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Dienstag, 20.08.2019

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Ausgelagerte Bände historischer Kirchenbibliothek zurückholen

"Wunderbares Ziel vor uns" - 21.07.2019 14:15 Uhr

Das ging nicht ohne heftige „Geburtswehen“ mit zähem Ringen um richtige Formulierungen der Satzung, ehe diese einstimmig angenommen werden konnte. Und einstimmig erfolgten auch die Wahlen von Vorsitzendem Dr. Wolfgang Mück und seiner von ihm vorgeschlagenen Stellvertreterin Cristina Leiding, die mit ihrer laufenden museumspädagogischen Ausbildung die besten Voraussetzungen mitbringt, „die Bibliothek präsent zu machen und im Bewusstsein der Menschen zu halten“.

Klaus Limbacher wurde zum Schriftführer, Claus Kerling zum Kassier gewählt, Simone Brand, Renate Eppelein und Gerlinde Menzel zu Beisitzerinnen. Als Bibliotheksbetreuer gehören Christine Erbacher, Christa Franz und Reinhold Ohlmann dem Vorstand an. Ziel des Vereins ist es, ehrenamtlich das vorhandene Nutzungskonzept der Bibliothek zu fördern. Seine Unterstützung macht er davon abhängig, „dass der gesamte Bestand der Kirchenbibliothek in Neustadt an der Aisch verbleibt beziehungsweise, dass der sich im Landeskirchlichen Archiv in Nürnberg befindliche Bestand nach Neustadt zurückgeführt werden kann“.

Dem Passus der zwischen Förderkreis, Kirchengemeinde und Dekanat per Vertrag geregelten Zusammenarbeit müsse erst noch die Landeskirche zustimmen, merkte Dekanin Ursula Brecht an, die ihr die Satzung zur Prüfung zuleitet. Dass im Falle der Vereinsauflösung das Vermögen der Kirchengemeinde mit der Auflage übertragen werden soll, es für die Pflege der Kirchenbibliothek zu verwenden, lehnte sie als möglicherweise nicht einzuhaltende Verpflichtung ab. Nun sieht die Satzung die Überlassung zu denkmalpflegerischen Maßnahmen der Kirche vor.

Herausragende Bedeutung betont

Kreisheimatpfleger Dieter Mäckl, der die gut besuchte Gründungsversammlung leitete, betonte ebenso wie der Historiker Dr. Wolfgang Mück die herausragende Bedeutung der Kirchenbibliothek, die seit über 500 Jahren bestehe, von vielen Generationen zusammengetragen sowie gepflegt worden und ein untrennbarer Teil der Neustädter Geschichte sei. Deshalb hatte sich auch schon ein „Arbeitskreis Kirchenbibliothek“ drei Jahre lang intensiv um den Erhalt der gesamten historischen Kirchenbibliothek in Neustadt bemüht und Tendenzen widersetzt, sie komplett dauerhaft nach Nürnberg abzugeben, was insbesondere der frühere Dekan Ewelt befürwortet haben soll.

Unter den Bedingungen, geeignete Räumlichkeiten zu finden, die Finanzierung für den Erhalt der Kirchenbibliothek zu sichern und die Nachfolge für den derzeitigen Bibliotheksbetreuer zu regeln, stimmte der Kirchenvorstand vor gut einem Jahr der Rückführung der infolge statischer Instabilität des „Kärnter“ 8000 nach Nürnberg ausgelagerten historischen Bände zu. Eine „Hausaufgabe“, die der Arbeitskreis erledigte, für den Vorsitzender Claus Kerling von einem „steinigen Weg“ sprach und den engagierten Mitgliedern ebenso dankte, wie für die unter anderem von Bürgermeister Klaus Meier und dem Stadtrat sowie dem Landtagsabgeordneten Hans Herold erfahrene Hilfe.

Den „Förderkreis Kirchenbibliothek“ wähnte er auf einem guten Weg, die Bibliothek zu bewahren, die „in ihrer Gesamtheit zur Stadtgeschichte“ gehöre. Dazu gelte es jetzt schnell Unterstützung von Mitgliedern und Sponsoren zu erfahren, wurde bei der Gründung mit schon erfreulich großem Interesse betont. Denn ein sicheres Quartier für die ausgelagerten Bände mit wertvollen Handschriften muss spätestens zum Jahreswechsel 2020/21 zur Verfügung stehen, da der Deponierungsvertrag mit dem Landeskirchlichen Archiv im März 2021 ausläuft. Nach einer Klausel in diesem Vertrag würden sie dauerhaft in Nürnberg bleiben, wenn sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht zurückgeholt sind.

Kann der „Kärnter“ statisch nicht ausreichend ertüchtigt werden, was für den Historiker Mück die Ideallösung mit gleichzeitiger Bewahrung dieses Baudenkmals wäre, hat die Stadt schon Räumlichkeiten am Peter-Kolb-Platz bereitgestellt. Dort sind sowohl Maßnahmen für die optimalen klimatischen Voraussetzungen für die Bibliothek sowie deren Sicherung zu treffen und der Brandschutz zu gewährleisten, wofür der Förderkreis nicht unerhebliche Mittel requirieren muss. „Je mehr Menschen, Firmen und Institutionen dieses Ziel unterstützen, desto leichter ist es erreichbar“.

So hofft man denn auf „rege Unterstützung aus der Gemeinde und Bürgerschaft“ für die Claus Kerling und Klaus Limbacher bei der Überleitung vom Arbeits- zum Förderkreis Kirchenbibliothek warben. Intensiv wolle man nun auf „Spenden- und Sponsorensuche“ gehen, wurde angekündigt. Gilt es doch ein Denkmal zu bewahren, als das das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege „die historische Kirchenbibliothek in ihrer Gesamtheit eingestuft“ hat. Diese ist seit 1525 in der Stadtkirche untergebracht, in die sie Mönche des Franziskanerklosters Riedfeld gebracht und damit gerettet hatten, ehe dieses in den verheerenden Wirren des Bauernaufstandes niederbrannte. Aktuell befinden sich in der Kirche etwa 2000 Bände, die auch in dem Raum über der Sakristei verbleiben werden. 

Harald J. Munzinger

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