Sonntag, 23.02.2020

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24 Jahre nach Skelettfund an ehemaliger Kirche jetzt datiert

Identität weiter ungeklärt - 09.05.2019 20:09 Uhr

Bei der ehemaligen Hospitalkirche gefundene Skelette stammen von Bestattungen Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Fundort deutet auf wichtige Persönlichkeit, deren Identität ungeklärt bleibt. © Harald Munzinger


Viel Aufsehen bereitete die 1995 angestoßene Ausgrabung im Bereich der ehemaligen Hospitalkirche in der Würzburger Straße. Damals kamen nicht nur die Grundmauern des im Februar 1945 von einer Fliegerbombe zerstörten Kirchengebäudes zum Vorschein, sondern auch zwei menschliche Skelette. Sie waren im Altarraum unter einer Grabplatte aus weißlichem Burgsandstein beigesetzt. Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege dokumentierten den Fund und brachten die Gebeine zur Außenstelle des Landesamts nach Nürnberg.

Dort waren die Knochen über 20 Jahre lang eingelagert. Ein erster Anlauf, die Skelette im Labor zu untersuchen und so ihr Alter zu bestimmen, blieb nach dem Tod der beauftragten Zahnärztin ergebnislos. Nach einem personellen Wechsel im Landesamt blieb der Verbleib der Überreste dann bis vor einigen Jahren ungeklärt. 2015 wurden sie im Lager der Nürnberger Außenstelle schließlich ausfindig gemacht.

Stadtführer spendeten für Untersuchung

Damit konnte die Frage nach dem Alter der Skelette erneut aufgerollt werden. "Die ehrenamtlichen Stadtführer des Geschichts- und Heimatvereins spendeten den Verkaufserlös ihres Standes am Neustädter Weihnachtsmarkt für die Laboruntersuchung und der Verein gab die Altersbestimmung in Auftrag“, berichtet Jochen Ringer, Kurator der vom Verein betriebenen Museen im Alten Schloss. „Deren Ergebnisse liegen nun vor."

Der durchgeführten Radiokarbon- beziehungsweise 14C-Datierung zufolge stammen beide Skelette aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Ihr Alter liegt etwa 20 Jahre auseinander. "Da die Ergebnisse beider Skelette in der Mitte dieses Jahrhunderts liegen, kann die Datierung als durchaus plausibel angesehen werden“, teilte Ringer mit.

Bei der Ausgrabung war noch spekuliert worden, ob es sich um einen Fund aus der Entstehungszeit Neustadts handeln könnte. Die Skelette hätten dann neue Erkenntnisse über die Entwicklung der „neuen“ Stadt liefern können. Etwa, ab wann die Gegend auf dieser Seite der Aisch tatsächlich besiedelt war. Diese Erwartungen wurden mit der Datierung ins Spätmittelalter nun jedoch nicht erfüllt.

Im Bestattungszeitraum – der nicht aufs Jahr genau bestimmt werden kann – herrschten die Markgrafen Friedrich I., Johann Alchimista und Albrecht Achilles über Neustadt. "Albrecht Achilles kann als großer Förderer Neustadts betrachtet werden“, erklärt Ringer. „Er erweiterte das bestehende Stadtgebiet nach Westen und trug zu einer regelrechten Blütezeit der Stadt bei. Mit dem Bau des Alten Schlosses an der Nordecke der Stadt schuf er sich außerdem eine Nebenresidenz für seine Aufenthalte an der Aisch."

Um wen genau es sich bei den beiden in der Hospitalkirche Bestatteten gehandelt hat, bleibt weiter ungeklärt. "Da die Beisetzung im Innenraum der Kirchen im Mittelalter Adel und Klerus vorbehalten war, muss es sich sicherlich um zwei für Neustadt wichtige Persönlichkeiten gehandelt haben“, nimmt Museumskurator Jochen Ringer an.

nb

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