Montag, 16.12.2019

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Das privilegierte Jagdrevier

Bedeutung der Nebenresidenz Neustadt bisher unterschätzt - 14.10.2019 21:35 Uhr

Dr. Reinhard Seyboth wusste viel über das Jagdwesen als aristokratisches Privileg zu berichten. © Harald Munzinger


Um die Jagd ging es auch am ersten „Hohenzollerntag“, der unter dem Motto „tierisch was los“ stand. Den Auftakt machte eine Stadtführung auf den Spuren des Geißbocks, auf dessen buchstäblich „sagenhafte“ Rolle für Neustadt Sabine Fink mit dem Blick auch auf die Bedeutung der Tiere ganz allgemein in der Geschichte Neustadt einging; wie etwa am „Säuturm!“. Eine große Gruppe schloss sich dem interessanten Spaziergang entlang der Stadtmauer an.

Dieser endete im Schlosshof, in dem unterdessen die Jäger eine Wanderausstellung des Bayerischen Jagdverbandes aufgebaut hatten. Die Präparate der Tiere, die mit dem Jagdgesetz in Verbindung stehen, stießen ebenso auf Interesse, wie die Vorführung zahlreicher Jagdhunde mit sachkundiger Erklärung ihrer Ausbildung und Bedeutung bei der Jagd. Mit deren Signalen machten die Jagdhornbläser die Gäste im herbstlichen Schlosshof bekannt, in dem zur „Feier des hohen Tages“ sogar eine „Markgrafentorte“ kreiert worden war.

Der Referent über das Jagdwesen in der Zeit eines der bedeutendsten Markgrafen, Dr. Reinhard Seyboth von der Universität Regensburg war nicht nur mit der Hohenzollern-Historie, sondern auch mit der Residenz Neustadt bestens vertraut, hat er doch in der Kreisstadt seine familiären Wurzeln. Er stellte wachsendes Interesse in jüngerer Zeit an der fränkischen Linie der Hohenzollern fest, was auch der Zusammenschluss der hiesigen Zollernorte belege.

Unmengen an Quellen hinterlassen

Das Wissen über deren Blütezeit schöpfe man aus „Unmengen Quellen“, die mit Tausenden Briefen, Urkunden und historischen Artefakten hinterlassen worden seien. In diesen ist das „Weidwerk als wichtiges Freizeitvergnügen“ ebenso beschrieben, wie das durch seinen Wildreichtum beliebte Revier. In dem war den Dokumenten zufolge auch Maximilian I. zu Gast, der als einer der besten Jäger und Vorbild für den Hochadel seiner Zeit galt.

Markgraf Albrecht Achilles war leidenschaftlicher Jäger und auch von seiner zweiten Frau Anna ist eine große Jagdleidenschaft überliefert. Dass dies nicht außergewöhnlich gewesen sei, berichtete Dr. Seyboth von „bemerkenswert vielen Frauen“ auf der Jagd, die vornehmlich mit der gegenüber Pfeil und Bogen durchschlagskräftigeren Armbrust ausgeübt worden sei. Die Jagd diente dem streitbaren Markgrafen zur Erholung und zum Vergnügen, wurde gerne zur höfischen Repräsentanz und als gesellschaftliches Ereignis mit politischem Hintergrund ausgeübt.

200 Wildschweine „aufgehoben“

Auf die Bauern wurde dabei keine Rücksicht genommen, wie der Beschreibung einer Jagd zu entnehmen ist, bei der 132 Wildschweine erlegt geworden, 200 ungeachtet der durch sie angerichteten Schäden für weitere Jagden verschont geblieben waren. Die Bedeutung der Nebenresidenz Neustadt sollte auch die Entscheidung von Albrecht Achilles unterstreichen, der dieses Schloss als „komfortabelster Ort“ für den Witwensitz von Kurfürstin Anna gewählt hatte, den sie 1486 mit zwei Söhnen bezog. Nach jahrzehntelanger Blütezeit sei es nach ihrem Tod am 31. Oktober 1522 deutlich ruhiger um das markgräfliche Schloss und seine Lande geworden, so Dr. Seyboth, da der Sohn Friedrich der Ältere kein Interesse an der Jagd gehabt habe.

Auf positive Einflüsse der Hohenzollern für das in ihrer Zeit blühende Neustadt war Museummitarbeiter Jochen Ringer bei der Einstimmung auf den Vortrag eingegangen. Von dem war Carola Kabelitz so angetan, dass sie Dr. Reinhard Seyboth nur zu gerne zu weiteren Einblicken in die Markgrafenzeit und ihre Einflüsse auf die Region im Schloss begrüßen würde. In schöner Atmosphäre des kleinen Schlossgewölbes klang der „Hohenzollerntag“ bei Gesprächen über ein Kapitel der Stadtgeschichte aus, dem mehr Beachtung gebührt.

Harald J. Munzinger

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