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"Aischgründer Karpfenschmeckerwochen" eröffnet

In 543 Weihern rund 300.000 Karpfen erwirtschaftet - 27.08.2015 14:14 Uhr

Stellvertretender Landrat Norbert Kirsch, Karpfenkönigin Katrin Uano und Steigerwald-Geschäftsführer Rüdiger Eisen (v. r.) eröffneten die 37. “Aischgründer Karpfenschmeckerwochen”. © Harald Munzinger


Zu deren Auftakt zeigte sich Dr. Engelmann vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband stolz auf die Gastronomie im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, die sich auch bei anderen Spezialitätenwochen besonders auszeichne.

Auch amtierender Landrat Kirsch würdigte Engagement und Können der starken gastronomischen Gemeinschaft, die ihre Gäste wiederum mit variantenreichen Fischspezialitäten verwöhne. Bei den “Karpfenschmeckerwochen” werde seit 37 Jahren “Regionalität gelebt“, betonte Kirsch das gesunde Produkt, die hohe Qualität und die kurzen Wege, auf denen die Karpfen aus Tausenden Teichen in die Fischküchen kämen.

Am Erfolg des unterdessen regional geschützten “Aischgründer Karpfens” als “bedeutender Kultur- und Wirtschaftsfaktor” hätten auch die Teichwirte einen wesentlichen Anteil, unterstrich Norbert Kirsch die ins Mittelalter zurückreichende Tradition der Teichwirtschaft und die mit ihr verbundene züchterische Arbeit, der man heute den hochrückigen, wenig beschuppten Spiegelkarpfen als Alleinstellungsmerkmal und touristischen Anziehungspunkt verdanke.

Feinschmeckerherzen schlagen höher

Dass die 20 Gasthöfe mit über 40 Karpfenvariationen wieder die Feinschmeckerherzen höher schlagen lassen werden, waren auch Karpfenkönigin Katrin I. - Landrat Kirsch mochte sich keine charmantere Repräsentantin vorstellen - und Rüdiger Eisen überzeugt, dem mit seinem Team in der Steigerwald-Touristzentrale der Dank für die Organisation der Karpfenschmeckerwochen galt.

Neben dem knusprig gebackenen Karpfen wird die regionale Fischspezialität wie bei der Familie Burk in Adelsdorf in 20 Gaststätten in über 40 Variationen angeboten. © Harald Munzinger


Katrin Uano sprach vom Ausnahmezustand, wenn von September bis April Saison des Karpfens sei, um den sich seit einigen Jahren ihr Leben drehe. Die Karpfen-Handtasche oder der zierliche “Aischgründer” an der Halskette sollten dies belegen. Dass die gesunde Fischspezialität in allen Regionen des Landkreises genossen werden kann, sollte die Eröffnung der Genusswochen mit Karpfennockerln in der Apfel-Kren-Suppe, Pfefferkarpfen oder pochiertem Karpfenfilet an Rotwein-Scharlottensoße im Zenntal unterstreichen, wie es Neuhofs stellvertretende Bürgermeisterin Lydia Stoll ausführte.

Und dass Karpfenblut auch in Dichterfedern fließt, zeigten Katrin Uano mit einem Mundartgedicht von Grete Mikisch und der Autor Werner Rosenzweig auf, der aus seinem neuen Buch “Karpfenkrieg - Auge um Auge, Zahn um Zahn” las, das in Kürze auf den Markt kommen wird. Zur Vorsicht beim späteren Karpfengenuss sollte seine fränkische Tragödie mahnen, deren Titelheld sein Leben mit einer Gräte im Hals aushauchte.

Frankentourismus im Plus

Dr. Engelmann zeigte eine erfreuliche Entwicklung des Franken-Tourismus mit plus 4,4 Prozent bei den Ankünften und 5.6 Prozent bei den Übernachtungen auf, wobei Bamberg mit 7,8 beziehungsweise 6,5 Prozent die Spitze markierte. Plus fünf Prozent Ankünfte in Bad Windsheim vernahm der Geschäftsführer der Kur- und Tourist GmbH und der Franken-Hubert Seewald gerne, den Engelmann zur Neuauflage eines kulinarischen Frühlings oder Herbstes in der Kurstadt ermunterte.

Was der Landkreis für die Gastronomie tue, sei nicht selbstverständlich, meinte der BHG-Repräsentant mit dem Hinweis auch auf die bevorstehenden Wildbretwochen sowie die “Aischgründer Bier“- oder “Mittelfränkische Bocksbeutelstraße”. Kritisch merkte Dr. Engelmann die bürokratischen Zwänge der EU-Verordnungen an, bezeichnete die aktuelle Debatte um Karpfenallergien als “einen der größten Blödsinne” und sah die Politik bei einer Stunde Kochen und einer Stunde Dokumentation darüber gefordert, sich eines Besseren zu besinnen.

Regionalmarke wirkt sich aus

Dass es sich lohne, dieses gute Regionalprodukt, das in bester Qualität von Teich- direkt zum Gastwirt komme, entsprechend zu bewerben, führte der Ehrenpräsident des Fischereiverbandes Mittelfranken, Friedrich Loscher-Frühwald aus. Mit der geografisch geschützten Marke des “Aischgründer Karpfens” habe sich schon “eine gewisse Erfolgsgeschichte” entwickelt, meinte er in Bezug auf den etwas höheren Preis, den in diesem Jahr 138 Fischbauern erzielen, die 543 Weiher bewirtschaften und rund 300.000 Karpfen vermarkten.

Loscher-Frühwald mahnte erneut ein europäisches Kormoranmanagement an, um den gefräßigen Räuber in erträglichem Aufkommen zu halten. 1970 habe es in Europa 200.000 Kormorane gegeben, heute seien es weit über zwei Millionen. Wenn 700 - wie kürzlich am Rothsee - auftauchten und jeder 500 Gramm Fisch verzehre, könne man ausrechnen, welche immensen Schäden verursacht würden. Gelinge es nicht, die Kormorane auf eine Zahl zu reduzieren, mit der die Teichwirte leben könnten, sei zu befürchten, dass immer mehr die Bewirtschaftung der Teiche einstellten, die ein landschaftsprägendes wertvolles Kulturgut darstellten.

Mit ihnen würde auch ein Stück Heimat verloren gehen. Loscher-Frühwalds Rat, mit dem Verzehr von Karpfen zum Erhalt der Kulturlandschaft beizutragen, mochten sich in der Gästeschar die Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl und Gabi Schmidt gerne anschließen und fingen mit den röschen Flossen an. Wer im Aktionszeitraum möglichst viele Karpfen isst und sich dies in den Gastwirtschaften mit Stempeln belegen lässt, kann sich bei einem Gewinnspiel unter anderem den Hauptpreis von zwei Karpfenschmecker-Überraschungstagen für zwei Personen erhoffen.

Ein Glück, das im letzten Jahr mit 1476 Stempeln herausgefordert worden war. Das sollte doch noch zu toppen sein, meint Steigerwaldgeschäftsführer Rüdiger Eisen, der sich sicher nicht alleine “tierisch auf den ersten Karpfen” der Saison freute, die schon vor dem 1.September mit starker Nachfrage begonnen hat.

Harald J. Munzinger

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