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Mittwoch, 22.01.2020

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Deponiebesichtigung in Dettendorf: Fremdstoffe im Biomüll

"Wenn es vor der Türe pfeift" - Metalldetektoren im Einsatz - 11.10.2014 13:55 Uhr

Den hohen Verunreinigungsgrad des Biomülls machte der Augenschein für die zahlreichen Teilnehmer an der Deponieführung erschreckend deutlich. © Harald Munzinger


Die Ladung sehe noch ganz gut aus, klang sein Kommentar sarkastisch - angesichts einer Unmenge von Plastiktüten, von Glas und Metall bis hin zum Plastikeimer einmal querbeet durch alles, was nicht in den Biomüll gehört. Dies mit “händischen” Kontrollen in den Griff zu bekommen, gilt als Unding, obwohl die Stichpunktkontrollen flächendeckend für eine deutliche Verringerung der Fremdstoffe gesorgt hatten; allerdings nicht nachhaltig. Dass sie jedoch den Kontrolleuren auf Dauer nicht zumutbar seien, stieß bei den Kommunalpolitikern auf breites Verständnis.  

Sie hatten auch schon in der Sitzung des Umweltausschusses nach einem Vortrag über die Wirkung von Metalldetektoren an den Müllfahrzeugen signalisiert, diese auch im Landkreis einzusetzen. Zumal Erfahrungsberichte zeigten, dass bei Metall im Biomüll sich darin auch andere Fremdstoffe fänden und es eine abschreckende Wirkung habe, “wenn es vor der Türe pfeift”, wie es eine Entsorgungsfirma berichtete.

Appelle fruchten nicht

Die Leute schämten sich, wurde festgestellt; auch wenn der Tonne “die rote Karte gezeigt” werde, sie stehen bleibe und gegen Zusatzzahlung als Restmüll entleert werde. Die beste Wirkung werde auch hier über den Geldbeutel erzielt, merkte Marcus Wehr zur Anregung vermehrter Appelle mit der Erfahrung an, dass diese schon vielfach ohne die erhoffte Wirkung erfolgt seien.

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Der Zustand des Biomülls habe sich nicht verbessert, zeigte er es auch an einem Berg von Gärresten auf, die so stark mit Störstoffen - vor allem mit dem in den Verarbeitungsprozessen zerfetztem Plastik - versetzt sind, dass man sie nach Mannheim bringen und dort teuer entsorgen lassen muss, statt mit den holzigen Bestandteilen Einnahmen erzielen zu können. Jede Woche einen Zug mit 70 Kubikmeter, ohne dass sich das Volumen verringert. Ob der Versuch, das Wasser aus dem Biomüll zu pressen, um dann Fremdstoffe aussieben zu können, die Situation verbessert, ist offen.

In diesem Zusammenhang machte Marcus Wehr deutlich, dass im Landkreis auch der Gebrauch verrottbarer Plastiktüten verboten sei, da sie im thermischen Prozess den Müll umschließen und damit der Energiegewinnung entziehen. In allen Wertstoffhöfen würden zum Selbstkostenpreis Papiertüten angeboten. Außerdem erfülle Zeitungspapier hier einen guten Zweck.

Jochen Zellner führte die Gäste zur Kassette der Deponieklasse 1, die über dem dort gelagerten Hausmüll noch eine Restmenge von 112.000 Kubikmeter sogenannter inerter Stoffe aufnehmen kann. Alleine 8000 Tonnen belasteten Materials vom Bad Windsheimer Steller-Gymnasium hätten 2013 eingelagert werden müssen, wozu noch 1000 Kubikmeter Asbest sowie geringere Mengen an Glas- und Steinwolle oder Gipsabfälle gekommen seien. Zellner zeigte die Endhöhe und spätere Modellierung des Geländes auf, in dem der erste Füllabschnitt temporär abgedeckt, der zweite mit einer neuen Zufahrt erschlossen ist.

Große Flächen erforderlich

“Die Abfallwirtschaft braucht Fläche”, zeigte er am Gewerbewertstoffzentrum mit seinem weiträumigen Umgriff auf. Die Durchsatzgrenze von 10.000 Tonnen sei schon überschritten (mit einem Schub der Blauen Tonnen), dazu kämen weitere 6000 Tonnen in der Umladestation. Nach dem Beispiel der etwa gleichgelagerten Schweinfurter Anlage soll vom Deponiebetrieb ein Bereich für die Kleinanlieferer mit “ziemlich hoher Frequenz” abgetrennt werden.

Dieser soll eine eigene Zufahrt erhalten, die einfache Ablagerung aller Stoffe ermöglichen, die in der Deponie angenommen werden, und als “eigener Betrieb” mit eigenen Öffnungszeiten auch mit dem verlagerten Wertstoffhof ausgestattet sein. Mit dem Projekt soll der Anlagenbetrieb entlastet und der Service für die Kleinanlieferer verbessert werden, führte Jochen Zellner mit dem Hinweis auf gegenwärtig gelegentliche Konflikt-, teilweise auch gefährliche Situationen aus. Besondere Anerkennung zollte Neustadts Bürgermeister Klaus Meier dem bürgerfreundlichen Service, Abfälle auch samstags anliefern zu können. Dies werde sehr gut angenommen, stellte Jochen Zellner fest.

Gut angenommen werden sollte auch die Einladung nach der anderthalbstündigen Deponiebesichtigung die Einladung zur “Deponiekerwa”, bei der in legerer Runde noch manches Thema der Abfallwirtschaft von der Deponie mit 120.000 Tonnen Hausmüll in einer 12 Meter hohen Kassette bis zum modernen Betrieb der Energie- und Verwertungsanlage erörtert werden sollte.

Harald J. Munzinger

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