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Mittwoch, 16.10.2019

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Bauern mit Füßen getreten

Landfrauen fordern von Benediktinerpater Entschuldigung - 19.09.2019 14:55 Uhr

Mit der „Heimat im Glas“ bringt Autorin Daniela Wattenbach aus Burgbernheim die Schätze der Natur und deren (vergessene) Konservierung mit großem Erfolg wieder ins Bewusstsein. © Harald Munzinger


Höchsten Respekt zollte ihnen der amtierende Landrat Bernd Schnizlein dafür, dass sie das Leben in ihren Orten und den ländlichen Raum aktiv mitgestalten, sich neben ihrer der Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb und Haushalt auf vielfältige Weise intensiv einbringen. Neben der Förderung der Dorfgemeinschaften, Unterhaltung, Kultur und Reisen als Beispiele ihres Wirkens würdigte er die Bildungsarbeit und betonte: „Wir wissen, was wir an der Landwirtschaft haben“.

Eine Wertschätzung, die in einer Zeit der Tiefschläge besonders guttun sollte, unter denen sie einer so nachhaltig traf und nach den Worten Kreisbäuerin Renate Ixmeier „in der Seele brennt“, dass er eine Welle der Empörung auslöste. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums „Öko-Landbau“ im Kloster Plankstetten, hatte Frater Schmidt geäußert, dass die „konventionelle Agrarwirtschaft den Herrgott mit Füßen trete“. Diese „Beleidigung unserer bäuerlichen Familienbetriebe sowie anmaßende und grenzenlose Geringschätzung eines ganzen Berufsstandes“ zurückzunehmen, wird er in einem Protestbrief aufgefordert, der bei der Arbeitstagung in der „Neustädter Kohlenmühle“ die Runde machte und den Geistlichen mit einer Flut von Absendern erreichen soll.

Eine „verheerende Botschaft“

Er treibe „von exponierter Stelle aus einen unsäglichen Keil in die Bauernschaft“ und sende „eine verheerende Botschaft in Richtung Medien und Öffentlichkeit“. Aus Sicht der bäuerlichen Familien, allen voran die Landfrauen, sei seine „Aussage eine Hetze gegen die konventionellen landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Neustadt, in Mittelfranken, in Bayern und darüber hinaus. Sie treten damit die tägliche Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern auf ihren Höfen mit Füßen“, formulierte es Kreisbäuerin Renate Ixmeier.

Sie wirft Frater Schmidt vor, in unverantwortlicher Weise Öl ins Feuer der Skandalisierung und Hysterisierung von landwirtschaftlichen Themen zu gießen und erwartet unter anderem Antworten, ob denn die im Biolandbau erlaubten Pestizide (Pflanzenschutzmittel) keine Gifte seien, wie ökologisch und unbedenklich ein Glas voll Kupferhydroxid sei. Oder ob Pyrethrine zwischen nützlichen und schädlichen Insekten, die Natur zwischen konventionellen und biologischen Pestiziden unterscheide? Und schließlich auch, ob die Tiere von Öko-Landwirten nitratärmere Gülle oder Festmist als die der konventionellen Bauern produzierten.

Kreuz als stummer Protest

Das Kreuz mit dem Agrarpaket bringen die Landwirte derzeit mit grünen Holzkreuzen auf den Feldern in einem stillen Protest gegen mögliche drastische Folgen zum Ausdruck. Zu diesem hatte „Bauer Willi“ (der streitbar-populäre Landwirt Willi Kremer-Schillings war im letzten Jahr illustrer Gast beim Sparkassen-Agrarforum in Neustadt) geraten. Zum einen als deutliches Signal an die Politik, ebenso wichtig aber, um der Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass das Agrarpaket nicht nur die Existenz der landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Lebensmitteln gefährden könne (nn-online berichtete).

Die Bezirks- und stellvertretende Landesbäuerin Christine Reitelshöfer begrüßte die Initiativen der Ortsbäuerinnen im BBV-Kreisverband, beklagte die Spaltung durch das Volksbegehren und sah in der Landwirtschaft „die offenbar nichts mehr Recht machen kann, die Stimmung am Boden“. Deshalb sei es an der Zeit „wieder lauter zu werden“ und offensiv deutlich zu machen, „dass wir unsere Heimat nicht zerstören“. Reitelshöfer ermunterte die Landfrauen zudem, für die Gemeinderäte zu kandidieren, da „Landfrauen besser gewählt werden und ein besseres Verständnis für Politik haben“.

