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"Aischtalbahn" in Neustadt mit Sanierung gerettet

"Bähnla" glänzt wie neu - "Denkmal" dank Lionsclub wieder gut in Schuss - 25.05.2015 15:03 Uhr

Vom Schandfleck zum Schmuckstück verwandelte sich das "Denkmal" für die einstige "Aischtalbahn", das der Stadt vom Bahnmuseum in Nürnberg ausgeliehen wurde. © Harald Munzinger


Da die Deutsche Bahn eine Feier des Jubiläum abgelehnt hatte, entschlossen sich Rolf Syrigos, ein in Fachkreisen anerkannter Bahnexperte, sowie der Historiker und Altbürgermeister Dr. Wolfgang Mück, an den ersten kleinen Dampfzug, der am 19. Juni 1865 die neu erbaute Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Würzburg befahren hatte, zu erinnern. Johannes Hirschlach hat dazu eine Dokumentation verfasst, die reichhaltig illustriert in einen Eisenbahnmagazin erschien und auch von der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte in deren Juniheft umfangreich publiziert werden wird.

Johannes Hirschlach (v. l.) dokumentierte die Geschichte der vor 150 Jahren erstmals befahrenen Bahnstrecke Nürnberg-Würzburg in einem reichhaltig illustrierten Bericht, den er Bürgermeister Klaus Meier präsentierte. © Harald Munzinger


Mit Unterstützung des ehemaligen Bahnpressesprechers Horst Wendler - Verfasser der Festschrift zum 125-jährigen Bestehen der Emskirchner Bahnbrücke (1995) - hat Rolf Syrigos die Fotoausstellung vorbereitet, die am Nachmittag des 5. Juni in der Rathaus-Ehrenhalle eröffnet und dort bis zum “KunstMarktPlatz” am 29. Juni zu sehen sein wird. Am 20. Juni, einen Tag nach dem großen und für die Entwicklung der Region bedeutsamen Ereignis der ersten Bahnfahrt vor 150 Jahren von Nürnberg nach Würzburg - heute befahren täglich rund 300 Züge diese Strecke - werden ab 10 Uhr in der “NeuStadtHalle” deren Historie und Entwicklung aufgezeigt.

Nur zu gerne hätte Rolf Syrigos einen Dampfzug über die einst heftig umkämpfte Strecke fahren lassen, was aber nicht finanzierbar sein sollte. Doch “jede Menge Bildmaterial”, zu dem auch Johannes Hirschlach beigetragen hat, wird zu einer interessanten Zeitreise einladen: Vom Anfang des “Endes der schrecklichen, eisenbahnlosen Zeit“ bis in die Gegenwart einer der meistbefahrenen Trassen in der Republik, über die ICEs rauschen, Güterzüge donnern, der Nahverkehr eine wichtige Rolle im regionalen Verkehrsplan spielt. Zwar nicht im unmittelbaren Bezug zu dem Jubiläum, aber auch ein Dokument der Bahngeschichte ist sie jetzt “wie Phönix aus der Asche gestiegen“: Die kleine Rangierlok, die an die “Aischtalhahn“ erinnert. Sie war “wohl noch nie so schön”, stimmten Mitglieder des Lionsclubs mit Präsident Dr. Joachim Schubert an der Spitze und Bürgermeister Klaus Meier nach dem Abschluss einer aufwendigen Sanierung überein. Es sei “eine Riesensache, was da in Gemeinschaftsleistung ausgeführt worden ist”, zeigte sich das Stadtoberhaupt “sehr erfreut und überrascht, wie gut dies gelungen ist”. Das wird am Freitag, 29. Mai, ab 17.30 Uhr mit der Fertigstellung der Fußgängerbrücke von der Jean-Paul-Allee zum Festplatz  gefeiert, dazu die Wiese vor der “NeuStadtHalle” zum Festplatz mit der ersten öffentlichen Kirchweih-Bierprobe wird.

Rückgabe schlug hohe Wellen

Über der Rangierlok auf dem kleinen Gleisstück an der ehemaligen “Aischtalbahn“ waren finstere Wolken aufgezogen, als sich die Stadt entschieden hatte, die stark ramponierte Leihgabe an das Eisenbahnmuseum zurückzugeben, auch wenn man dennoch in den sauren Apel der Sanierungskosten beißen musste. Ein Plan, der in der Öffentlichkeit für den Bürgermeister “unerwartet hohe Wellen schlagen” und - Glück im Unglück - den Lionsclub auf den Plan rufen sollte.

Bürgermeister Klaus Meier würdigte in seiner stellvertretenden Dankadresse an Prof. Dr. René Heelein, Hartmut Bayer, Eugen Scheumann, Präsident Dr. Joachim Schubert und Dr. Josef Stauber (v. l.) die gelungene Gemeinschaftsleistung der Lionsmitglieder bei der Sanierung der Rangierlok. © Harald Munzinger


Aus dem Mitgliederkreis sei die Anregung bekommen, die Sanierung zu übernehmen und dafür die Ärmel hochzukrempeln, schildert Präsident Dr. Schubert den Anfang der wundersamen Verwandlung, die sich hinter großen Planen vollzogen hat. Gerd Czerwinski habe die Projektleitung übernommen, Malermeister Armin Feuchtmann der erfahrene “Kapo” gewesen, unter dessen Regie und Beratung des Bahnmuseums an acht Samstagen Lionsmitglieder geschliffen, geschraubt und gemalt, das “Bähnla” zum Schutz der Bäume mit Hilfe der Feuerwehr um zwei Meter versetzt haben.

Als “der Vorhang fiel”, durch den immer wieder Neugierige spitzten, war das Erstaunen groß. Die vom Vandalismus gezeichnete Lok erstrahlt in neuem Glanz, bietet den Blick in ein buntes Motorinnenleben (Originalbemalung), verweigert aber mit Verschluss den Zugang zum Führerstand, auf dem sich zahllose Kids in “Jim-Knopfs-Abenteuer” geträumt hatten. Allerdings hatten sich dort auch “Gäste” aufgehalten, die ein Zerstörungswerk betrieben, mit dem schon dem “Bähnla” ein schicksalhaftes Ende beschieden schien, es für Neustadt verloren zu gehen drohte.

Ein Meisterstück geschaffen

Dies ist abgewendet, ein Schmuckstück entstanden, wofür sich der Lions-Einsatz auf die von der Stadt veranschlagten Sanierungskosten von 10.000 Euro summiert. Bei aller Anstrengung sei es “auch ein Vergnügen gewesen, das zu machen” erklärte Präsident Dr. Joachim Schubert, der mit seinen “Handwerkskollegen” stolz auf ein Meisterstück sein kann. Da die Lok als Denkmal und nicht als Spielzeug gilt, hat das Bahnmuseum gefordert, künftig den Zugang zu verhindern, was mit Plexiglasscheiben erfolgt.

Bürgermeister Klaus Meier begrüßt dies auch als haftungsrechtlicher Sicht. Dass bisher nichts gravierendes passiert war, schließe die beträchtlichen Gefahren nicht aus, dass ein Kind vom hohen Führerstand stürze und sich schwer verletze. Bis zur offiziellen Einweihung des “Bähnlas” - mit dem sich für Schülergenerationen schöne Erinnerungen an die täglichen Fahrten aus dem Aischtal nach Neustadt verbinden - gestaltet die Stadt das Umfeld mit einem Schotterbett. 

Harald J. Munzinger

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