das Aqua-Jogging im Neumarkter Freibad untersagt. Mit den Lockerungen in dieser Woche ist es für eine Stunde täglich, von 8 bis 9 Uhr, im Sprungbecken gestattet.

"Wir werden diskrimiert"

Doch Hessing und andere körperlich eingeschränkte Menschen haben davon nichts. Dort gibt es nur eine Leiter und keine Treppe, so dass sie nicht in das Becken steigen können. Und der Weg quer durch die Schwimmerbahnen ist wegen der Corona-Regeln verwehrt.

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"Wir werden diskriminiert", sagt Hessing. Sie wünscht sich in den Bahnen Aqua-Joggen zu dürfen. Schließlich sei sie nicht langsamer als viele Schwimmer. "In anderen Bädern ist dies problemlos möglich."

Doch in Neumarkt wird dies sobald nicht der Fall sein. Zumindest nicht unter den derzeitigen Hygiene- und Abstandsregeln, sagt Stadtwerkechef Dominique Kinzkofer. "Das Problem sind die sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten." Manche der rund ein Dutzend Aqua-Jogger seien schneller als Schwimmer, andere aber extrem langsam.

Es gibt Konlikte mit den Schwimmern

Weil derzeit Abstand gehalten werden müsse, weder sich begegnet noch überholt werden dürfe, komme es zu Konflikten. Das sei erst einige Tage nach der Öffnung aufgefallen, weshalb man mit dem Verbot reagiert habe.

"Wir sind kein Reha- oder Heilbad, sondern müssen das Bad allen Nutzergruppen so weit wie unter diesen Bedingungen möglich zur Verfügung stellen", sagt Kinzkofer. "Aber wir können nicht auf alle Einzelfälle mundgerecht eingehen." Falls es weitere Lockerungen gibt, seien selbstverständlich bessere Bedingungen für die Aqua-Jogger möglich.

Die Kritik frisst Kinzkofer hörbar an. Denn ansonsten gebe es durch die Bank positive Reaktionen auf die Öffnung des Freibads, wo sich die Besucher mit den Corona-Gegebenheiten gut arangierten. "So wie in allen anderen Bereichen auch", sagt Kinzkofer.

 

 

An den sonnigen Tagen und an dem langen Wochenende an Fronleichnam wird die mögliche Besucherkapazität vollends genutzt. Auch wenn es natürlich nur ein Bruchteil der Zahlen anderer Jahre ist.

Öffnung des Neumarkter Freibads  war ein Kraftakt

Denn die Öffnung des Freibads unter Pandemie-Bedingungen war und ist ein Kraftakt. Das Team um Schwimmmeister Thomas Blank musste in wenigen Tagen ein Hygienekonzept ausarbeiten, Mitarbeiter wurden aus Kurzarbeit und Urlaub zusammengetrommelt, die Wärmeerzeugung wurde hochgefahren (nicht ganz einfach, wenn das Blockheizkraftwerk gerade eine Baustelle ist) und das Marketingteam klopfte in fünf Tagen ein Online-Buchungssystem aus dem Boden, das nicht nur die Tickets verkauft, sondern auch noch anzeigt, ob weitere Besucher in das Bad dürfen.

Das wirft allerdings bei einem NN-Leser Fragen auf: Weshalb gibt es keine Nachrücker, falls ein Besucher das volle Freibad verlässt oder seine Karte verfallen lässt. Man könne doch am Eingang Karten oder ähnliches ausgeben, die beim Verlassen zurückgegeben werden.

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Grundsätzlich ja, sagt Kinzkofer. Aber die Nettozeit der Slots betrage eh nur rund anderthalb Stunden, weil ja die Becken eine halbe Stunde vorher verlassen werden müssten, um dem Reinigungsteam Zeit für ihren Desinfektionsgang zwischen den Slots zu geben. Ein zweiter Punkt: Da Ein- und Ausgang getrennt sind, müsste jemand die Karten hin- und her tragen. Das kostet.

Nun gehört ein Freibad zur Daseinsvorsorge. An ihm ist grundsätzlich nichts verdient. Im Gegenteil. Doch in diesem Jahr fällt das Defizit besonders hoch aus. Die Einnahmen betragen 15 bis 20 Prozent von gewöhnlichen Jahren, die Kosten sind aber deutlich höher durch mehr Personal und mehrfach tägliche Reinigungen. Unterm Strich bleibt ein zusätzliches Minus von 300 000 Euro.

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