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Donnerstag, 20.06.2019

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Abschiebung gestoppt: Wie geht es für Mobin M. weiter?

Landesamt für Asyl und Rückführungen will Fall im Detail prüfen - 24.05.2019 17:23 Uhr

Zusammen mit 25 anderen Asylbewerbern sollte Mobin M. am Dienstagabend von Düsseldorf aus im Zuge einer Sammelabschiebung nach Kabul geflogen werden. © dpa/Daniel Maurer


Der Eilantrag von Mobin M. wurde noch am Dienstag abgelehnt und so hätte er noch am Abend zusammen mit 25 weiteren abgelehnten Asylbewerbern im Zuge einer Sammelabschiebung von Düsseldorf aus nach Kabul geflogen werden sollen.

"Mobin war bereits auf der Flugzeugtreppe, als ihn die Polizei zurückwinkte", erzählt Betreuerin Gudrun Heilmann die Geschehnisse. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hatte am Dienstagabend sein Veto eingelegt, nachdem mehr als 100 Flüchtlingshelfer ihre Appelle an das Innenministerium eingereicht hatten. Auch Weihbischof Herwig Gössl aus Bamberg sowie der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm und Alexander Hold von den Freien Wählern hatten sich für den jungen Afghanen eingesetzt.

Drei Tage sind seit dem Vorfall vergangen. Mobin M. ist noch am selben Tag zurück nach Franken gefahren, doch viele Fragen sind weiter offen. Bis seine Wohnsituation geklärt ist, "kommt er erstmal weiter bei mir unter", erklärte seine Betreuerin.

"Das bringt alles viel Unsicherheit für uns"

Am Donnerstagvormittag war der 22-Jährige bei der Zentralen Ausländerbehörde in Ansbach vorgeladen, die gemeinsam mit dem bayerischen Landesamt für Asyl und Rückführungen (LfAR) seinen Fall bearbeitet. Ob er ein Bleiberecht in Deutschland bekommt ist noch völlig unklar, sein Fall würde "einer umfangreichen und detaillierten Überprüfung unterzogen", erklärte eine Sprecherin des bayerischen Landesamtes für Asyl und Rückführungen am Freitag. Genaue Auskunft über ein laufendes Verfahren könne die Sprecherin allerdings nicht geben. Mobin M. gilt laut den Behörden immer noch als "ausreisepflichtig", wie Heilmann konstatierte. "Das bringt alles viel Unsicherheit für uns", führte sie an.

Heilmann will deshalb nun alle Hebel in Bewegungen setzen, damit der junge Afghane in Deutschland bleiben kann. Am Montag will sie ihn erneut im Berufschulzentrum anmelden, wo er seit September vergangenen Jahres den Sozialzweig besuchte. Auch sein Vorschuljahr könne Mobin M. jederzeit wieder aufnehmen. "Sein Praktikumsplatz wurde ihm die ganze Zeit über freigehalten" berichtet Heilmann. Eine Anwältin aus Berlin habe nun zugesagt, den Fall Mobin M. zu übernehmen und auch der Flüchtlingsrat sei aktiviert. Ebenso sei die frühere Landtagspräsidentin Barbara Stamm sehr bemüht, "damit die Katastrophe doch noch zum Guten führt", so Betreuerin Heilmann.

In Panik nach Frankreich geflüchtet

Mobin M. gilt als gut integriert, er spielte in Burghaslach in einem Fußballverein und nahm im Sommer vergangenen Jahres bereits an den Scheinfelder Passionsspielen teil, in denen er die Rolle eines römischen Soldaten spielte. Aufnahmen von der Vorführung verbreiteten sich schnell auf Facebook, bis Mobin M. massive Drohungen aus seinem Heimatland erhielt, da er sich durch seine Teilnahme als "Christenfreund" gezeigt hätte, wie Stephan Dünnwald, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats, erklärte. Dadurch sei die Gefährdungslage für ihn in Afghanistan ziemlich hoch. Mobin M. hatte deswegen drei Wochen in der Psychiatrie verbracht. Im Oktober erreichte ihn dann die Abschiebeandrohung, worauf er in Panik nach Frankreich flüchtete.

Mitte Mai wurde der 22-Jährige dann zurück nach Bayern geschickt, wo er postwendend in Erding in Abschiebehaft landete. Da Mobin M. durch seine Reise ins Nachbarland seinen Aufenthaltsort wechselte ohne der Ausländerbehörde eine Anschrift zu geben, galt er als "untergetaucht", was nach "Ansicht des Bundesgesetzgebers einen zwingenden Haftgrund für die Sicherungshaft" darstellte, äußerte sich das bayerische Landesamt für Asyl und Rückführungen am Donnerstag zu dem Vorgehen. Dies hatte schließlich zu seiner Inhaftierung bis zur geplanten Abschiebung geführt. 

jm

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