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"Aischgründer Karpfenmuseum": Neue Besucherrekordmarke

60.000. Gast in Neustädter Institution kam am Jubiläumswochenende - 26.03.2018 19:41 Uhr

Lutz Weißbrodt hatte stets ein interessiertes Publikum bei seinen Demonstrationen der "Netzstrickerei". © Harald Munzinger


Bei Hunderten von Besuchern – bei freiem Eintritt ist ihre Zahl nicht exakt erfasst - sei es unmöglich gewesen, "den" Jubiläumsgast besonders zu ehren, berichtete die Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, Carola Kabelitz, begeistert von toller Besucherzahl und -resonanz. Das schöne Ausflugswetter war dabei dem Museum im "Alten Schloss" zugutegekommen, das zudem mit einem attraktiven Jubiläumsprogramm lockte. Da hatte ein "Riesenaquarium" auf die Kinder eine magische Anziehungskraft und war auch die "Museumsrallye" für sie ein Anreiz für den Streifzug durch des Geschichte des Aischgrundes mit seiner und Jahrtausendealter Teichwirtschaft.

Über diese wusste Fischwirtschaftsmeister Lutz Weißbrodt spannend zu berichten, wenn er vor stets interessierten Besuchergruppen erzählte, wie Kormorane Weiher regelrecht leerfressen, wenn sie ein Kundschafter als guten Jagdgrund ausgemacht habe. Oder schilderte, wie er schon 50 Grau- und 100 Silberreiher in und an Weihern stehen sah und den immensen Schaden aufzeigte, den die gefiederten Räuber anrichten können, wenn statt 100 nur noch 12 Zentner Fische geerntet werden und "nicht einer davon unverletzt ist".

Einer der wenigen seiner Zunft, Lutz Weißbrodt, ist über sein Berufsleben als Fischwirtschaftsmeister hinaus mit der faszinierenden Weiherlandschaft eng verbunden. Über 30 Jahre lang in Forschung und Beratung an der Höchstädter Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft des Instituts für Fischerei, für die er auch unterrichtete, und heute als einer der wenigen seiner Zunft des Netzemachers. Auf was da alles geachtet werden muss - von ganz weichem Netzwerk für die Besatzfische bis zum 50 Meter langen Netz mit schweren Bleischnüren, das beim Abfischen durch schlammigen Grund gezogen wird, wie ein Beutel wirkend, bis zu 400 Zentner Fische aufnehmen kann - vermittelte Weißbrodt anschaulich beim Stricken von kleinen Musternetzen ohne, mit einfachen oder Doppelknoten. 

Für jede Fischart und -größe bedarf es eines anderen "Netzwerkes". © Harald Munzinger


Als Spezialist dafür ist er weit über die Region hinaus bekannt, hat auch schon Netze für Elsass-Lothringen oder das österreichische Waldviertel gefertigt. Meist kauft er maschinell gefertigte Netze, um diese dann individuell auf den Bedarf "zuzuschneidern", wenn etwa ein Käscher neu "bespannt" werden muss. Oder es gilt, einen Teich mit großmaschigem Netzwerk vor Kormorane & Co zu schützen.  

"Fischerei, Erlebnis in der Natur" ist eine der Bilderwände der Wanderausstellung über die Fischerei in allen Variationen im großen Schlossgewölbe überschrieben, was auch Lutz Weißbrodts Lebensphilosophie ausdrückt. Er hatte sich immer einen Beruf in der Natur gewünscht, ihn von der Pike auf in der für Süddeutschland und die Schweiz zentralen Lehranstalt in Starnberg erlernt und erzählt noch 60 Jahre danach mit leuchtenden Augen vom Lebensraum Teich.

Einer, der sich diesem ebenso verschrieben hat und in seinem Festvortrag zum Museumsjubiläum diese Faszination mit tiefen historischen Wurzeln in der Region zum Ausdruck gebracht hat, trug am Festwochenende mit seiner zweiten Leidenschaft zu einer gelungenen Geburtstagsfeier "10 Jahre Karpfenmuseum" bei: Dr. Martin Oberle, Leiter der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft, begeisterte im sonnigen Schlosshof mit beschwingter Musik seiner "Gonzo’s Dixie Combo".

Weiteres Kapitel der Erfolgsgeschichte

So haben Festakt mit internationalen Gästen und Jubiläumswochenende mit über die reguläre Öffnungszeit hinaus reichendem "ungebremstem Besucherinteresse" ein weiteres großes Kapitel in der Erfolgsgeschichte des "Aischgründer Karpfenmuseums" geschrieben. Weitere werden in dem "Sammelband" der "Museen im Alten Schloss" folgen. Das nächste zeichnet sich mit einem ebenfalls weithin einmaligen "begehbaren Schaudepot" ab. Doch zunächst wird weiter das Jubiläum des Karpfenmuseums gefeiert: 

Am 7. April mit einem Kindertag, am 8. April mit einer Weiherundfahrt (für die im Museum Anmeldungen angenommen werden), sowie am 15. und 22. April mit Sonderführungen im Karpfenmuseum (jeweils um 14 Uhr). Und schließlich wird am 29. April zur Themenführung "Urahn des Karpfens" eingeladen.  

Harald J. Munzinger

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