Unter den Gästen galt Sparkassendirektor Gunther Frautz der Dank für die mit 5000 Euro wertvolle Förderung der Bildungsarbeit, über die Kreisbäuerin Ixmeier bei der Vorstellung des Winterprogrammes berichtete. Dass die Landwirtschaft ein moderner Wirtschaftszweig und sich zugleich der Tradition bewusst sei, führte Frautz aus, würdigte den nachhaltigen Umgang mit der Natur „lange vor Thunberg und Volksbegehren“ und rief auch die Verbraucher in die Verantwortung des ökologisch bewussten Einkaufs. Mit Netzen dazu als Begrüßungspräsent setzte er ein Zeichen gegen die Plastikflut.

Grünes Blut in den Adern

Dass ein Haushalt komplett ohne Plastik auskommen kann, zeigte die Autorin Daniela Wattenbach aus Burgbernheim bei der Vorstellung ihres Bestsellers „Heimat im Glas“ auf. Die Kräuterpädagogin und zertifizierte Naturheilkundlerin hat auf gut 200, reichhaltig illustrierten Seiten mit einer Vielzahl an Küchentipps und Rezepten ihre „kulinarischen Kindheitserinnerungen“ in einem Ratgeber zusammengefasst, der zur Ernährung aus der „Schatztruhe vor der Haustüre“ anregt, wie dies in früheren Generationen üblich war. Von diesen gibt sie auch (vergessene) Konservierungsmethoden weiter. Dass sie damit „einen Nerv getroffen“ hat, belegt das Interesse an der „Heimat im Glas“, die Daniela Wattenbach „mit dem grünen Blut in den Adern“ gerne auch bei Führungen Schönheit und Reichtum der Natur vermittelt.

Auf sehr großes Interesse stieß auch die Vorstellung des Vereins „Gemeinsam für Sternenkinder und Frühchen in Franken e. V.“, der mit deren Einkleidung und Einbettung für einen würdevollen Abschied von Todgeburten sorgt und betroffenen Eltern bei der Trauerbewältigung beisteht. Mit Kliniken bis Bayreuth, Hebammen und Bestattern ist ein Netzwerk für einen respektvollen Umgang mit dem schweren Schicksalsschlag geschaffen worden. Für die Mitglieder des Vereins, der gerade mit „Coming Home Bekleidung“ für Frühchen ein neues Projekt startet, sei es eine Herzensangelegenheit, nicht nur mit den Handarbeiten für die Betroffenen da zu sein, sondern für sie stets auch ein offenes Ohr. Dass aus ihrem Kreis für den Verein genäht, gestrickt oder gehäkelt werde, wurde den Landfrauen gedankt.

Die „Landfrauenstimmen“ stärken

Kreisbäuerin Renate Ixmeier blätterte im großen Katalog der Winterarbeit und stimmte auf Aktionen, Kurse, Seminare von der gesunden Haut bis zu „Schädlingen und Nützlingen im naturnahen Garten“ oder zur Qualifizierung zur Agrar-Bürofachfrau sowie auf Reisen ein und warb um Mitwirkung beim „Consumenta“-Auftakt am 26. Oktober ebenso wie für die Beteiligung an der Bäuerinnenstudie. Auch für die „Landfrauenstimmen“, die als ältester Ortsbäuerinnenchor Bayerns 2020 das 50-jährige Bestehen feiern, rührte Ixmeier kräftig die Werbetrommel, da „großer Bedarf an jungen Stimmen“ herrsche. Nach Gollhofen, wo nach dem Raum Neustadt-Scheinfeld in der Kreisstadt die Arbeitstagung für den westlichen Landkreis stattfand, lud sie am 2. Dezember zur traditionellen Landfrauen-Weihnacht ein.

Fachberater Hans Volland beschloss die beiden Tagungen mit aktuellen Informationen aus der BBV-Geschäftsstelle und beruhigte dabei die mit der Düngeverordnung erregten Gemüter, werde diese doch „eh seit Jahren erfüllt“, lediglich nun auch die Dokumentation nötig. Zur Hofübergabe rechtzeitig Rat einzuholen, empfahl er die Gedankenanstöße bei einem Seminar am 12. November und wies zudem auf den Jungunternehmertag mit dem zentralen Thema Privatwaldbewirtschaftung am 24. Oktober hin. Weitere Themen waren ökologische Ausgleichsflächen sowie die Gewässerrandstreifen, bei denen Volland darauf hofft, dass sich bei den Maßgaben „der gesunde Menschenverstand durchsetzt“.

Harald J. Munzinger

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