Langdistanz-Triathlon in Roth

Zweitschnellste Deutsche beim Challenge kommt aus Neumarkt

6.9.2021, 20:14 Uhr
lena Illeditsch aus Neumarkt lief im Profi-Feld der Frauen bis auf Platz 8.

lena Illeditsch aus Neumarkt lief im Profi-Feld der Frauen bis auf Platz 8. © Sportfoto Zink / Oliver Gold

Anstatt der verdienten Pizza im Kreis der Familie gab es am Sonntagabend für Elena Illeditsch zwei Fertigbrezen und einen Muffin von der Tankstelle. Bis dahin hatte der Adrenalinrausch eines Tages, an dem sie 3,8 km schwimmend, 170 km auf dem Rad und einen Marathon zu Fuß in 8:46 Stunden zurückgelegt hat, den Wunsch nach regulärer Nahrung verdrängt. Mehr als ein paar Bissen Kuchen, Obst und Nudeln brachte die 30-Jährige im Ziel noch nicht herunter. Zu Hause in Neumarkt schaffte sie es gerade so, in der Dusche das trübe Kanalwasser aus dem teuren Neoprenanzug zu waschen, ehe die Erschöpfung hereinbrach.


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"Der Organismus muss sich erst wieder einpendeln", nennt Illeditsch den gewohnten Prozess nach extremen Belastungen, die ihr auch diesmal eine unruhige Nacht bescherten. "Körper und Psyche sind am Rotieren." Immerhin musste sich die Ingenieurin zu Wochenbeginn nicht ins Büro schleppen, sondern freute sich auf einen entspannten Freibad-Besuch mit Aqua-Jogging. Zuvor aber kehrte sie - die Schmerzen beim Einsteigen und Sitzen im Auto ignorierend - mit einem Lächeln zur Siegerehrung an den Ort des Geschehens zurück.

Schließlich hatte sich die Lauchheimerin, die es nach dem Studium in die Oberpfalz verschlug und seit 2020 mit Profi-Lizenz unterwegs ist, beim Challenge nicht nur als achtschnellste Frau überhaupt behauptet, sondern in der Wertung um die Deutsche Meisterschaft über die Langdistanz Platz 2 belegt. Die abgespeckte Zeremonie ohne Bewirtung empfand Illeditsch "trotzdem herzlich". Bis auf der zweieinhalbstündigen Veranstaltung alle Medaillen und Pokale verteilt waren, nutzten die Aktiven die Möglichkeit zum Austausch. "Du kennst ja von vielen nur die Ergebnisse und willst wissen, wie es anderen so ergangen ist." So war die kleine Gruppen-Therapie Balsam auf die Seele der Wahl-Oberpfälzerin, weil selbst die überragende Ironman-Weltmeisterin Anne Haug von Verdauungsbeschwerden berichtete. Einerseits "lädiert wie selten", andererseits "zufrieden mit meiner Leistung" blickt Illeditsch zurück auf ihren dritten Auftritt beim Heimrennen in Roth. "Durch die lange Wettkampfpause vorher hat es sich nochmal wie eine Premiere angefühlt. Es war definitiv kein Nachteil, im eigenen Bett geschlafen zu haben und angenehm, die letzte kurze Ausfahrt mit dem Rad am Samstag auf einer bekannten Strecke machen zu können."

Dennoch geriet der Auftakt für Illeditsch suboptimal. Die Startnummer 106 verpasste beim Schwimmen ihre angestrebte Zeit von unter einer Stunde und verlor den Anschluss an die weibliche Spitzengruppe. "Damit war klar, dass es ein harter Weg für mich wird", beschreibt Illeditisch ihre Stimmung beim ersten Wechsel. An die eiserne Regel, sich in Geduld zu üben, hielt sich die ehrgeizige 30-Jährige nur bedingt. Sie fuhr "auf Druck" und beanspruchte ihre Oberschenkel spürbar, dabei wurde es ihr über 4:37 Stunden sehr einsam. "Es ist schwer, die eigene Position abzuschätzen. Ich dachte nie, dass es für die Top 10 reicht."

"Ewig lang auf Kies am Kanal entlang"

Auch das Laufen begann Illeditsch aggressiv, sah sich durch Überhol-Aktionen zunächst noch gestärkt. Dann jedoch wurde "nach 25 Kilometer 25 jeder Schritt zur Qual. Es geht so ewig lang auf Kies am Kanal entlang. Das ist extrem anspruchsvoll, noch mehr ohne die berüchtigten Zuschauernester. Du fängst an, im Gegenverkehr vor den Wendepunkten die Abstände nach vorne zu berechnen". Willkommene Abwechslung und "emotionalen Schub" lieferten wiederum die aufmunternden Worte der bekannten Gesichter von Eltern und Freunden an der Strecke. In der Schlussphase "darfst du nicht daran denken, was du in den Knochen hast. Ich habe versucht, zu genießen." Herauskam die fünftbeste Marathon-Zeit der mit internationalen Stars gespickten Frauen-Konkurrenz in 3:03 Stunden.

Was dieser Erfolg indes für die weitere Karriere der Neumarkterin bedeutet, ob sie sich etwa vorstellen könnte, die Arbeitsstunden zu reduzieren und noch mehr in ihre Hobbyleidenschaft zu investieren, mag Elena Illeditsch nicht zu bewerten. "Ich war in den vergangenen eineinhalb Jahren froh über ein geregeltes Einkommen und Berufsleben. Mit der Planung für 2022 habe ich mich noch nicht beschäftigt." Sportlich liege der Fokus jetzt, sofern die Regeneration schnell genug voranschreitet, auf einem versöhnlichen Saisonabschluss am kommenden Wochenende auf der Mitteldistanz in Ingolstadt. Vielleicht gibt es diesmal hinterher Pizza.

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